500 zeigten in Schwandorf Gesicht gegen Rechtsextremismus: Ultralinke fielen der Polizei auf

Der Obere Marktplatz in Schwandorf war am Mittwochabend wieder Schauplatz einer Kundgebung. Diesmal gingen aber nicht die Kritiker der Ampel-Regierung auf die Straße, sondern Bürger, die Hass, Hetze und rechtsextremen Strömungen keinen Raum geben wollen. Unter ihnen waren auch Mitglieder der linksextremen Szene.
Unter dem Motto „Nie wieder ist jetzt – Haltung zeigen“ hatte das Schwandorfer Bündnis gegen Rechtsextremismus eingeladen und im Vorfeld die Werbetrommel gerührt. Man reihte sich damit – spät aber dennoch – in eine Vielzahl von Protesten gegen Rechtsextremismus in ganz Bayern ein, die in den vergangenen Wochen Zehntausende Menschen mobilisiert hatten. In Amberg feierten beispielsweise die Organisatoren vergangenen Sonntag einen Riesenerfolg, als rund 5000 Teilnehmer auf die Straße gegangen waren.
500 Teilnehmer kommen trotz Dauerregen zur Demo
An solche Bilder wollte man in Schwandorf anknüpfen. Und auch der von den beiden AfD-Kreisräten Reinhard Mixl und Klaus Schuhmacher organisierte Protest in Schwandorf vor zwei Wochen, bei dem etwa 250Demonstranten vor Ort waren, dürfte ein Ansporn für die Aktion am Mittwochabend in der Innenstadt gewesen sein.
War die Demo in Schwandorf am Mittwoch ein Erfolg oder eher das Gegenteil? Unser Autor Thomas Rieke geht dieser Frage in seinem Kommentar nach
Die Schwandorfer Polizei, die mit Unterstützungskräften aus anderen Inspektionen wieder für die Einhaltung der Auflagen sorgte, zählte 500Teilnehmer. Sie waren trotz Dauerregens gekommen. Unter diesen befanden sich Menschen jeden Alters – von Kindern bis Senioren. Einige Schwandorfer Geschäftsleute waren zu sehen, aber auch viele Bürger aus dem Landkreis. Die Demonstranten hatten Fahnen und Schilder dabei, machten Lärm mit Trillerpfeifen.
Demonstranten äußerten Kritik an der Lautsprecheranlage
Nicht ganz so laut schallte es dagegen von einem Lieferwagen. Dort standen die Redner am Mikrofon zwar im Trockenen, doch die aufgebauten Boxen lieferten nicht die nötige Lautstärke. Das war auch dem Publikum nicht entgangen, das bereits am wenige Meter entfernten Jakobsbrunnen schon kaum mehr etwas verstanden hatte. Immer wieder waren „Lauter“-Rufe zu hören.
Frank Möller, Versammlungsleiter und Sprecher des Bündnisses gegen Rechtsextremismus, eröffnete die Redebeiträge. „Aus Gedanken werden Worte, und aus Worten werden irgendwann Taten“, sagte er mit Blick auf Äußerungen von AfD-Funktionären, die eine Abschaffung des Parteienstaats angekündigt hatten. Man müsse jetzt handeln, sonst wache man in nicht allzu ferner Zukunft auf und reibe sich die Augen, weil man das eigene Land nicht wiedererkenne.
Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) sprach unter anderem von einem „braunen Sumpf“, den es auszutrocknen gelte. Dem „rechten Treiben“ müsste ein Ende gesetzt werden.
Auch die drei Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis Schwandorf, Tina Winklmann (Grüne), Marianne Schieder (SPD) und Martina Englhardt-Kopf (CSU), waren sich, anders als in mancher parlamentarischer Debatte, an diesem Abend einig. Für Hass, Hetze und Rechtsextremismus sei kein Platz in diesem Land. Die AfD sei keine Alternative.
Viel Applaus für die Redebeiträge
ÖDP-Stadtrat Alfred Damm schlug in die gleiche Kerbe. Nationalismus und Extremismus hätten noch niemals Probleme gelöst, sondern letztendlich immer großes Leid über die Menschen gebracht. „Nationalistische Parteien an der Macht in Deutschland – das steht für Ausgrenzung, den Verlust von Menschenwürde, Hab und Gut, Vertreibung, Verlust der Heimat und dem Tod von Millionen.“
Für ihre einzelnen Beiträge ernteten die Redner viel Applaus. Frenetischer Jubel brach aus, als Moammad Yosefi zum Mikrofon griff. Er kam vor acht Jahren aus Afghanistan nach Deutschland, ging hier zur Schule. Seit Oktober studiert er Künstliche Intelligenz an der OTH in Regensburg, arbeitet nebenbei als Werkstudent. „Ich bin dankbar für alle Chancen und die Hilfe, die ich erhalten habe“, sagte er. Schwandorf sei seine neue Heimat. Doch leider existierten auch hier Vorurteile und Diskriminierung. Er forderte die Anwesenden auf, nicht zuzulassen, dass Hass und Intoleranz „unser Zusammenleben vergiften“.
Die Demo am Mittwochabend verlief nach Angaben der Polizei friedlich. Lediglich einmal mussten die Beamten einschreiten, als laut Schwandorfs Polizeichef Reiner Wiedenbauer Mitglieder des linksextremen Spektrums auftauchten. Diese seien aus Regensburg angereist und vermummten sich mit medizinischen Masken, Tüchern und Kapuzen. In ihren Händen hielten sie ein Banner mit einer deutlichen Botschaft: „Die AfD soll der Blitz beim Scheißen treffen“, stand in schwarzen Großbuchstaben auf rotem Untergrund geschrieben. Daneben hielt die Gruppe Fahnen der Antifa hoch.
Polizei nimmt Personalien auf
Die Polizei nahm deren Personalien auf für den Fall, dass von diesen weitere Aggressionen ausgingen. „Auch das Vermummen ist nicht erlaubt“, erklärte Einsatzleiter Wiedenbauer die Maßnahme. Kurz darauf gesellten sich noch Vertreter des Jugendzentrums JUZ in Burglengenfeld dazu. Auch sie hatten ein Banner in Schwarz und Rot dabei. „Alle meine JUZler Hassen Rechtsextreme“ lautete ihre Botschaft.
Bundestagsabgeordnete Martina Englhardt-Kopf erfuhr im Nachgang von der Teilnahme der Linksextremen. Für diese hatte sie kein Verständnis. „Null Toleranz gegenüber linkem und rechtem Extremismus. Ich lehne jegliche Form konsequent ab und distanziere mich davon“, sagte sie auf Nachfrage.
Versammlungsleiter Frank Möller will die Gruppe gar nicht bemerkt haben. Er sei die ganze Zeit auf der Bühne gestanden und habe wegen der vielen Regenschirme nicht weit sehen können. Er stellte aber klar, dass man ein bürgerliches Bündnis gegen Rechtsextremismus sei. Man stelle sich entschieden gegen Beleidigungen jeder Art und distanziere sich auch von Demonstranten, die gegen die Regeln verstoßen. „Damit haben wir nichts am Hut, das ist nicht unser Stil.“
Insgesamt sei er sehr zufrieden mit der Veranstaltung gewesen. Dass sich trotz des Regens so viele Menschen auf dem Marktplatz eingefunden hätten, sei „ein großer Erfolg“ gewesen. Man wollte ein Zeichen gegen den um sich greifenden Rechtsextremismus setzen und auf die Ausfälle der AfD, die Pläne dieser Partei und anderer Gruppierungen aufmerksam machen. Die Veranstaltung in Schwandorf soll keine einmalige Geschichte sein, auch wenn es bisher noch keine konkreten Planungen für eine Fortsetzung gebe.


