Management des Neumarkter Klinikums will Vertrauen der Mitarbeiter zurückgewinnen

Zufriedene Patienten und zufriedene Mitarbeiter – das seien die wichtigsten Ziele, betont der Vorstand des Neumarkter Klinikums nach der massiven öffentlichen Kritik von Mitarbeitern und niedergelassenen Ärzten am Management. Wie Markus Graf und Generalbevollmächtigter Xaver Frauenknecht das erreichen wollen, erklären sie in einem Exklusivinterview.
Bauprojekte, steigende Kosten, Krankenhausreform – auf der Agenda des Managements stehen einige große Aufgaben. Doch die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern hat Priorität. „Wir nehmen die Stimmung sehr ernst“, sagt Frauenknecht, der ab Januar als Generalbevollmächtigter in Neumarkt vor Ort sein wird.
In einer zweitägigen Klausurtagung mit den Führungskräften sei bereits darüber gesprochen worden, wie die Kommunikation verbessert werden könne, sagt Graf. Doch dann kam der Schweigemarsch mit rund 1000 Teilnehmern. Woher diese Unzufriedenheit der Mitarbeiter rührt? „Da tue ich mich tatsächlich schwer, das zu erklären.“
„Wir haben auch Fehler gemacht.“ Xaver Frauenknecht, Generalbevollmächtigter
Sowohl Frauenknecht als auch Graf unterstreichen, wie konstruktiv die Zusammenarbeit in Projekten laufe. Und sie beide hätten im Haus regelmäßig gute Gespräche mit Mitarbeitern. Dennoch drifteten offenbar Wahrnehmung und Kommunikation auseinander, sagt Graf.
Klinikum holt sich Hilfe durch externen Berater
Auch wenn sie inzwischen Rückmeldungen von Beschäftigten erhielten, was sie sich erwarten und wünschen, wollen die beiden Manager die Situation durch die professionelle Moderation eines Dritten gezielt angehen. Der Verwaltungsrat müsse dies jedoch noch absegnen. Der oder die externen Berater sollen in Gesprächen mit der Belegschaft die Ursachen für die Unzufriedenheit analysieren, um dann gemeinsam mit der Führung Lösungen zu erarbeiten.
„Wir haben auch Fehler gemacht“, sagt Xaver Frauenknecht und verweist auf die sehr fordernde und belastende Zeit der Pandemie, in der es nur möglich gewesen sei, „auf Sicht zu fahren“. Und er fügt an: „Wir müssen in eine Vertrauenskultur kommen.“ Es gehe darum, sich auf gemeinsame Werte, eine „Organisations-Ethik“ , zu verständigen und eine Unternehmenskultur zu entwickeln. „Das funktioniert nur im Gegenstromverfahren gemeinsam mit den Mitarbeitern“, fügt Graf an.
Darüber hinaus seien weitere Maßnahmen angedacht, wie etwa eine regelmäßige offene Sprechstunde oder häufigere Mitarbeiterversammlungen als nur zweimal im Jahr. Aber auch dem müsse der Verwaltungsrat erst noch zustimmen.
Und Frauenknecht ergänzt, wie wichtig es sei, Menschen ganzheitlich zu begegnen und zu behandeln. Körper, Geist und Seele seien nicht zu trennen – weder bei Patienten, noch bei Mitarbeitern. „Das ist mir eine Herzensangelegenheit.“ Genau das hatten Mitarbeiter in der Vergangenheit vermisst und mangelnde Wertschätzung und Menschlichkeit beklagt.
Dilemma: Berufsethos der Heilberufe – wirtschaftlicher Druck
Einen Hauptgrund für die aktuell schlechte Stimmung sieht Xaver Frauenknecht in einem grundlegenden Dilemma: Auf der einen Seite gebe es das Berufsethos der Hilfeberufe – auf der anderen die ökonomischen Zwänge. In diesem „Spagat“ gelte es, die bestmögliche medizinische und pflegerische Versorgung zu garantieren.
Die Bundespolitik nutzt in seinen Augen die finanzielle Notlage der Krankenhäuser durch Inflation und Kostensteigerungen aus, um ihrem Ziel näherzukommen, deutschlandweit Betten abzubauen. Dabei zitiert er den Krankenhaus Rating Report 2023: Von den 437000 Klinikbetten im Jahr 2021 sollen bis zum Jahr 2030 nur noch rund 316000 übrig bleiben. Gleichzeitig solle die Zahl der Kliniken von 1697 auf 1165 reduziert werden.
Die gute Nachricht: Frauenknecht hält den Standort des Klinikums Neumarkt für „zukunftsfähig“. Der Umfang hänge von der Leistungsfähigkeit und der Entwicklung des Hauses in den nächsten Jahren ab. Dafür müssten alle möglichen Einsparungen und notwendigen strukturellen Veränderungen vorgenommen werden, um im Gegenzug die Arbeitsplätze und die Versorgung zu sichern.
Und dafür brauche es auch einen „positiven Diskurs “ mit den niedergelassenen Ärzten, unterstreicht Frauenknecht. 29 von ihnen hatten in einem offenen Brief Anfang Dezember die Klinikleitung kritisiert und ihr eine „Jeder-ist-ersetzbar-Mentalität“ vorgeworfen.
„Integrierte Gesundheitsversorgung“ als Ziel
Die medizinische Versorgung wird in Zukunft anders aussehen als heute: Das ist dem medizinischen Fortschritt, aber auch den knapper werdenden Ressourcen Personal und Budget geschuldet. Krankenhäuser, niedergelassene Fachärzte, ambulante und stationäre Pflege sowie Rehabilitation werden vernetzt noch enger zusammenarbeiten und – unter dem Stichwort „Integrierte Gesundheitsversorgung“ – neue Kooperationen bilden.
Eine Vorgabe des Gesetzgebers wird in einem ersten Schritt schon umgesetzt: Bis Ende 2025 soll etwa ein Viertel der heutigen Behandlungen im Krankenhaus ambulant erfolgen. Das Problem dabei: Die Nachsorge der Patienten erfolgt in den Praxen und ambulanten Pflegediensten vor Ort, dort stiegen deshalb bereits die Wartezeiten an, sagt Frauenknecht.
Ein Thema, das die Krankenhausreform aus seiner Sicht noch nicht gelöst habe. „Das ist eine Herausforderung, die wir in den nächsten Jahren lösen müssen.“ Da seien die Selbstverwaltungspartner – Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenhausgesellschaft – gefragt.
Das Krankenhaus müsse künftig als „integriertes Gesundheitsunternehmen“, fungieren, sagt Frauenknecht. Das Konzept dazu habe er in seiner Zeit am Klinikum Nürnberg geschrieben und in den vergangenen 19 Jahren in Bamberg umgesetzt. Deshalb habe sich der Landkreis Neumarkt für die Sozialstiftung Bamberg als Partner entschieden. Ziel sei es, eine Sektor und Regionen übergreifende Versorgung aufzubauen. „Das ist unser Auftrag, und den haben wir angenommen.“
Parsberg sorgt für halbe Million weniger Defizit
Dazu gehört das erste von drei Quartiersbüros, das zum 1.Januar in Freystadt gestartet ist. Und dazu gehört das „Haus der Gesundheit“ in Parsberg, das nicht nur die medizinische Versorgung im Landkreis ergänze, sondern durch seine Mieteinnahmen beim Klinikum darüber hinaus eine halbe Million Euro Defizit reduziere.
Auch durch das „Haus der Pflege“ erwartet sich das Management positive Impulse. „In der Altenpflege haben wir in der Sozialstiftung positive Ergebnisse“, sagt Frauenknecht. Die Parsberger Einrichtungen stärkten das Klinikum Neumarkt.
Genauso wie die geplante Gastronomie in Parsberg mit 200 Sitzplätzen. Es sei geprüft worden, ob es wirtschaftlich sinnvoller sei, sie zu verpachten oder selbst zu betreiben. Die Service GmbH werde die Gastronomie nun in Eigenregie übernehmen, das Klinikum habe einen Gastronom eingestellt, der bereits den Businessplan dafür konzipiert habe, sagt Graf.
Das Café-Restaurant sei ein „Kernelement“ der Versorgung von „einigen hundert Mitarbeitern“, Besuchern, Bewohnern und Patienten des „Haus der Pflege“ sowie der psychosomatischen Tagesklinik der medbo und verstehe sich keinesfalls als Konkurrenz für die Restaurants in Parsberg. Darüber hinaus würden von dort auch die Schulmensen beliefert.
Auch wenn im Landkreis Neumarkt vergleichbare Strukturen aufgebaut werden wie in Oberfranken und auch wenn Funktionen wie das Nachhaltigkeitsmanagement oder ein strategischer Einkauf gemeinsam genutzt würden: „Das Klinikum Neumarkt bleibt voll selbstständig“, sagt Xaver Frauenknecht.
Der Landkreis Neumarkt habe mit der Sozialstiftung einen zeitbezogenen Managementvertrag. „Wir versuchen, Synergien zu heben, es werden keine Abteilungen nach Bamberg verlegt.“

