Gegner nahmen Trommlerdemo in Regensburg ins Sandwich

Zum wiederholten Mal trafen am Samstag Menschen, die in Regensburg gegen die Berliner Ampelregierung auf die Straße gehen wollten, auf Gegenprotest. Dieses Mal fiel der aber um einiges lauter und erbitterter aus.
Der Grund für das Aufeinandertreffen war erneut: Die Initiative gegen Rechts (IgR) und ihre Mitstreiter nehmen diesen Demonstranten ihr Anliegen, „Gemeinsam gegen den Ampelwahnsinn“, nicht ab. Und so hatte Dennis Forster, Sprecher der Initiative, zum Protest gegen die in seinen Augen extrem rechte Demonstration unter dem Motto „Gegen rechte Mobilisierung am Holocaust-Gedenktag“ aufgerufen.
Massen vor dem Westportal
Die IgR vermeldete 5000 Teilnehmer. „Und das aus der gesamten Stadtgesellschaft, ich hatte Gänsehaut“, sagte Forster am Samstagabend. Laut einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Oberpfalz waren es 2000 Teilnehmer in der Spitze. Dem seien 300 Teilnehmer auf der Demonstration gegenüber gestanden, gegen die sich der Protest richtete.
Bei der Kundgebung der IgR forderte etwa Claudia Neumaier (SPD), dass der AfD nach den Correctiv-Berichten der Geldhahn zugedreht werden muss. Der Münchner Kabarettist Christian Springer bezeichnete es als Armutszeugnis, dass es überhaupt zu Gegendemonstrationen wie dieser kommen muss. Beate Büttner kritisierte die Versammlungsbehörden, dass die Kundgebung, gegen die sie sich wandte, ausgerechnet am 27. Januar möglich ist. Am Samstag war der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz.
Andreas Wille, Versammlungsleiter der Ampelgegner, startete seine Kundgebung wenig später mit einer Schweigeminute für alle Opfer von Diktaturen und wetterte gegen die Gegendemonstration, die er als vom Staat organisiert und finanziert bezeichnete. Zu diesem Zeitpunkt waren die Gegendemonstranten bis ans Absperrgitter vor der Pfauengasse herangerückt. Sie schrien, tröteten und schepperten, dass die Worte auf der Kundgebung ihrer Widersacher kaum mehr zu verstehen waren. Die waren wütend darüber, dass sie als Nazis bezeichnet werden.
Dann tauschten die Polizisten ihre Wollmützen gegen Einsatzhelme. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich auch vor den Absperrgittern beim Römerturm Gegendemonstranten versammelt, die den von Trommlern begleiteten Umzug am Abmarsch hindern wollten. Die Polizisten drängten sie von der Straße. Dieser Tumult sorgte für viel Aufsehen. Etwa drückten sich die Gäste des Cafés Orlando di Lasso die Nase an der Scheibe platt um zu sehen, was da auf der Straße passiert.
In der Folge schoben die Polizisten die Gegendemonstranten wie eine Bugwelle vor sich her. Immer wieder kam es zu Gerangel. Ein Gegendemonstrant legte sich am Alten Kornmarkt sogar vor einen Polizeibus auf die Straße, stand wenige Momente später aber wieder auf. Weitere Gegendemonstranten folgten dem Umzug aus Trommlern nach.
Erst auf dem Dachauplatz sollten die schneller vorankommen. Ihre Gegner gingen derweil mit Taktik vor. Sobald Späher registrierten, dass sich mehrere Polizisten dem Sandwich aus Gegendemonstranten und Trommlern näherten, warnten sie ihre Mitstreiter: „Rückzug! Die kesseln!“ Sie versuchten Strecke vor dem Umzug zu machen, indem sie über Seitenstraßen abkürzten. Als der Pulk aus Trommlern, Gegendemonstranten und Polizisten auf der Galgenbergbrücke war, liefen einige von ihnen durch den Park beim Peterskirchlein und zum Bahnhof, um vor dem Umzug bei den Arcaden zu sein.
Viel Arbeit für die Polizei
Das Polizeipräsidium vermeldete in einer Pressemitteilung zu den Demonstrationen, dass Personengruppen nicht auf mehrfache polizeiliche Ansprachen reagierten, die Fahrbahn frei zu machen. Deswegen habe die Polizei diese teilweise weggeschoben, -gedrückt oder -getragen. Bei einer Blockade setzten sie sogar einen Schlagstock ein. Nach der Rückkehr auf den Domplatz gegen 17.15 Uhr habe sich die Demonstration zügig aufgelöst.
Die Polizei verzeichnete mehrere Straftaten. Neben einem Vergehen nach dem Bayerischen Versammlungsgesetz aufgrund einer Vermummung und einer Beleidigung, wurden auch zwei Angriffe auf Polizeibeamte verzeichnet. „In der Gesamtschau musste die Polizei am heutigen Tag einen durchaus großen Aufwand betreiben, um die Versammlungsfreiheit nach dem Grundgesetz gewährleisten zu können“, endet die Mitteilung.
