Wegen Lieferschwierigkeiten: Regensburger Kinder müssen auf Spielplätze warten

Von Heike Haala · 11. Januar 2024 um 17:00

Franziska Werner bewundert die Kletterkünste ihrer vierjährigen Tochter Emilia am Spielplatz im Stadtpark. Fotos: Haala

Trotz der Minusgrade ist auf dem Regensburger Stadtpark-Spielplatz einiges los. Neben dem Kinderlachen hat sich darüber auch der harzige Geruch von Bauholz breitgemacht. Der Treffpunkt wird auf Vordermann gebracht, obwohl er fertig sein könnte, stehen Restarbeiten an.

Als Grund dafür nennt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, Lieferschwierigkeiten bei den Spielgeräten. Bereits vor einem Jahr hatte sie die Fertigstellung von einigen Sanierungsarbeiten auf Spielplätzen unter anderem mit dem Verweis auf Lieferzeiten und -engpässe bei Spielgeräten lediglich auf „voraussichtlich 2023“ terminiert. Jetzt ist klar: Auf vier Spielplätzen ziehen sich die Bauarbeiten tatsächlich noch bis zum Frühjahr hin.

Betroffen davon ist laut der Auskunft der Pressesprecherin der Spielplatz am Lena-Christ-Weg, auf dem die große Spielkombination aus Sicherheitsgründen sogar abgebaut werden musste. Die Stadt nimmt 90 000 Euro in die Hand, um zu sanieren. Zeit braucht auch noch die Sanierung des Spielplatzes in der Safferlingstraße. Die stark überalterten Spielgeräte dort entsprachen laut dem städtischen Kinderspielplatzprogamm für 2023 zum Großteil nicht mehr der Norm zur Spielplatzsicherheit, weswegen er im vergangenen Jahr für 205 000 Euro einsatzbereit gemacht werden sollte.

Regensburger Kindermagneten betroffen

Auch auf zwei besonders beliebten dieser Familientreffpunkte in der Innenstadt stehen aus diesem Grund noch Arbeiten an: Auf dem im Stadtpark und dem im Inselpark. Der Fortschritt ist hier schon deutlich zu sehen. So wirkte der Inselspielplatz wegen einiger abgesägter Stützen von maroden Spielgeräten vor rund zwölf Monaten noch wie ein Grabhügel. Inzwischen sind dort bunte Holzpilze zum Balancieren aus dem Boden geschossen. Auch erste Spielgeräte sind schon im Boden verankert. Der allerdings sieht an einigen Stellen wie eine Kraterlandschaft aus. Benutzen kann die Aufbauten aber gerade ohnehin keiner, denn der Kindertraum wird hinter einem Absperrgitter Wirklichkeit. Die Stadt hat dafür 275 000 Euro in die Hand genommen.

Restarbeiten wegen der Lieferengpässe sind laut der städtischen Pressesprecherin aber auch noch bei den Arbeiten am Spielplatz im Stadtpark notwendig, der für 140 000 Euro aufgemotzt wird. Hier kann aber immerhin schon bespielt werden.

Die vierjährige Emilia nimmt die neuen Spielgeräte unter die Lupe. Bei ihr steht die steile Rutsche hoch im Kurs. Auf ihr hat sie gerade so Gas gegeben, dass sie am Ende noch eine kurze Strecke in der Luft zurücklegte. Quietschvergnügt klopft die Kleine den Staub ab und stapft zum Klettergerüst, wo sie ihrer Mutter, Franziska Werner, ihre Balancierkünste auf einem dicken Seil zeigt.

Werner sagt, dass es ihrer Ansicht nach zwar genug Spielplätze in der Stadt gibt, so dass es möglich ist, auszuweichen, wenn einer gerade eine Baustelle ist. Bei dem in der Weingasse aber sei es schon schwierig gewesen, der Vierjährigen zu vermitteln, warum sie sich da lange nicht austoben konnte. „Es ist doof, wenn man warten muss“, sagt Emilia.

Die Folgen des Wartens für Regensburger Kinder

Michael Straube, Vorstand beim Verein Regensburger Eltern, sieht bei Verzögerungen wie diesen noch andere Konsequenzen, als ungeduldige Kindergesichter: So sei beispielsweise bei der Sanierung des Spielplatzes im Inselpark der städtische Kinderbeirat einbezogen worden. Die jungen Mitglieder konnten konkrete Vorschläge zur Gestaltung machen. „Wenn sich das immer weiter verzögert, sind die Kinder irgendwann aus dem Alter raus, in dem sie sich für Spielplätze interessieren“, sagt er. So werden sie die Konsequenzen ihres demokratischen Engagements nicht betreffen, befürchtet Straube.

Es gibt aber auch gute Nachrichten von den Spielplatz-Baustellen. Die städtische Pressesprecherin zählt auf: Wie geplant fertig wurden im vergangenen Jahr der Spielplatz an der Bühelnstraße. Die Stadt brachte die große Spielkombination und den Wasser-Matschbereich für 150 000 Euro auf Vordermann. Im September konnte auch der für 50 000 Euro sanierte Spielplatz am Dreifaltigkeitsberg eröffnet werden. Der war so marode, dass die Stadt die Geräte lieber abbaute.

Im Jahr 2023 wurden zudem die Spielplätze in der Fritz-Schäffer-Straße, im Dörnbergviertel und am Lerag-Gelände fertig – und auch der von Emilia so schrecklich vermisste in der Weingasse. Zusätzlich gibt es laut von Roenne-Sytra nun etwa den neuen Spielplatz in Oberislings Westen oder neue Slacklineparks.

Der Inselspielplatz: So sah es hier vor einem Jahr aus.
Jetzt entsteht hier ein Kindertraum. Fertig ist der aber noch nicht.