Kommentar zur Demo gegen Rechtsextremismus in Schwandorf: „Täglich die Stirn bieten!“

Von Thomas Rieke · 8. Februar 2024 um 17:25

500 Menschen also haben am Mittwoch im Herzen der Großen Kreisstadt Schwandorf Flagge gegen Hass, Hetz und Rechtsextremismus gezeigt. Ist dies nun ein Erfolg oder eher das Gegenteil? Unser Autor Thomas Rieke geht dieser Frage in seinem Kommentar auf den Grund.

Wir halten fest: Die Umstände waren miserabel. Wind, Regen, Kälte – keinen Hund jagt man bei solch Wetter vor die Tür. So gesehen, klingen 500 Teilnehmer nicht schlecht. Andererseits: AfD-Frontmann Reinhard Mixl ist es in der Hochphase der Pandemie gelungen, trotz miserabler Bedingungen teils deutlich mehr Menschen zu mobilisieren. Insofern ist das Ergebnis, welches das Bündnis gegen Rechtsextremismus vorzuweisen hat, doch eher bescheiden.

Ampel genießt kaum mehr Rückhalt

Die Organisatoren, die das Resultat trotzdem feiern, sollten sich nichts vormachen: Es scheint in der Region besonders schwierig zu sein, Bürger für den Kampf um die Demokratie einzuspannen. Einer der Gründe: Ähnlich wie im Osten der Republik, sind hier auffällig viele Menschen zuhause, die sich im Stich gelassen fühlen.

Lesen Sie dazu den Haupttext: 500 zeigten in Schwandorf Gesicht gegen Rechtsextremismus: Ultralinke fielen der Polizei auf

Seit Monaten verfolgen sie mit wachsender Wut, wie über ihre Köpfe hinweg Weichen gestellt und Gesetze beschlossen werden, die sie überfordern. Angesichts der Tatsache, dass die Ampelregierung laut Umfragen nur noch den Rückhalt von 33 Prozent der Wähler genießt, nimmt es nicht Wunder, wenn die Verdrossenheit wächst und radikale Kräfte mit Sprüchen wie „Wir holen uns die Demokratie zurück“ punkten.

Es ist an der Zeit, auch im privaten Umfeld zu diskutieren

Um gegenzusteuern, reicht es nicht, sich in sozialen Medien zu empören oder sich bei Kundgebungen jenen anzuschließen, die genauso ticken wie man selbst. Angesagt ist die tägliche Auseinandersetzung im Bekanntenkreis, am Stammtisch, am Arbeitsplatz. Im respektvollen Streitgespräch muss gerungen werden, mit Fakten und Argumenten zu überzeugen, Leute zurückzugewinnen.

Wer zusätzlich demonstrieren will, hat bald erneut Gelegenheit dazu: Für 24. Februar plant ein breites Bündnis demokratischer Kräfte eine Demo in Burglengenfeld.