Kunst mit Helium oder Pailletten am Bayernmuseum in Regensburg?

Das Werk des Gewinners soll die umstrittene Architektur am Donaumarkt zieren. Das Protokoll der vergangenen Jurysitzung lässt Spektakuläres erahnen.
Die Architektur des Museums für Bayerische Geschichte hat den Regensburgern schon viel Gesprächsstoff geliefert. Jetzt legt die Mitschrift einer Jurysitzung die Vermutung nahe, dass die enthusiastische Debatte um die Gestaltung des Baus bald von Neuem aufflammen könnte.
Denn das Museum am Donaumarkt ist nun zwar schon über vier Jahre in Betrieb, komplett ist es aber noch nicht: Immer noch fehlt die Kunst am Bau. Dafür ist das Staatliche Bauamt Regensburg auf der Suche nach einem Werk, das nun mit Hilfe eines Wettbewerbs gefunden werden soll.
Wer an dem Wettbewerb teilnimmt, ist geheim: Die Auswahl laufe anonymisiert ab gibt Karl Stock, Leiter des Staatlichen Bauamts. Die werde noch bis 22. November dauern. Danach will die Behörde die Öffentlichkeit informieren. Details zum Verlauf des Wettbewerbs und auch zu den eingereichten Arbeiten sind aber schon jetzt im Protokoll einer Preisgerichtssitzung nachzulesen, das das Staatliche Bauamt auf seiner Homepage veröffentlicht hat.
Erste Details öffentlich
Demnach habe das zwölfköpfige Preisgericht am 24. Juli zuletzt getagt. Zu dieser Jury gehören laut der Mitschrift etwa Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte in Augsburg, Museumsarchitekt Stefan Traxler oder Kulturreferent Wolfgang Dersch. Weiter ist darin zu lesen, dass zu Beginn dieser Sitzung noch 25 anonymisierte Beiträge im Rennen gewesen sind, nach der ersten Wertungsrunde noch 15 Entwürfe und nach der zweiten nur noch sieben. Deren Schöpfer seien nun aufgefordert, ihre Idee auszuarbeiten. Wie diese Ausarbeitungen erfolgen sollen, steht ebenfalls im Protokoll.
Und diese Anmerkungen beflügeln die Fantasie. Möchte hier etwa jemand die Donau in Form von Pailletten darstellen? Diese Vermutung nähren die die Bemerkungen zu einer Arbeit. Denn es wird in dem Schreiben danach gefragt, wie stabil und dauerhaft offenbar angesprochene Pailletten sind und wie viel Sturm sie vertragen. Weiter ist in dem Protokoll eine Erläuterung dazu gefordert, wie die Lage der Donau auf der Fassade festgelegt wurde und ob dies eventuell optimiert werden kann.
Bei einem anderen Entwurf sind laut dieser Mitschrift Informationen zur Ausführung in der Luft gefragt. Sogar Gas und Helium sind angesprochen. Zudem werden im Text Aussagen zum Luftrecht und dessen Klärung erbeten. Es könnte also hoch hinaus gehen.
Andere dieser Anmerkungen geht geben Hinweise darauf, mit welchen Motiven oder Details sich die Künstler befasst haben könnten: So wird bei einem Entwurf nach den Oberflächen und der Befestigung von vertikalen und diagonalen Ziffern gefragt sowie zu der Lesbarkeit dieses Beitrags zu verschiedenen Tageszeiten. In einem anderen Fall werden ein Gussmuster sowie Informationen zu Farbe und Material erbeten. Von einem Startdatum und der Möglichkeit, es zum Beispiel auf das Inkrafttreten der Bayerischen Verfassung zu ändern, ist in den Protokollbemerkungen zu einem weiteren Beitrag die Rede. Ein sechster Entwurf scheint plastische Elemente und eine Lichteinheit zu zeigen, wobei die Frage beantwortet werden soll, ob diese zwei Teile zu einer Arbeit gehören oder ob sie eigenständige Werke sind. Zu einem letzten Beitrag fordert das Protokoll Erläuterungen zur Befestigung.
Wie es mit dieser Auswahl weitergeht, wird sich im Herbst klären. Denn als letzten Punkt erwähnt die Mitschrift das kommende Treffen des Preisgerichts am 20. November. Bisher steht fest, dass dafür 350 000 Euro ausgelobt wurden. Das Werk soll laut Ausschreibung, die Innen- und Fassadenbereiche aufwerten, den Bau bereichern, dem Ort eine weitere Wahrnehmungsebene hinzufügen und auf zeitgenössische Art Bezug auf das Haus und seine Inhalte nehmen.
Große Chance für Künstler
Für die Teilnehmer bedeuten Wettbewerbe für Kunst am Bau eine „super Chance“, sagt Alexander Rosol. An diesem Wettbewerb sei der Regensburger Künstler aber nicht beteiligt. Derlei Großprojekte seien nichts Alltägliches. „Außerdem ist es eine Herausforderung, ortsspezifisch und thematisch zu arbeiten“, erklärt er. Rosol beschreibt aber auch, was gerade für junge Künstler das Problem bei der Sache ist: Der Vorlauf sei relativ kurz. „Wer etwas in der Schublade hat, ist im Vorteil“, sagt der Künstler. Zudem sollten Bewerber ein Gespür für die Umsetzbarkeit ihrer Entwürfe haben, sonst könnte es zu bösen Überraschungen bei der Kalkulation kommen.
Der letzte Wettbewerb, der viel Beachtung in Regensburg fand, war der um die Kunst am Bau für die Feuerwache: „Rettet Lucy“. Künstler Ludwig Bäuml gewann ihn mit seiner Idee der vergoldeten Katze auf dem Dach dieses Hauses, zu der zwei Leitern führen.


