Nach Sprengung in Langquaid: Wie geht es weiter mit den Geldautomaten im Kreis Kelheim?

Von Etienne Nückel · 26. November 2023 um 19:00

Zwei Sprengungen von Geldautomaten verunsichern Banken und Kunden im Kreis Kelheim. Anfang November sprengten Unbekannte einen Automaten in der Raiffeisen-Filiale in Langquaid. Im Oktober wurde ein Automat im Neustädter Kaufland geknackt.

Gefühlt scheint eine Welle der Automatenkriminalität über Bayern und den Kreis Kelheim zu schwappen. Christoph Schweiger, Vorsitzender der Raiffeisenbank im Kreis Kelheim, hat den Eindruck, dass die Zahl der Taten seit rund eineinhalb Jahr zunimmt. Die Sparkasse Kelheim hat Konsequenzen aus den jüngsten Fällen gezogen und die Geldautomaten in Offenstetten und Bad Gögging vorübergehend außer Betrieb genommen. Zunächst waren die SB-Filialen komplett gesperrt, ab Montag sollen Kontoauszugsdrucker und SB-Boxen wieder verfügbar sein, teilte die Bank auf MZ-Anfrage mit. Die Raiffeisenbank hat laut Schweiger bisher keine Automaten als Reaktion auf die Fälle in Langquaid und Neustadt außer Betrieb genommen. Allerdings sei der Automat in Herrnwahlthann nicht mehr ersetzt worden, nachdem er in fünf Jahren dreimal geknackt worden war.

Die Polizei verzeichnet indes keine Zunahme der Fälle, wie das Polizeipräsidium Niederbayern auf Anfrage mitteilt. In Niederbayern gab es demnach seit 2018 17 Automaten-Sprengungen, davon fünf im Zuständigkeitsbereich der Polizei Kelheim – „die Fallzahlen liegen kontinuierlich auf gleichem Niveau“, sagt Kriminalhauptkommissar und Präsidiumssprecher Günther Tomaschko. Die Polizei geht davon aus, dass über zwei Drittel der Fälle von Tätern aus den Niederlanden begangen werden.

Welche Standorte sind gefährdet?

Die Kreissparkasse Kelheim macht die Dauer der Außerbetriebnahme der Geldautomaten in Offenstetten und Bad Gögging „von den Entwicklungen der Automaten-Kriminalität in der Region Landkreis Kelheim“ abhängig. Ob weitere Automaten außer Betrieb genommen werden, beantwortete die Sparkasse nicht. In einem wiederkehrenden Prozess wäge man das Risiko für die Standorte ab – nach welchen Kriterien, werde nicht veröffentlicht. Die Polizei geht davon aus, dass insbesondere die Nähe zur Autobahn als Fluchtweg ein Risiko sein könnte. Das sieht auch der Raiffeisenvorsitzende Schweiger so. Die Tat in Langquaid sei eigentlich untypisch, da es sich um eine Filiale mitten in einem belebten Ortskern gehandelt habe. Gefährdet seien eher ruhige Standorte in Autobahnnähe.

In Offenstetten und Bad Göggin geht derweil die Sorge um, dass es sich bei Abschaltung der Geldautomaten um einen weiteren Schritt beim Rückzug der Banken aus der Fläche handeln könnte. „Ich habe Angst, dass wir den nicht wieder bekommen“, sagt ein Kunde in einem nahegelegenen Geschäft über den Geldautomaten in Bad Gögging. Die Inhaberin hat Verständnis für die Schließung. Aber man müsse „zwei Seiten sehen“: Gerade ältere Leute seien Bargeld gewöhnt und ihnen sei nicht zuzumuten, zum Abheben nach Neustadt zu fahren. Der Kunde sieht die Probleme eher an anderer Stelle: Die Kirche werde sich „freuen“, sagt er ironisch – schließlich zahle man bei der Kollekte ja nicht mit der Karte.

Ähnliches hört man in Offenstetten: „Es macht es nicht einfacher für die Offenstettener Bürger“, weiß Metzger Michael Kiermeier. Eine Verkäuferin wirft ein, sie sei „erleichtert“, dass die Bank den Geldautomaten außer Betrieb genommen hat – nicht auszudenken, wenn Sprengstofftäter nebenan zuschlagen würden. Laut Kreissparkasse sollen die SB-Filialen weiterhin erhalten bleiben. Und auch Schweiger von der Raiffeisenbank sagt, es drohe wegen der Kriminalität kein Rückzug aus der Fläche. Filialen würden geschlossen, wenn sie nicht gut angenommen werden, nicht wegen der Gefährdung. Die Filiale in Langquaid soll ebenfalls wieder aufgebaut werden.

Der „klassische“ Banküberfall gehört der Vergangenheit an

Die derzeitige Kriminalitäts-Welle macht Schweiger emotional durchaus zu schaffen. Angst hätten seine Mitarbeiter allerdings nicht, sie seien eher wachsam. Anfang November hatte ein aufmerksamer Mitarbeiter in der Hauptgeschäftsstelle in Bad Abbach eine Person beobachtet, die den Geldautomaten auszukundschaften schien. Die Polizei überprüfte die Person und stellte fest, dass es sich nicht um einen Ausspähversuch gehandelt hatte und die Person nicht im Zusammenhang mit Automatenkriminalität steht, teilt das Präsidium mit. Doch die Episode zeigt, dass die Nerven blank liegen.

Immerhin: Den klassischen Banküberfall am hellichten Tage – nach dem Motto Hände hoch und Geld her – gebe es eigentlich nicht mehr. Die Sicherheitsstandards – etwa Tresore, die man nur nach einer gewissen Wartezeit öffnen kann – seien einfach zu hoch, sagt Schweiger: „Das Risiko geht keiner mehr ein“.

So sichert die Raiffeisenbank Kelheim ihre Automaten

Standards: Bei Sicherheitsmaßnahmen lassen sich die Banken ungern in die Karten schauen. Der Kelheimer Raiffeisen-Vorstand Christoph Schweiger nennt uns dennoch einige Details: So befänden sich alle Automaten der Kelheimer Raiffeisenbank auf dem höchsten Sicherheitsstandard. Dazu gehört: Werden sie aufgebrochen, vernichtet eine Farbkartusche die Geldscheine. Ein Sigel weise mögliche Täter offensiv darauf hin – das soll abschrecken.

Gebäude: Seit Juli sind außerdem die Türen sämtlicher Raiffeisen-Filialen von 23 bis 5 Uhr verschlossen. Und: In der Regel befinden sich die Automaten anders als der in Langquaid nicht in bewohnten Gebäuden.