Verkehrsgutachten zu Amazon vor Abschluss – grünes Licht für Mega-Projekt in Rohr?

Der geplante Logistikpark in Stocka in Rohr in Niederbayern (Landkreis Kelheim) mit einer Amazon-Ansiedlung steht vor einem maßgebenden Schritt. Nach Angaben des Online-Handelsriesen wird in Kürze ein Verkehrsgutachten zum Projekt vorliegen. Die Bürgerinitiative gegen das Vorhaben sieht sich alarmiert.
Seit das Vorhaben in der Gemeinde Rohr in Niederbayern im Dezember 2022 erstmals öffentlich wurde, kommen die widerstreitenden Diskussionen nicht zur Ruhe. Der Wirtschaftspark auf dem früheren Gut Stocka soll 325.000 Quadratmeter Fläche umfassen. An der Westseite (getrennt durch die Staatsstraße 2230) will Amazon auf 23 Hektar ein Logistikzentrum (Hallenfläche 66.000 m²) errichten. Im Osten sollen sich auf 9,5 Hektar (Halle 50.000 m²) bis zu sechs weitere Firmen ansiedeln.
Auf die Seite der Befürworter schlug sich zuletzt Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger in einem Exklusiv-Interview mit der Mediengruppe Bayern. Die Gegner aus der „Bürgerinitiative Region Abensberg und benachbarte Gemeinden“ (BIA) halten unbeirrbar am Widerstand fest. Wesentlicher Kritikpunkt ist die Verkehrsbelastung. Amazon und Projektentwickler Panattoni rechnen mit täglich etwa 600 Lkw und 1350 Pkw auf den Straßen. Die BIA spricht dagegen allein bei der Ortsdurchfahrt Offenstetten von 17000 Fahrzeugen am Tag.
Was steht in der Expertise?
Zur Realisierung des Projekts muss der Markt Rohr einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufstellen. Zur Entscheidungsfindung soll wie mehrfach berichtet ein Verkehrsgutachten beitragen, an dem das Staatliche Bauamt in Landshut und die Autobahn GmbH mitwirken. „Das Gutachten steht kurz vor dem Abschluss“, erklärt Thorsten Schwindhammer, PR-Manager bei Amazon, auf Anfrage.
Zu welchem Ergebnis die Expertise kommt, wollen weder er noch Rohrs Bürgermeisterin Birgit Steinsdorfer sowie andere Stellen vorab preisgeben. Schwindhammer sagt aber: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Die BIA macht diese Aussage hellhörig. „Wenn Amazon von einem guten Weg spricht, ist es naheliegend, dass es für unseren Kampf gegen den Logistikpark negativ sein dürfte“, erklärt Vorsitzender Roland Weiß, der vom Verkehrsgutachten grünes Licht für das Vorhaben befürchtet.
BIA sieht nicht alle Verkehrsströme betrachtet
Spätestens wenn der Rohrer Marktrat den vorhabenbezogenen Bebauungsplan – die Investoren tragen die Kosten für Planung, Erschließung und Bauvorhaben – behandelt, wird man Konkretes zum Inhalt erfahren. Der Termin der entsprechenden Sitzung ist laut Bürgermeisterin Steinsdorfer noch offen. Für die BIA stellt sich die Frage, welche Zufahrtsstraßen untersucht wurden. „Wenn nur auf die Autobahn-Zubringer der Auffahrt Abensberg geguckt wurde, ist das aus unserer Sicht zu wenig. Die Verkehrslast wird auch über andere Straßen rollen.“
Die Bürgerinitiative will ihre Gegenargumente, die auch Arbeitskräfte-Mangel (Amazon spricht von 1800 Mitarbeitern), Umweltzerstörung oder Wohnraumsituation umfassen, in zwei Versammlungen erneut unter die Menschen bringen. Nach vielen Analysen und Recherchen in den letzten Monaten sieht die BI „katastrophale Langzeitschäden“ für die gesamte Region heraufziehen.
Zwei Termine – mit Premiere eines Protest-Sketches
Der erste Termin findet am Dienstag, 6.Februar 2024, ab 19 Uhr im Lokal Stanxx in Abensberg statt. Wie Weiß sagt, habe man dazu explizit die Kreisräte geladen. Der Landkreis habe zwar keinen Einfluss auf den Aufstellungsbeschluss, „aber weniger denn je akzeptieren wir, dass sich alle Politiker hinter der Planungshoheit der Marktgemeinde Rohr verstecken“. Auch Landrat Martin Neumeyer wurde angesprochen, „er hat aber abgesagt“, so der BIA-Vorsitzende.
Am Montag, 6. März 2024, hält die BIA, die inzwischen fast 2000 Mitglieder zählt, ab 19Uhr ihre Jahresversammlung im Jungbräu in Abensberg ab. Dabei soll erstmals ein Protest-Sketch auf die Bühne gebracht werden, den Weiß selbst schrieb. Amazon(-Boss) und Panattoni unterhalten sich in dem Einakter als personifizierte Figuren über die Pläne in Rohr und die Widerstände. Am Ende gebietet eine höhere Macht den beiden Einhalt und legt das Vorhaben auf Eis. „Zwei Darsteller vom Abensberger Theater am Bahnhof werden das Stück umsetzen. Panattoni wird von einer Frau gespielt“, verrät der Autor und Vorsitzende.