Personalnot und Energiepreise machen Regensburgs Bäckern zu schaffen: Wird die Semmel teurer?

Von Jonas Raab · 24. Januar 2024 um 17:00

Personalmangels zwingt zwei Regensburger Traditionsbäckereien dazu, immer montags eine Zwangspause einzulegen. Auch die exorbitant gestiegenen Energiepreise machen ihnen zu schaffen. Das schlägt sich auch im Preis für Semmel, Brezn und Co. nieder.

Der Montag bleibt ein schwarzer Tag fürs Schwarzer Kipferl. Vor zehn Monaten hatte sich Bäckermeister Rudolf Weber dazu entschlossen, das „Erste Wiener Backhaus“ in der Oberen Bachgasse nur noch fünf Tage die Woche aufzusperren. Personalmangel ließ ihm keine andere Wahl. „Es fehlt an allem: Bäcker, Verkäufer, Produktionshelfer“, sagte er damals. Exorbitant gestiegene Energie- und Rohstoffpreise drückten zusätzlich auf die Stimmung. Weber war nicht der erste Regensburger Bäcker, der den Schritt in die Fünf-Tage-Woche gehen musste. Die Backmanufaktur Klein im Stadtwesten bleibt seit Herbst 2022 montags geschlossen. Wie geht es zwei der letzten eigenständigen Bäckereien der Stadt heute?

Franz Klein, Inhaber der Bäckerei in der Killermannstraße, berichtet von einer „gewissen Unsicherheit“ in der Branche. „Mit der Pandemie hat sich die Personalsituation dramatisch verschlechtert. Damit müssen wir leben“, sagt er. Vor allem im Verkauf sei die Fluktuation groß. Die Bäckerei montags nicht mehr aufzusperren, habe sich bewährt. „Die Kunden haben das angenommen. Der Umsatz hat sich auf die anderen Tage verteilt“, sagt Klein, zu dessen Bäckerei neben einer Konditorei auch ein Café gehört. Das hat sonntags geöffnet. „Dieser Umsatz hilft uns über den Montag hinweg“, sagt er.

Regensburg: Bäckerei Schwarzer bleibt montags geschlossen – „Das Geld ist weg“

Ein Café betreibt Weber nicht. „Es ist nach wie vor schwierig“, berichtet der Inhaber der Bäckerei Schwarzer. Er habe über Job-Portale und das Arbeitsamt gesucht, bei Facebook und auf seinem Auto geworben – ohne Erfolg. Drei weitere Gesellen brauche er, um wieder sechs Tage die Woche öffnen zu können. Der Montagsumsatz fehle. „Das Geld ist weg, aber ich habe keine andere Wahl“, sagt Weber.

Fachkräftemangel treibt die Bäcker nicht erst seit gestern um. Laut Stefan Kiendl, Obermeister der Bäckerinnung Regensburg-Kelheim, stehe seit zehn Jahren zu wenig Personal zur Verfügung. Die Situation spitze sich immer weiter zu. Als einen der Gründe nennt Kiendl unzureichende Bezahlung in der Ausbildung. „Das Handwerk hat gegenüber der Industrie einfach das Nachsehen“, sagt er. Zudem habe man mit einem „Image-Problem“ zu kämpfen. „Der Beruf wird schlechter geredet als er ist“, ist sich der Obermeister sicher. Klar müsse man als Bäcker früh aufstehen; dafür habe man mittags Feierabend.

Fehlendes Personal ist nicht die einzige Sorge der Bäcker. „Momentan fehlt es an allen Ecken und Enden“, sagt Kiendl. Mit dem Krieg in der Ukraine seien die Rohstoffpreise vorübergehend immens gestiegen. Mehl sei doppelt so teuer geworden, der Preis für Saaten habe sich verdreifacht. Auch für Energie müsse man heute teilweise das Dreifache bezahlen, berichtet Kiendl. Laut Klein haben sich die Rohstoffpreise mittlerweile wieder „etwas normalisiert“. Weber sagt, „sie stagnieren auf hohem Niveau“.

Energiepreise explodiert: „Jetzt zahle ich 200 Prozent mehr“

Egal ob Gas, Strom oder Heizöl: Die aktuellen Energiepreise machen dem Bäckerhandwerk zu schaffen. „Mich hat es zum Jahreswechsel getroffen“, berichtet Weber von der Bäckerei Schwarzer. Da seien seine alten Verträge ausgelaufen. „Jetzt zahle ich 200 Prozent mehr“, sagt er.

Für eine Kaisersemmel verlangt Weber aktuell 50 Cent, für eine Breze 80 Cent. „Wahrscheinlich müssen wir die Preise bald anpassen“, sagt der Bäckermeister. Klein hat diesen Schritt schon hinter sich. Eine Kaisersemmel aus seiner Backmanufaktur kostet 60 Cent, die Breze einen Euro. „Als kleine Bäckerei müssen wir die Preise so gestalten“, sagt er. Die Kunden hätten die Erhöhung mitgetragen. „Die sehen ja, womit wir umgehen müssen.“

„Wir können mit dem Preis nicht runtergehen“, sagt auch Kiendl von der Innung. Dass Discounter Backwaren teils für 25 Cent anbieten, ist ihm ein Dorn im Auge. Kiendl wünscht sich von der Politik mehr Aufmerksamkeit – für das Handwerk im Allgemeinen und für die Bäcker im Speziellen. „Jeder hat es verdient, täglich frisches Brot auf dem Tisch liegen zu haben. Brot, das bezahlbar ist.“

Bäcker zeigen sich solidarisch: Seite an Seite mit den Bauern

Seit Wochen gehen Landwirte in ganz Deutschland gegen die Sparpläne der Regierung auf die Straße. Die Bäcker zeigen sich solidarisch. „Wir haben ähnliche Probleme“, sagte beispielsweise der stellvertretende Landesinnungsmeister Günter Wagner auf einer Groß-Kundgebung in Augsburg. Er berichtete von immer neuen Auflagen und überbordender Bürokratie.

Lesen Sie dazu auch: Bauern-Protest in Regensburg: Existenzangst treibt Landwirte auf die Straße

Die hiesigen Bäcker bestätigen das. „Die Regierung ist nicht auf das Handwerk bedacht“, sagt Kiendl. Dass die Bauern auf die Straße gehen, unterstützt er. In seinem Laden in Teugn (Landkreis Kelheim) parkt Tretbulldog samt Schild. „Ohne Bauern keine Bäcker“, steht darauf geschrieben. In der Bäckerei Schwarzer von hängt dasselbe Plakat. Und Franz Klein sagt: „Der Bauer produziert Getreide, der Müller macht es zu Mehr, der Bäcker zum Brot. Wird ein Kettenglied unterbrochen, wird es für alle schwierig.“