Erneut Blockade gegen Trommler-Demo in der Regensburger Altstadt

Von Heike Haala · 9. Dezember 2023 um 18:58

Es war ein Samstag voller Gegensätze: Bei einem Wetter, in das man keinen Hund vor die Tür jagen würde, drängten Menschenmassen in die Altstadt. Während die meisten friedlich bummelten, lieferten sich einige ein Gerangel mit der Polizei.

Die wollten sich einer Demonstration entgegenstellen. Derweil droschen Autofahrer entnervt auf ihre Lenker ein. Der Grund war nicht nur, dass an Adventssamstagen ohnehin schon viel Andrang an den innenstadtnahen Parkhäusern herrscht, sondern auch ein Umzug um Regensburgs Zentrum, während dem laut Polizei in der Spitze etwa 150 Menschen statt der 500 angekündigten unter dem Motto „Es reicht! Schluss mit Polizeigewalt bei einer angezeigten Demonstration. Wir sind die Rote Linie.“ auf den Straßen unterwegs waren.

Staus im Osten der Altstadt

Etwa in der D.-Martin-Luther-Straße, in der Landshuter Straße, auf der Galgenbergbrücke oder der Kreuzung bei den Arcaden war deswegen Geduld im Auto gefragt. Schnell hatten sich Staus auf diesen Hauptverkehrsachsen gebildet. Viele Fahrer verdrehten die Augen, andere machten angesichts des Polizeiaufgebots und des Umzugs, den ein Auto mit einem Aufkleber der Vereinigung „München steht auf für Recht und Freiheit“ begleitete, aber auch kehrt.

Redner Marcel Dold, der für die Initiative „Kinder stehen auf“ zu dieser Demonstration aufgerufen hatte, betonte im Vorfeld und während der Kundgebung auf dem Domplatz, dass mit ihm weder Rechte noch Nazis unterwegs sind. Das nahmen ihm die laut Polizei etwa 100 Teilnehmer einer Gegendemonstration aber nicht ab, die am frühen Nachmittag gegen Verschwörungserzählungen und rechte Hetze vor dem Westportal des Doms protestierten. Neben einem Banner der Regensburger Initiative gegen Rechts war auch ein SPD-Fähnchen oder ein Plakat des Bündnisses für Toleranz und Menschenrechte im Landkreis Regensburg zu sehen.

Dold und seine Mitstreiter fanden sich wenig später auf der Südseite der Kathedrale ein. Der Domplatz war zur Gegendemonstration hin und in Richtung Alter Kornmarkt mit Gittern abgesperrt, weswegen auch hier viele Autofahrer den Kurs ändern mussten.

Während es bei den Kundgebungen am Domplatz noch ruhig zuging, änderte sich das, kurz nachdem sich der Umzug, der von einer Gruppe Trommler lautstark begleitet wurde, in Bewegung gesetzt hatte. In der Maximilianstraße, auf Höhe des Karmelitenhotels, blockierten einige Menschen nur weniger Meter von den Demonstranten entfernt die Straße. In einer Pressemitteilung der Regensburger Polizeiinspektion (PI) Süd ist von 40 Personen aus der linken Szene die Rede. Die Polizisten verhinderten, dass diese ein Banner ausfalteten und lieferten sich ein minutenlanges Gerangel mit den Blockierern, die „Alerta, alerta, antifascista!“ riefen. Weil dabei auch eine Person unter den Blockierern, die in einem Rollstuhl saß, mehrfach drohte, umzukippen, aber auch weil vom Hauptbahnhof weitere Polizei-Bullis mit Sirene und Martinshorn anrückten, sorgte das Gedränge für viel Aufsehen unter erschrockenen Passanten. Ein Mann, der das Gerangel mit seinem Handy filmte, feuerte die Polizisten an und bedachte die Blockierer mit rassistischen Beschimpfungen. Wenig später ging der Umzug weiter. Zu ähnlichen Szenen kam es auch schon bei einer Demonstration am 7. Oktober.

Die PI Süd meldet in der Pressemitteilung weiter, dass sie die Identität aller Blockierer aufnahm und gegen diese wegen eines Vergehens gemäß des Versammlungsgesetzes ermittelt. Zudem sei es während der Blockade auch zu einem Widerstand und zwei tätlichen Angriffen gegen Polizeibeamte gekommen. Die Tatverdächtigen wurden laut der Mitteilung vorläufig festgenommen, aber inzwischen entlassen. Auch im weiteren Verlauf des Umzugs ist es laut Polizei immer wieder zu Begegnungen zwischen den Demo-Teilnehmern und ihren Gegnern gekommen, aber zu keinen weiteren Blockaden.

Massen in der Innenstadt

Es waren aber auch Tausende in der Stadt unterwegs, die davon nichts mitbekamen, weil sie auf der Jagd nach Weihnachtsgeschenken waren. Andere drängten sich zwischen den Buden der Christkindlmärkte. Regelrechte Wimmelbilder gaben deswegen etwa die Steinerne Brücke, der Neupfarrplatz, die Maximilian- und die Königsstraße oder der Übergang zu den Arcaden ab.

Mitten drin stand der Packerlbus der IG Straßenbahn auf dem St.-Kassians-Platz. Dort behielten sich Rolf Schmetzer, Claudia Krause und Helmut Dümler ihre gute Laune, obwohl sie sich einen prominenteren Platz für das Gefährt wünschen. „Es ist viel los, aber Geschenke bringen nicht viele “, sagte Dümler. Wer aber ablud, tat das durchaus üppig. „Die haben beide Arme voller Tüten“, erklärte er.

Die Drei vom Packerlbus: Rolf Schmetzer (l.), Claudia Krause und Helmut Dümler beaufsichtigten Weihnachtsgeschenke.
Am Dom blieb es ruhig.
Viele waren unterwegs.
Stau am Dachauplatz.