Und wieder waren die Autobahn-Auffahrten dicht: Bauern setzten Blockaden in Schwandorf fort

Von Jan Lange, Philipp Breu · 31. Januar 2024 um 15:36

Der Bauernverband trägt seinen Frust über die Bundesregierung seit der Vorweihnachtszeit auf die Straße. Unzählige Landwirte beteiligten sich bundesweit an einer Aktionswoche, um auf ihre Lage aufmerksam machen. Nun standen am Mittwoch die nächsten Proteste an – auch im Landkreis Schwandorf. Dieser traf vor allem die Autobahnen.

Der Protest fand bewusst kurz vor der Entscheidung des Bundestags zum Haushalt statt, wie der Bauernverband im Vorfeld mitteilte. Die Aktion richtete sich vor allem gegen die Pläne der Ampel-Koalition, die Rückvergütung beim Agrar-Diesel schrittweise zu streichen. Auch Lohnunternehmer beteiligten sich an dem Protest.

Im Landkreis Schwandorf blockierten die Teilnehmer die Auffahrten der A93-Anschlussstellen Teublitz, Schwandorf-Süd, Schwandorf-Nord, Schwarzenfeld, Nabburg, Wernberg-Köblitz und Pfreimd sowie der A6-Anschlussstelle Nabburg-West. Die Auswirkungen auf den Verkehr waren aber nicht gerade schwerwiegend.

Alle acht Versammlungen haben laut Polizei unangemeldet stattgefunden

Auch wenn der Bauernverband im Vorfeld über die Blockaden informiert hatte, hätten alle diese acht Versammlungen laut Polizei unangemeldet stattgefunden.

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Lange Schlangen waren trotzdem eher die Ausnahme. Denn die Protestler seien dazu angehalten worden, die Blockaden alle zehn Minuten zu öffnen, um die stauenden Fahrzeuge weiterfahren zu lassen. Diese Auflage habe es laut Polizei an den wichtigsten Anschlussstellen wie zum Beispiel Schwandorf-Süd und Teublitz gegeben. Die Versammlungsteilnehmer hätten sich diesbezüglich kooperativ gezeigt, resümiert Polizeioberkommissar Dominik Lehmeier von der Polizeiinspektion Amberg. Die Lage sei insgesamt sehr friedlich gewesen, so der Polizeisprecher weiter. „Es gab keine Gewalt und keine Beleidigungen. Es sind anständige Leute“, so Lehmeier.

An der Anschlussstelle Schwandorf-Nord beispielsweise blockierten die Teilnehmer um Versammlungsleiter Peter Schießl aus Fuhrn die Auffahrten seit 8 Uhr morgens. An dieser Blockade waren insgesamt 16 Fahrzeuge beteiligt, wie Lehmeier erklärt. So viele Fahrzeuge waren bei keiner der anderen A93-Blockaden im Einsatz.

Landwirte wollten mit der Aktion Präsenz zeigen

„Uns geht es eher darum, Präsenz zu zeigen“, erklärte Schießl. Die Blockade an sich sei eher zweitrangig gewesen. An die Vorgabe, die Auffahrten alle zehn Minuten zu öffnen, hielten sich auch Schießl und seine Kollegen.

Teilweise lösten sie ihre Blockade auch in Ausnahmefällen. So war es zum Beispiel im Fall eines älteren Ehepaars, das dringend nach Regensburg musste. Die Frau stieg aus dem Auto, ging auf die Protestler zu und bat sie um Durchfahrt. „Mein Mann hat einen wichtigen medizinischen Termin um 10 Uhr“, sagte sie. Prompt setzten sich Schießl und seine Kollegen in ihre Bulldogs und fuhren zur Seite.

Die Verkehrsteilnehmer hätten laut den Landwirten weiterhin Verständnis für ihre Aktionen. Viele Daumen gehen nach wie vor nach oben, teilweise werde aus Solidarität gehupt. „Man merkte aber schon, dass die Auto- und Lastwagenfahrer etwas gereizter reagierten, als das noch in Wackersdorf der Fall war“, so Schießl. Dort hatten er und seine Kollegen am Montag vor einer Woche die zentralen Zufahrten zum Industriegebiet blockiert. Der Verkehr staute sich hier teils kilometerlang. Doch die Pendler schien das nicht weiter zu stören – im Gegenteil.

Protestler hatten sich mehr Unterstützung erhofft

Ähnliches berichtete Peter Rester. Der Lohnunternehmer aus Grain agierte an der Autobahnanschlussstelle Schwandorf-Süd als Versammlungsleiter. Mit seiner Mannschaft stand er bei Klardorf seit 6 Uhr morgens am Straßenrand, eine Feuertonne spendete den Teilnehmern Wärme. Die Stimmung beschrieb Rester eher als gedrückt. Man sei enttäuscht, dass die Regierung immer noch an den Kürzungen festhalten möchte. Auch die Protestaktion hätte besser laufen können. „Ich hätte mir mehr Unterstützung erhofft", sagte er.

Die Organisation durch den Bauernverband sei nicht ideal und zu kurzfristig gewesen, kritisierte Rester in seinem Resümee. Deshalb seien am Mittwoch auch nicht so viele Teilnehmer auf den Straßen gewesen, wie bei einer ähnlichen Aktion Anfang Januar. „Der erste Protest hier an der Autobahn bei Klardorf war besser organisiert", sagte er. Da wären viermal so viele Teilnehmer dabei gewesen, der Verkehr hätte sich teilweise kilometerlang gestaut. Aufgrund der regelmäßigen Öffnung der Blockade sei der Effekt nicht wirklich spürbar gewesen.

Erste Versammlung endete bereits gegen 10.30 Uhr

Die Blockade der A6-Anschlussstelle Nabburg-West durch neun Fahrzeuge war eine der ersten, die wieder aufgelöst wurde – und zwar laut Polizei gegen 10.30 Uhr.

Entlang der A93 endeten die Blockaden in Schwandorf-Süd gegen 13 Uhr und die bei Teublitz um 14 Uhr. An Letzterer waren 15 Teilnehmer mit fünf Fahrzeugen beteiligt.

Die fünf weiteren Blockaden der A93-Anschlussstellen zwischen Schwandorf-Nord und Wernberg-Köblitz, an denen zwischen sieben und 25 Teilnehmern beteiligt waren, wurden über das ursprüngliche Versammlungsende um 14 Uhr hinaus fortgesetzt.

An der A6 hatten die Landwirte auch die Anschlussstellen in Amberg-Süd, Amberg-West und Sulzbach-Rosenberg blockiert. Beteiligt waren hier zwischen acht und 15 Fahrzeugen. Nur die Aktion in Amberg-Süd wurde nach 14Uhr noch fortgesetzt.

Mehrere Teilnehmer wärmten sich an einer Feuertonne auf. Peter Rester (2. v. r.) leitete die Blockade-Aktion an der Anschlussstelle Schwandorf-Süd. Foto: Philipp Breu