Trotz Wirtschaftskrise: In Neunburg wird weiter eifrig gebaut

Von Jan Lange · 17. Februar 2023 um 05:00

Im jüngsten Bauausschuss standen wieder sechs Bauanträge auf der Tagesordnung, denen das Gremium durchweg zugestimmt hat. Im Vorjahr gingen bei der Verwaltung 100Anträge ein. Für Bürgermeister Martin Birner (CSU) eine beachtliche Zahl.

Bemerkenswert ist der Wert auch deswegen, wenn man bedenkt, dass aufgrund von steigenden Baupreisen, höheren Zinsen und Materialengpässen die Zahl der Bauvorhaben laut Statistischem Bundesamt deutschlandweit stark zurückgegangen ist.

In Neunburg wird dagegen weiter fleißig gebaut wie aus dem Jahresbericht des Bauamtes hervorgeht. Zwar ist 2022 die Zahl der Anträge gegenüber 2021 gesunken, der Wert ist dennoch einer der höchsten der zurückliegenden Jahre. 2020 war er erstmalig dreistellig, und blieb es in den beiden Folgejahren. 2016 wurden im Vergleich dazu nur 76Bauanträge eingereicht, 2015 noch weniger. „Es ist eine absolut tolle Entwicklung in schwierigen Zeiten“, findet Neunburgs Bürgermeister. Die Tendenz zeigt seit Jahren stetig nach oben. 2022 gab es erstmals seit langem einen Rückgang – aber eben nur einen geringen.

Neunburger Betriebe sind krisenresistent

Der gute Wert resultiert vor allem aus den gewerblichen Bauvorhaben, deren Zahl sich gegenüber 2021 mehr als verdoppelt hat. Wurden 2021 Anträge für 13 Gewerbeobjekte gestellt, waren es im Vorjahr 28. Auch dies überrascht angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen der vergangenen Monate. „Wir haben das so nicht erwartet“, sagt Birner. Die Neunburger Unternehmen hätten sich als sehr krisenresistent erwiesen, fügt der Rathauschef hinzu.

Einige haben auch erweitert oder neu gebaut – so wie zum Beispiel die Deutsche Post. Sie errichtete in den vergangenen Monaten einneues Postverteilzentrum an der Industriestraße. In Neunburg gab es bislang nur eine kleine Poststation. Die Deutsche Post suchte nach einem größeren Standort. Auch andere Gemeinden seien im Gespräch gewesen, weiß Birner. Dem Neunburger Bürgermeister war es aber wichtig, das Unternehmen vor Ort zu halten.

Bürgermeister lobt: „Gute und schnelle Gespräche“

Dies gelang, weil die Stadt der Deutschen Post ein geeignetes Grundstück am Rand des Industriegebietes anbieten konnte. Die Lage und der Zuschnitt hätten gepasst, meint der CSU-Politiker mit Blick auf die Entscheidung der Deutschen Post für den Neunburger Standort. Es seien gute und schnelle Gespräche gewesen, lobt der Rathauschef die Verhandlungen mit dem Logistik- und Postunternehmen. In dem neuen Postverteilzentrum werden die bisherigen Standorte Neunburg, Bruck und Oberviechtach konzentriert. Auch einige Mitarbeiter aus Schwandorf werden nach Neunburg umziehen, weiß Birner. Das Bauvorhaben sei nach der Antragstellung und Genehmigung relativ schnell umgesetzt worden.

Erweitert haben auchdie Firma Lorenzund derSüßwarenhersteller Trolli, die ihren Sitz ebenfalls an der Industriestraße haben.

Um das Industriegebiet in Zukunft moderat erweitern zu können, suche die Stadt Tausch- und Ausgleichsflächen, sagt der Bürgermeister. Entsprechende Flächen könnten Landwirten zum Tausch für ihre Grundstücke, die ans Industriegebiet angrenzen, angeboten oder für Ausgleichspflanzungen genutzt werden.

Es gibt auch 2023 Erweiterungspläne

Das Angebot an Potenzialflächen entscheide darüber, wie sich das Bauvolumen in Neunburg in den kommenden Jahren entwickeln wird, so Birner. Schon in naher Zukunft könnte das wichtig werden, denn die Stadt führt derzeit Verhandlungen mit einem kleinen Neunburger Betrieb, der sich erweitern möchte und zur Umsetzung Flächen benötigt.

Im Zuge von Erweiterungen oder Neubauten entstehen in der Pfalzgrafenstadt auch zusätzliche Arbeitsplätze. Die Deutsche Post, Lorenz und Trolli sind dafür nur drei Beispiele. Neunburg profitiert davon auch finanziell. Im Vorjahr erzielte die Stadt Rekordeinnahmen bei der Gewerbesteuer, sagt Birner durchaus überrascht: „Wir haben zuvor für diesen Posten sehr konservativ geplant.“

Am Rande des Industriegebietes ist das neue Postverteilzentrum entstanden. -Foto: Jan Lange
Auch der Süßwarenproduzent Trolli hat die Produktion an seinem Neunburger Standort vergrößert. -Foto: Jan Lange