Kundgebung gegen Rechts in Regensburg mit 13.000 Menschen: Wo waren die Kirchen?

Von Marion Koller · 26. Januar 2024 um 05:00

Die katholische und evangelische Kirche in Regensburg positionieren sich klar gegen Rechts, auch wenn ihre Bischöfe nicht zur Kundgebung mit rund 13.000 Menschen kamen.

In zahlreichen Städten rufen die Religionsgemeinschaften mit zum Protest gegen Rechts auf. Kirchen-Vertreter sprechen bei den Kundgebungen. In Regensburg haben am Sonntag laut Veranstalter rund 13.000 Menschen gegen Rechtsradikalismus und die AfD demonstriert, die mit ihrem Geheimtreffen in Potsdam zur Vertreibung von Millionen Einwanderern schockiert hat.

Veranstalter in Regensburg war die Initiative gegen Rechts. Weder hatten die Kirchen zur Kundgebung mitaufgerufen noch sprachen ihre Vertreter am Haidplatz. Das fiel vielen auf. OTH-Professor Michael Sterner kritisierte scharf: „Wo sind im Gegensatz zu Münster etc. unsere Kirchen und Bischöfe?“

Ein geistiger Stolperstein

Sprecher Jakob Schötz von der Bischöflichen Presseabteilung betonte auf Anfrage, es habe sich nicht um eine Veranstaltung des Bistums gehandelt, folglich sei von kirchlicher Seite auch nicht zur Teilnahme aufgerufen worden. Zum Zeitpunkt der Demonstration beging Bischof Rudolf Voderholzer mit Gläubigen in Michaelsbuch, Landkreis Deggendorf, die 325-Jahr-Feier der Sebastiani-Bruderschaft. Der Termin sei Monate zuvor bestätigt worden.

„Jeder, der Bischof Rudolf kennt, sich mit seinen Predigten und Schriften auseinandersetzt, weiß, dass er immer wieder darauf hinweist, dass sich Verbrechen aus der Nazi-Zeit nie wieder wiederholen dürfen“, betonte Schötz. Der Bischof nahm beispielsweise im Mai 2023 an der Verlegung von Stolpersteinen in Regensburg teil und hob hervor: „Dieser ist ein geistiger Stolperstein, der uns auch in der Gegenwart daran erinnert, dass wir heute sensibel und besonders achtsam mit den Hilfsbedürftigen und Schwachen umgehen“. Gleichzeitig warne Voderholzer immer wieder vor jeglicher politisch-extremistischer Gesinnung und distanziere sich von dieser, sagt Sprecher Schötz.

In der Seelsorge im Bistum arbeiten zahlreiche Priester aus verschiedenen Kontinenten. Der Bischof tausche sich mit ihnen regelmäßig aus und verteidige sie, wenn über sie abfällig gesprochen wird. Christen würden keine Unterschiede zwischen den Menschen kennen. Das Diözesankomitee im Bistum, das 200000 Engagierte repräsentiert, lehne rechtspopulistische, rechtsextreme, rassistische, Minderheiten-feindliche und völkisch-nationalistische Einstellungen ab, so Schötz.

Die Freisinger Bischofskonferenz, der Rudolf Voderholzer angehört, stellte in ihrer Herbstvollversammlung Ende November fest: „Die bayerischen Bischöfe haben die politische Situation im Freistaat nach der Landtagswahl im Oktober thematisiert. Sie zeigten sich erschrocken über ein Erstarken politischer Kräfte, die menschenverachtende Positionen vertreten, und appellieren an die Regierenden und an alle Parteien des demokratischen Spektrums, Populisten und Extremisten entschieden entgegenzutreten.“ Die Bischöfe machten deutlich, dass es für Christen nicht akzeptabel sei, Parteien zu wählen, die nationalistische, rassistische oder antisemitische Meinungen verbreiten oder in ihren Reihen dulden. Von der AfD distanzieren sich die kirchlichen Würdenträger. Sie sorgten sich um die Demokratie, heißt es in der Stellungnahme, da es Parteien gebe, welche die freiheitliche Grundordnung nutzten, um diese letztlich abzuschaffen. Zu diesen zähle die AfD.

Der evangelische Regionalbischof Klaus Stiegler lässt über Referentin Margot Huyskens ausrichten: „Viele von uns haben an der Kundgebung teilgenommen.“ Als Teil der Zivilgesellschaft setze sich die Kirche selbstverständlich öffentlich gegen ein Menschenbild ein, dass von Hass und Hetze geprägt ist. „Menschenverachtende populistische Haltungen sind eine große Gefahr für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft und darum für uns völlig inakzeptabel.“

Doch das Büro des Regionalbischofs und das Dekanat seien vom Veranstalter weder vorab über die Demo informiert noch aufgefordert worden, dazu einzuladen. „Wir haben von dieser Demo aus der Zeitung erfahren.“ Dennoch seien viele Beschäftigte der evangelische Kirche dabei gewesen.

Große Gefahr für Gesellschaft

Dekan Jörg Breu stand neben OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer in der ersten Reihe. Er habe den Veranstalter gebeten, künftig vorher informiert zu werden. Als Privatpersonen waren Pfarrerin Marjaana Marttunen-Wagner von der Dreieinigkeitskirche und Carsten Lenk, Geschäftsführer des Evangelischen Bildungswerks, dabei. Auch die Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland, Anna-Nicole Heinrich, nahm teil.

Für Samstag ruft die Regensburger Initiative gegen Rechts, ein Bündnis von 22 Mitgliedsgruppen, Parteien und Organisationen, für 13.30 Uhr zur Demonstration am Domplatz auf. Indes hat der Münchner OB Dieter Reiter angekündigt, er werde mit Parteien, Jugendorganisationen, Kirchen, Unis, Unternehmen und vielen mehr eine Allianz gegen Rechtsextremismus formen. Vielleicht wäre das auch in Regensburg denkbar.

„Menschenverachtende populistische Haltungen sind für uns völlig inakzeptabel“, sagt Margot Huyskens, Referentin des evangelischen Regionalbischofs. Foto: Fotohaus Daniel