Hohe Baukosten und Zinsen: Zahl der Bauanträge bricht 2023 in Neunburg ein

Von Jan Lange · 20. Januar 2024 um 19:00

Die bundesweite Krise der Bauwirtschaft hat nun auch Neunburg erreicht (Landkreis Schwandorf) – und das mit voller Wucht. Wurden im Jahr 2022 genau 100 Baugesuche bei der Stadtverwaltung gestellt, waren es im Vorjahr gerade noch 57.

Einen Rückgang um immerhin 43 Prozent bei den Bauanträgen hat Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) in seiner Amtszeit noch nicht erlebt. Und der 53-Jährige ist bereits seit 2011 Rathauschef. Bisher habe es immer steigende Zahlen gegeben, erklärte Birner den Mitgliedern des Bauausschusses am Donnerstag.

Alle Bereiche sind vom Rückgang betroffen

Während das erste Quartal mit 19 Bauanträgen noch relativ gut lief, gingen die Zahlen im Laufe des Jahres zurück. Im Dezember 2023 sei kein einziger Bauantrag eingegangen. Das ist laut Statistik in den Jahren 2020 bis 2022 in keinem Monat der Fall gewesen. Im Vorjahr gab es auch keinen einzigen Monat, in dem zehn oder mehr Baugesuche gestellt wurden. Auch das ist in den drei Jahren zuvor nie vorgekommen.

Der Einbruch treffe alle Baubereiche – von den Ein- und Mehrfamilienhäusern bis zu den Gewerbeobjekten. Lediglich bei den Zweifamilienhäusern und den landwirtschaftlichen Bauvorhaben gab es 2023 mehr Baugesuche als im Jahr zuvor. Allerdings liegen beide auf niedrigem Niveau.

Im Vergleich der Neunburger Stadtteile mussten alle federn lassen. Besonders zu spüren bekam dies Seebarn, wo der prozentuale Rückgang bei 66 Prozent lag. 2022 hatte es noch zwölf Bauanträge gegeben, im Vorjahr waren es gerade mal noch vier. Für die Neunburger Kernstadt gab es 29 Anträge, während es 2022 noch insgesamt 53 waren.

Schon vor der Corona-Krise seien die Baupreise hoch gewesen, nun stiegen sie noch einmal, so der Bürgermeister. Zudem ging es mit den Zinsen nach oben. Das sei nicht förderlich gewesen – auch für das Bauinteresse in Neunburg, glaubt Birner.

Birner fordert neues Förderprogramm von der Bundesregierung

Dass es weniger Bauanträge geben würde, darüber waren sich fast alle bewusst. Der so massive Einbruch sei dann aber doch überraschend gewesen, meint der Bürgermeister. „Er ist bedingt durch die gesamtwirtschaftliche Lage“, versucht Birner eine Erklärung zu finden. Dass von der Bundesregierung Förderprogramme gestrichen wurden, sieht er ebenfalls als einen Grund.

Von der Ampel-Koalition erwartet Birner deshalb auch die Auflage eines Konjunkturprogramms, das sowohl der schwächelnden Bauwirtschaft wie auch Familien, die auf Wohnungssuche sind, helfen könnte. Dennoch rechnet der Bürgermeister damit, dass die Zahl der Bauanträge auch in den Jahren 2024 und 2025 noch niedrig bleiben wird.

In Neunburg gebe es noch jede Menge Brachflächen, die genutzt werden könnten. Mit der Erschließung neuer Baugebiete halte sich die Stadt laut Birner aber erstmal zurück. Zuletzt wurden zusätzliche Bauflächen an der Söltlstraße erschlossen und im Dezember freigegeben. Bevor weitere Flächen erschlossen werden, sollen erst die noch freien Bauplätze an der Söltlstraße sowie in den Ortsteilen Kleinwinklarn, Seebarn und Kemnath angeboten werden.