BI „entsetzt“ über Aiwanger-Aussagen zu Amazon-Logistikzentrum in Rohr

Die Bürgerinitiative Region Abensberg und benachbarte Gemeinden (BIA), die sich gegen ein Amazon-Logistikzentrum in Rohr in Niederbayern ausspricht, kritisiert die Position von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, der das Projekt befürwortet. „Er nimmt nur angebliche Positivargumente wahr“, so Vorsitzender Roland Weiß.
Der Minister sei „nicht im Geringsten bemüht, sich mit der Gesamtsituation zu befassen“, sagt Weiß, der sich „entsetzt“ über Aussagen Aiwangers in einem Interview mit der Mediengruppe Bayern zeigt. Allgemeinplätze wie die Schaffung von Jobs oder die Stärkung der Region hörten sich gut an, hielten einer Überprüfung aber nicht stand.
„Eine Amazon-Ansiedlung würde Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor vernichten, etwa in der Gastronomie oder am Hilfskräfte-Markt“, konkretisiert Jürgen Thaus, ein früherer Spitzenmanager in den BIA-Reihen. „Das bricht hiesigen Betrieben das Genick – und stärkt den Landkreis nicht.“ Und wenn die Arbeitskräfte nicht reichen würden, kämen Beschäftigte von überall her. „Wer baut denen Wohnungen? Wer schafft Kita-Plätze? Es fehlen ganz einfach die Voraussetzungen“, so Thaus.
Keine Steuereinnahmen – weil Amazon Verlust schreibt
Auch die angeblich guten Steuereinnahmen für Rohr seien eine Mär: „Im Vorjahr machte Amazon 2,7 Milliarden US-Dollar Verlust. Da fließt kein Cent Gewerbesteuer.“ Auf der anderen Seite müsste für das Logistikzentrum „für viele Millionen Steuergelder eine Infrastruktur auf Staatskosten geschaffen werden. Wir subventionieren so das zweitgrößte Unternehmen der Welt.“
Für Weiß ist die „klare Befürwortung seitens der Politik“ ein Grund, sich noch stärker zu engagieren. „Wir werfen nicht das Handtuch, wir werden noch mehr Überzeugungsarbeit leisten.“ In diesen Tagen werde ein neuer Flyer verteilt. Letztlich gehe der Blick auf Behörden und Ämter, „die hoffentlich eine sachliche Beurteilung des Projekts und der Auswirkungen vornehmen werden“. Vor weiteren Gegenmaßnahmen – etwa einer Petition – werde man nicht zurückschrecken.
Rohrer Bürgermeisterin und Amazon ziehen an einem Strang
Rohrs Bürgermeisterin Birgit Steinsdorfer sieht sich durch Hubert Aiwanger bestätigt. „Ich persönlich halte definitiv am Logistikpark fest, da ich nach wie vor der Überzeugung bin, dass er nicht nur ein Gewinn für die Gemeinde ist, sondern für die gesamte Region.“ Auch wenn der Aufstellungsbeschluss noch fehle, liege der Fortgang des geplanten Projektes „absolut im Zeitplan. Ein Vorhaben in dieser Größe bedarf einer guten und zielführenden Vorbereitung.“
Auch Amazon selbst bekräftigt seine Pläne im Landkreis. „Wir würden uns freuen, zukünftig mit einem Logistikzentrum in Rohr präsent zu sein“, sagt Thorsten Schwindhammer, PR-Manager beim Online-Handelsriesen. „Großprojekte benötigen Zeit.“