Gegen Amazon im Landkreis Kelheim: BI-Vorsitzender schreibt Protest-Sketch

Still ist es geworden um den heiß diskutierten Wirtschaftspark bei Rohr in Niederbayern, in dem sich Amazon mit einem Logistikzentrum ansiedeln will. Umtriebig bleibt aber die Bürgerinitiative gegen das Projekt: Der Vorsitzende hat einen Protest-Sketch verfasst – mit einem „Big Boss“ und einem Ausführungsgehilfen.
Die Parameter des Vorhabens in Stocka sind längst bekannt: Auf einer Fläche von 325.000 Quadratmetern will der Online-Händler Amazon auf 23 Hektar ein Logistikzentrum (Hallenfläche 66.000 m²) errichten. Auf 9,5 Hektar (Halle 50.000 m²) sollen sich weitere Firmen ansiedeln. In Summe würden 1800 Arbeitsplätze entstehen, allein 1500 bei Amazon.
Seit einem Jahr sind die Pläne bekannt, seither regt sich Widerstand. Formiert hat sich dieser in der „Bürgerinitiative Region Abensberg und benachbarte Gemeinden“ (BIA), die mittlerweile über 1700 Mitglieder zählt. „Wir versuchen seit Monaten, mit Zahlen, Daten, Fakten zu argumentieren. Jetzt möchte ich die Menschen auch in der Bauchgegend ansprechen“, so Vorsitzender Weiß. Das bewog ihn zu einem Protest-Stück, das aus seiner eigenen Feder stammt.
Bagger rollen und viel Bier fürs Richtfest
In dem Einakter unterhalten sich zwei Personen: Eine ist unschwer als Amazon-Boss erkennbar, die andere als Projektentwickler, der vor Ort das Vorhaben durchbringen soll. „Denen müssen wir noch viel mehr Logistikparks vor die Nase setzen“, fordert der Chef, „lass schon mal die Bagger anrollen, und viel Bier fürs Richtfest.“ Der Projektierer hadert aber mit „Querulanten“, die den Bau verhindern wollen.
In der Folge flechtet Weiß in die Passagen des Projektentwicklers die Argumente der BIA ein: Verkehrsbelastung, Arbeitskräfte- und Wohnraummangel, Lichtverschmutzung, Umweltzerstörung. Der „Big Boss“ wird ungehalten: „Du wälzt alle Widerstände platt!“ Im Moment größter Rage meldet sich eine Stimme aus dem Off, eine „oberste Instanz“, die für „das Gute, das Volk, die Natur, die Lebensqualität“ steht. „Es reicht. Der Logistikpark Stocka wird für immer auf Eis gelegt“, verfügt sie. Das Stück klingt mit dem Song „What a wonderful world“ aus.
Das Stück soll auf die Bühne
„Ironisch und überzogen“ habe er den Text angelegt, sagt Weiß, und bewusst „die andere Seite“, sprich Amazon und Projektentwickler Panattoni, als fiktive Figuren gewählt. Ein Neuling als Autor ist der 66-Jährige nicht: Märchen und einen Roman hat er schon verfasst, veröffentlicht aber nichts, auch den Protest-Sketch noch nicht. Das Stück soll als Aufführung das Licht der Welt erblicken.
„Ich muss noch Darsteller finden, die es umsetzen.“ Das scheint nicht so einfach. Einige regional bekannte Schauspieler haben schon abgewunken. „Ich kann die Absagen verstehen, weil man sich mit dem Stück auch positioniert.“ Die Suche will Weiß dennoch fortsetzen. Ebenso schwebt ihm ein Protest-Song vor. Den soll ein regionaler Musiker schreiben – wenn sich einer findet. Der BIA-Vorsitzende würde mit dem Stück und dem Lied gerne eine Veranstaltung auf die Beine stellen. „Ich möchte die Bürger noch mal wachrütteln.“
Amazon: Fakten statt Fiktion
Amazon will den Protest per Theaterstück nicht kommentieren. „Wir kennen es noch nicht. Außerdem sind für uns als Unternehmen die Fakten des Projekts entscheidend. Diese wollen wir weiterhin transparent kommunizieren“, sagt PR-Manager Thorsten Schwindhammer.
Beim Projekt selbst gibt es – zumindest nach außen hin – „aktuell nichts Neues“, sagt Schwindhammer. Die Gemeinde Rohr hat noch keinen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufgestellt, der Voraussetzung für eine Realisierung ist. Bereits Anfang Herbst sollte dies geschehen, doch passiert ist bisher nichts. Gründe dafür „gibt es keine. Ein Aufstellungsbeschluss bedarf einer fundierten und rechtssicheren Vorbereitung“, sagt Bürgermeisterin Birgit Steinsdorfer.
Am Verkehrsgutachten hakt es
Knackpunkt dürfte ein Verkehrsgutachten sein. Die Gemeinde Rohr äußert sich dazu nicht. Die Autobahn GmbH Südbayern lässt aber auf Anfrage der Mediengruppe Bayern durchklingen, dass es darum geht. „Die Autobahn stellt die Forderung, dass es an der Anschlussstelle keinen Rückstau auf die Autobahn gibt und dies durch das Verkehrsgutachten nachgewiesen wird“, erklärt Pressesprecher Josef Seebacher. Gemeint ist die A93-Anschlussstelle Abensberg.
Man stehe „in Abstimmung mit dem Staatlichen Bauamt Landshut und der Gemeinde“. so Seebacher weiter. Das Staatliche Bauamt will nichts sagen und verweist auf den Markt Rohr. Man sei „lediglich als beratende Fachbehörde involviert“, erklärt Pressesprecherin Franziska Weigand.
