Friseurin aus Laaber übernimmt Traditions-Salon in Regensburg

Von Jonas Raab · 7. Januar 2024 um 15:00

Friseurin Yvonne Schirm übernimmt den Traditionssalon „Haar Vision“ in der Regensburger Altstadt. Auch in Laaber, wo die 32-Jährige bereits einen Laden betreibt, tut sich was.

Yvonne Schirm hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Anfang 2023 starb der Verpächter ihres Friseursalons am Marktplatz in Laaber. Plötzlich war die Zukunft ungewiss. Die 30-Jährige investierte, kaufte den Laden. Drei Wasserschäden später sitzt Schirm wieder im Trockenen, allerdings in der Erhardigasse in Regensburg. Auch hier herrscht Chaos. Sie berichtet: „Am Dienstag mache ich hier auf und es ist noch viel zu tun.“

Die Friseurmeisterin kehrt ihrer Heimat nicht den Rücken, sie expandiert in doppelter Hinsicht. In der „Haarmonie“ in Laaber, da rücken bald wieder Handwerker an. Diesmal ist kein Wasserschaden der Grund. Eine Wand muss raus, damit eine Floristin mit einziehen kann.

Geschäftsaufgabe nach schwerem Unfall

Der Laden, den Schirm in Regensburg übernimmt, ist eine Institution. Jacqueline Brandl hat dafür gesorgt. 2001 funktionierte sie die Räume, in denen vor der Jahrtausendwende „alles mögliche“ drin war, in einen Salon um: „Haar Vision“. „Ich hab‘ hier drin gelebt. Der Laden ist mein drittes Kind“, berichtet die 60-Jährige. Wenn sie über Frisuren und Haarschnitte spricht, geht sie förmlich auf. Und doch sei die Aufgabe des Geschäfts nun richtig. Am 23. Dezember 2021 hatte Brandl direkt vor ihrem Laden einen Fahrradunfall bei Blitzeis. Neben zwei Rippen brach sie sich auch einen Arm. „Der hat nicht mehr die volle Leistung“, erklärt sie. Die Leute hätten ihr schon länger geraten, kürzer zu treten. „Ich habe zwei Jahre gebraucht, bis ich wirklich soweit war.“

Es sei „natürlich“ nicht einfach, das Geschäft zu übergeben, aber: Schirm sei genau die Richtige. Sie könne den Schritt „guten Gewissens“ wagen, meint Brandl und lächelt ihre Nachfolgerin an. „Es ist, als würden wir uns schon ewig kennen“, ergänzt Schirm. Ihr war wichtig, einen bereits bestehenden Laden inklusive der Mitarbeiter zu übernehmen. Auch Brandl wird dort weiter Haare schneiden, als Angestellte. Uneinig waren sich die beiden bisher noch nicht, bekräftigen sie.

So viele Friseurläden gibt es in Stadt und Landkreis Regensburg

Den Schritt nach Regensburg vollzieht Schirm in durchaus bewegten Zeiten. Zwar habe sich nach Corona die Lage im Friseurhandwerk wieder entspannt; doch nun würden sich die krisenbedingten Teurungen in allen Lebensbereichen bemerkbar machen. Das berichten Brandl und Schirm unisono. „Man merkt, dass die Kunden Besuche hinauszögern, um zu sparen. Das verstehe ich absolut, wenn ich mir anschaue, was das Leben mittlerweile kostet“, sagt Schirm.

Laut Zahlen der Handwerkskammer (HWK) haben im Landkreis Regensburg in den vergangenen drei Jahren 25 Friseure aufgehört. 35 Betriebe wurden neu gegründet. Aktuell gibt es 217. Für Regensburg registriert die HWK 169 Betriebe. 21 Geschäftsaufgaben stehen 35 Neugründungen gegenüber. Die große Konkurrenz in Regensburger Altstadt fürchtet Schirm nicht. „Natürlich gibt es viele Friseurläden, aber jeder hat seine eigene Handschrift. Ich sehe das eher als Ergänzung“, sagt sie. Zudem übernehme ihre Nachfolgerin mit dem Laden auch einen Kundenstamm, der über Jahrzehnte gewachsen sei, ergänzt Brandl.

Laaber „wiederbeleben“

Ihr „Baby“ – so nennt Schirm den Salon in Laaber – will die 30-Jährige trotz zweitem Standort nicht vernachlässigen. Sie habe dort ein tolles Team. „Der Betrieb läuft ganz normal weiter.“ Wobei: Bewegung wird es dennoch geben. Zum 1. April wird mit Barbara Seidl eine Floristin in Schirms Räume am Marktplatz 4 einziehen. „Die macht echt tolle Sachen.“ Davon profitiere nicht nur der Markt, sondern auch das eigene Geschäft, sagt Schirm. Die Friseurin bietet auch Braut- und Hochsteckfrisuren mit echten Blumen an. Schwierig, seit die letzte Floristin in Laaber aufgehört hat. „Der Markt stirbt mehr und mehr aus. Auch der Metzger hat aufgehört. Wir hoffen, dass wir Laaber wiederbeleben können.“