Regensburger Marina Quartier bekommt endlich einen Park: Die Anwohner atmen auf

Von Heike Haala · 27. September 2023 um 05:00

Ein Schotterweg, einige Findlinge, zwei löchrige Streifen Grün: So soll das Donauufer vor dem IT-Speicher nicht mehr lange aussehen. Die Stadt plant dort eine Grünfläche. Wie nötig das ist, wird beim Blick auf das Areal von der Nibelungenbrücke aus deutlich.

Denn obwohl die Stelle in Sachen Aufenthaltsqualität und Größe nicht mit Flächen wie dem Stadtpark, dem Herzogspark oder dem Donaupark konkurrieren kann, hat sie definitiv ihre Fans. Sobald die Sonne scheint, ist hier eigentlich immer etwas los. Die Bewohner aus dem Stadtosten nutzen den Bereich als Weg in die Innenstadt, auf dem sie ihre Nachbarn treffen und sich mit ihnen unterhalten. Am Flussufer breiten sie ihre Picknickdecken aus und sonnen sich. Sogar auf den Pollern, an denen Schiffe anlegen können, oder auf den kantigen Steinen im Gras sitzen Menschen und lassen ihren Blick über die Donau schweifen oder lesen.

Der Grund für die Beliebtheit dieser Brache liegt auch darin, dass hier vor einigen Jahren das Marina Quartier in die Höhe gewachsen ist, in dem mehrere Hundert Wohneinheiten und Arbeitsplätze entstanden sind. Wie sehr die Menschen in diesem Bereich auf eine Grünfläche warten, offenbart eine Nachfrage unter den Besuchern am Ufer. Eine junge Mutter, die ihr Baby im Buggy schiebt, beschreibt die Situation: „Im Marina Quartier gibt es zwar Spielplätze und auch Bänke, auf die man sich setzen kann, eine richtig Grünfläche aber fehlt.“ Deswegen sei die Familie oft an dieser Stelle des Donauufers unterwegs – zum Spazieren oder auf dem Weg in die Stadt.

Das Grün fehlt in Regensburg

Die Mutter nennt etwa den Ostpark als eine der nächstgelegenen Grünflächen. Zwei angehende Lehrerinnen aus dem Stadtosten, die am Ufer Herbstsonne tanken, bringen noch den Villapark, die Ostenallee oder die Jahninsel ins Spiel. „Dorthin muss man ein wenig zu Fuß gehen, aber sonst haben wir hier noch nichts gefunden“, sagt eine von ihnen.

Jetzt soll an der Stelle Grün mit Aufenthaltsqualität entstehen. Das geht aus einer Vorlage hervor, über die der Umweltausschuss heute entscheiden soll. Geplant ist eine Grünfläche auf 4,247 Quadratmetern. Hier soll es einmal einen Jugendspielplatz von 1700 Quadratmetern Größe geben, der für Teenager im Alter zwischen 13 und 17 Jahren gedacht ist. Für sie sollen eine Parkouranlage, eine Slackline, eine Hängematte, ein Trampolin und ein Pavillon aufgebaut werden. Weiter ist von Rasen- und Pflanzflächen, etwa für Gräser, Weiden, Kletterpflanzen und Bäume, die Rede. Die Bäume, die bereits auf der Fläche wachsen, sollen erhalten bleiben. Auch Bänke und Liegen sind geplant. In dem Plan für die Vorlage ist vor einem Teil der Hochwasserschutzmauer zudem das Wort Graffiti-Wand zu lesen.

Auch warum die Anlage erst jetzt kommt, geht aus dem Papier für den Umweltausschuss hervor: Verzögerungen im Verfahren für den Hochwasserschutz und eine Änderung des Bauzeitenplans für die Ertüchtigung der Uferpromenade des Bayernhafens, der nun Ende des Jahres mit einem ersten Bauabschnitt starten soll, werden als Gründe genannt.

Park im Marina Quartier soll Ende 2024 entstehen

Die Stadt will die Aufträge für die Grünfläche Anfang 2024 vergeben, so dass sie im dritten Quartal entstehen könnte. Sie werde bei der Umsetzung lediglich für 700 Quadratmeter des Jugendspielplatzes aufkommen müssen, heißt es in der Vorlage. Für die restlichen 1000 Quadratmeter stehe entsprechend eines städtebaulichen Vertrags der Investor des Marina Quartiers in der Pflicht. Und so sollen Grünanlage und Jugendspielplatz das Stadtsäckel mit insgesamt 380000Euro belasten. Der Investor werde für den Jugendspielplatz darüber hinaus 305 000 Euro auf den Tisch legen müssen.

Den beiden Referendarinnen am Ufer kann das gar nicht schnell genug gehen. Sie sind lediglich für ein Jahr in Regensburg und sie hoffen, dass sie noch etwas von den Plänen haben. Die junge Mutter wünscht sich, dass die Schotterpiste am Donauufer, auf der sie gerade unterwegs ist, befestigt wird: „Hier fahren die Busse und die Taxis. Was das immer Staub aufwirbelt.“

Mehr Grünflächen in Regensburg gefordert

Auch Josef Paukner, Vorsitzender der Donau-Naab-Regen-Allianz (Donarea), sagt, dass eine Grünfläche an dieser Stelle dringend notwendig ist. „Das braucht es unbedingt. Einerseits, damit die Bürger hier ihre Freizeit verbringen können, andererseits sind solche Grünflächen wichtig fürs Klima.“ Deswegen sieht er grundsätzlich noch mehr Bedarf daran in Regensburg: „Wir wissen, wie wir heute bauen sollen. Die große Frage ist nur, warum wir das nicht einfach machen.“

Nicht von diesen Plänen betroffen ist laut Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, die Beachbar im Osten der Fläche. Hier sollte einmal eine Sportbootmarina entstehen. Jetzt ist hier eine freizeitorientierte Nutzung mit Wasserbezug und Hafenterminal für die Personenschifffahrt vorgesehen. Weitere Details und auch der Zeitplan für dieses Projekt seien aber noch offen, sagt die Pressesprecherin.

Im Quartier gibt es zwar Spielplätze und Bänke, eine Grünfläche mit Aufenthaltsqualität aber fehlt den Anwohnern. Fotos: Haala