Umstrittener Logistikpark: Gerät das Amazon-Projekt ins Stocken?

Am geplanten Logistikpark in Stocka mit Amazon-Ansiedlung scheiden sich die Geister. Der Markt Rohr in Niederbayern will das Vorhaben auf den Weg bringen – doch ein Aufstellungsbeschluss fehlt bisher ebenso wie ein Ankauf des Areals durch die Projektbetreiber. Die BI gegen den Standort plant indes eine Demo.
Der vorgesehene Logistikpark Stocka bei Rohr soll wie mehrfach berichtet insgesamt 325.000 Quadratmeter Fläche (45 Fußballfelder) umfassen. An der Westseite – getrennt durch die Staatsstraße 2230 – will der Online-Handelsriese Amazon auf 23 Hektar ein Logistikzentrum (Hallenfläche 66000 m²) errichten. Im Osten sollen sich auf 9,5 Hektar (Halle 50000 m²) bis zu sechs weitere Firmen ansiedeln. Amazon selbst und der Projektentwickler Panattoni strengen das Vorhaben an.
Erster Schritt zur Umsetzung wäre die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans für die entsprechende Fläche im Ortsteil Bachl durch den Markt Rohr. Noch vor der Sommerpause sollte das laut früheren Aussagen von Bürgermeisterin Birgit Steinsdorfer geschehen. Dazu kam es aber ebenso wenig wie in der ersten Marktrats-Sitzung im September. „Es gibt noch keinen fixen Zeitpunkt für den Aufstellungsbeschluss“, sagt Steinsdorfer nun auf Anfrage der Mediengruppe Bayern.
Unterlagen lassen auf sich warten
Auf die Frage nach den Gründen der Verzögerung erklärt sie: „Wir befinden uns in der Phase, in der alle nötigen und relevanten Unterlagen zusammengestellt werden.“ Welche Dokumente das sind, konkretisiert die Bürgermeisterin nicht. Bekannt ist nur, dass sich ein Verkehrsgutachten in Ausarbeitung befindet; Staatliches Bauamt und Autobahn GmbH wirken daran mit. Die mögliche Verkehrsbelastung durch Liefer- und Mitarbeiterverkehr ruft großen Widerstand in umliegenden Kommunen hervor.
„Warum dauert das so lange? Ich denke, da zwickt’s gewaltig“, vermutet Roland Weiß, Vorsitzender der „Bürgerinitiative Region Abensberg und benachbarte Gemeinden“ (BIA), die sich gegen das Projekt wendet. Für Weiß ist es naheliegend, dass „das grausame Verkehrsaufkommen“ die Behörden vor unlösbare Probleme stellt. Amazon und Panattoni rechnen mit täglich etwa 600 Lkw und 1350 Pkw auf den Straßen. Die BIA geht beim „Sonderfall“ Ortsdurchfahrt Offenstetten von 17.000 Fahrzeugen am Tag aus.
Amazon: Es gibt nichts Neues
Eine Nachfrage beim Online-Riesen zum Projektstand erbringt wenig Konkretes. „Es gibt aktuell nichts Neues zu vermelden. Wir sind weiterhin in konstruktiven Gesprächen“, sagt Thorsten Schwindhammer, PR-Manager bei Amazon. Wenn es Entwicklungen gebe, werde die Öffentlichkeit informiert, erklären Steinsdorfer und der Amazon-Sprecher.
Für die Umsetzung bedarf es eines Flächen-Ankaufs im Areal, das seit dem Jahr 2000 dem Unternehmen Rösl Rohstoff gehört, ein Betrieb für Erdbau, Abbruch, Steine/Erden und Entsorgung. 75 Hektar des früheren Guts Stocka stehen im Eigentum der Firma, die im nordöstlichen Teil auf 14 Hektar weiterhin Sand- und Tonabbau betreiben wird.
Eigentümer hat noch nicht über Verkauf entschieden
Ein Verkauf von Flächen an Amazon sei noch nicht erfolgt, sagt Inhaber Franz Rösl auf Anfrage. Auch eine Entscheidung darüber, ob er überhaupt verkaufen werde, habe er weiterhin nicht getroffen. Gegenüber der Mediengruppe benennt Rösl die Kriterien für einen Verkauf. „Das Vorhaben hat Auswirkungen auf mehrere Belange der Region. Die Bauweise und das Betreiben müssen hierauf in angemessener und zukunftsfähiger Weise abgestimmt sein.“
Zudem müssten diese Auswirkungen „durch ein Konzept für eine langfristige regionale Partnerschaft ausgeglichen werden“. Mit Letzterem seien Naturschutzmaßnahmen wie Baumpflanzungen, Erhöhung der Artenvielfalt, Verbesserung der Bodengesundheit oder die Unterstützung von Schulen und Kindergärten gemeint. „Das Projekt muss also auch der Region dienen.“
Widerstand ernsthaft aufgreifen
Die Widerstände gegen das Vorhaben, so Rösl weiter, sind „Teil der öffentlichen Meinungsbildung“. Die Punkte „ernsthaft aufzugreifen und sich damit auseinanderzusetzen, ist Aufgabe des Projektentwicklers bzw. späteren Betreibers“. Zum Grundstücksverkauf ist der Unternehmer mit Amazon/Panattoni weiterhin in Kontakt.
Die BIA setzt ihre Aktionen gegen den Logistikpark fort. Nach der Aufstellung von neuen Protest-Bannern, auf denen sich auch Abensberger Betriebe in den Widerstand einreihen, soll es bald eine Demo geben. „Wir wollen vor das Landratsamt in Kelheim ziehen“, sagt Roland Weiß. Bezwecken wolle man dadurch auch eine Positionierung von Landrat Martin Neumeyer.
