Ein Faschingszug der Rekorde: Zehntausende pilgerten zur Althistorischen Fasenacht nach Rötz

Von Stefanie Bauer · 13. Februar 2024 um 20:45

Faschingszüge gibt es landauf, landab – doch welcher von ihnen kann schon von sich behaupten, dass die Ehrengäste mit dem Helikopter eingeflogen werden?

Fasenachts-Präsident Frank Gazinksi hatte eine kleine Sensation angekündigt, und diese wurde den Besuchern der Althistorischen Rötzer Fasenacht am Dienstag auch geboten: Waldraut & Marichen – man beachte die Schreibweise – hatten es doch noch einrichten können und trafen um kurz nach 13 Uhr in Rötz ein. Natürlich ließen die beiden aus Funk und Fernsehen bekannten „Grazien“ alias im echten Leben aus Rötz stammenden Judith Pregler und Jutta Tolks es sich auch nicht nehmen, auf dem Wagen der Ehrengäste am Faschingszug teilnehmen.

Die Fasenacht begann aber nicht erst mit dem Zug, zu dem Zehntausende von Besuchern aus allen Himmelsrichtungen strömten: Schon morgens trafen sich die Zädungsdandler erst zum gemeinsamen Frühstück und wurden dann ausgesandt, um die 3500 Faschingszeitungen unter die Leute zu bringen. An den Mann beziehungsweise die Frau wurden ebenfalls schon vormittags die Bauhelme gebracht, mit denen man sich vor „herabstürzenden Gebäudeteilen in der Rötzer Innenstadt“ schützen konnte.

51 Wagen nahmen teil

Die Wagen stellten sich ab 13 Uhr in der Bahnhofsstraße auf. Mit denen hatten die Teilnehmer des Faschingszugs sich wieder einmal selbst übertroffen: Aufs Korn genommen wurden neben der großen Bundespolitik mit den „Bundestubbies“ auch die Deutsche Bahn, Klimaaktivisten, die Bernrieder Baustelle, und passend zum Verkauf der Bauhelme wurde auch gleich eine „Abrissparty Innenstadt“ verheißen. Themen gab es noch viele mehr – schließlich waren es 51 Wagen mit rund 1200 Teilnehmern.

Eines der „Herzstücke“ mit Tradition bei der Fasenacht ist das Ausspielen auf der Bühne im Anschluss. Wem ein besonders lustiges Missgeschick seit der letzten Fasenacht passiert ist, das kann man entweder in der Fast-NACHT Ausgabe nachlesen und auch live auf der Bühne erleben. Beim ersten Ausspielstück „Da Pelletgroßkotz“ berichtete der erfahrene Ausspieler Reinhard Dirscherl von einem aus der „Riedererstraß‘, da drom in Retz“, dem „koana as Wossa reicha konn“. Denn: Wenn eine neue Pelletheizung eingebaut ist, aber dann die Tür bloß angelehnt ist und dann gar so viel in Bunker eine passt, muss etwas faul sein – und dann heißt es danach zum Besen greifen und die überall verteilte Pellet-Bescherung mühevoll zusammenfegen.

In diesem Jahr gab es drei neue Ausspieler: Als nächstes berichtete Ben Loibl vom „Büßa-Navi“ von den beiden jungen Damen aus dem „Schleierderfl“, den „Weitzer-Moidln“, die nach Altötting wallfahrten wollten. „Ja mia san mitm Radl do“, starten sie noch guter Dinge – bis sie merken, dass man sich nicht immer auf die Technik, sprich das Navi, verlassen sollte.

Beim nächsten Ausspielstück „Da explosive Backofen“ nahm Martin Kriegseis den Stab in die Hand. Denn da gibt es einen „Kulturchef, Stadtrat, Obstbaumkenna“, der es etwas zu gut gemeint hat mit der Hefe und dem das Brot nach seinem eigenen Rezept dann ein wenig zu gut aufgegangen ist im Ofen, so dass er es letztlich „breckerlweis“ auf den Tisch kommt.

Kehraus im Fürstenkasten

Das vierte und letzte Ausspielstück „Kopflos in Hetzmannsdorf“ schließlich war nichts für schwache Nerven: Christian Hofstetter wusste zu berichten, dass in diesem Ortsteil ein gewiefter Selbstversorger drei Hühner und einen Gockel angeschafft hatte. Leider stellte sich dann aber heraus, dass es genau andersherum war und nun drei Gockel bei ihm daheim Körner pickten. Ein „Hahnrich“ sollte nun „in die Pfanne“ und muss das Zeitliche segnen. Doch dann kommen dem Selbstversorger Zweifel – war es wirklich der Hahn, der geschlachtet wurde? Zumal auf einmal sowohl Kopf als auch der Rest verschwunden waren. Letzterer fand sich bei der Nachbarsbäuerin im Garten. Gut, dass es die „Sa‘Erpfl-Hüttn“ gibt, die bei der Bestimmung helfen konnte, ob es ein Männchen oder ein Weibchen war.

Der Auftritt der Rötzer Faschingsgarde sorgte ein weiteres Mal für Begeisterung. Die Tänzerinnen nutzen die Gelegenheit, ihren drei Trainerinnen Carolin Weitzer, Tanja Maier und Stefanie Pscherer, die das Training stets mit „Liebe und Herz“ gemacht haben, und, wenn Not am Mann war, auch schon einmal selber eingesprungen sind, mit einem Blumenstrauß und einem Geschenk zu danken.

Nach dem Ausspielen war noch längst nicht Feierabend. Bei der großen Faschingsparty ging es bis 20 Uhr weiter mit bester Stimmung. Die Ausspielgruppen zogen danach weiter durch die Wirtshäuser, und auch dort herrschte reges Faschingstreiben. Wer den Auftritt der Garde noch einmal erleben wollte, hatte eine weitere Gelegenheit dazu: Um 17 Uhr startete der Kehraus mit Livemusik der Band Route 1234 im Fürstenkasten, und gegen 21 Uhr trat die Garde noch einmal auf. Auch die Ausspielstücke wurden erneut zum Besten gegeben.

Wo lang geht‘s nach Altötting? Wer sich auf die Technik verlässt, ist oft verlassen. Fotos: Simon Tschannerl / Stefanie Bauer
Vor dem Thamer-Gebäude waren die Bauhelme gefragt.
Der Auftritt der Rötzer Faschingsgarde sorgte für viel Applaus.
Weitere Impressionen aus Rötz
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