So kam die Guillotine, unter der Sophie Scholl starb, nach Regensburg

Von Christian Eckl · 2. März 2023 um 13:00

Das Fallbeil, mit dem die Geschwister Scholl von den Nazis ermordet wurden, lagerte jahrelang in der Regensburger JVA am Dachboden. Wie sie dorthin kam, ist nicht restlos geklärt.

Das Fallbeil, mit dem Hans und Sophie Scholl ermordet wurden, ist zerlegt in seine Einzelteile. Doch lange Jahre stand das Mordinstrument in Regensburg, genauer gesagt auf einem Dachboden der Regensburger JVA. Experten des Bayerischen Nationalmuseums entdeckten die Guillotine wieder, konnten sie auch dem bayerischen Scharfrichter Johann Reichhart zuordnen, der aus Wörth an der Donau stammte.

Wenige Kilometer entfernt, in der Walhalla, steht heute die Büste von Sophie Scholl, neben ihrem Bruder Hans eine der zentralen Figuren der Widerstandsgruppe der „Weißen Rose“. Reichhart hatte die Geschwister hingerichtet – am 22. Februar 1943, vier Tage nach ihrer Entdeckung und Denunziation durch einen Hausmeister. „Es lebe die Freiheit!“, waren Hans Scholls letzte Worte.

Bis 1974 in Regensburg eingelagert

Zwischen Januar 1949 und 1974 war die Guillotine in der JVA Regensburg eingelagert. Doch wie kam sie überhaupt dorthin? „Nach den noch vorhandenen Unterlagen der Justizvollzugabteilung des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz befand sich die Guillotine jedenfalls seit 1948 in der JVA Straubing“, sagt Julia Seiler-Bohn, Pressereferentin des Bayerischen Justizministeriums. Im Januar 1949 wurde die Guillotine in die JVA Regensburg gebracht und dort bis zur Abgabe an das Bayerische Nationalmuseum im Jahr 1974 eingelagert.

„Die Guillotine wurde nach den hier noch vorhandenen Unterlagen im Zusammenhang mit einer Anfrage des Direktors des Gefängniswesens von Württemberg-Baden aus dem Jahr 1948 in die JVA Regensburg verbracht“, heißt es weiter. Da in Baden-Württemberg keine funktionstüchtige Guillotine mehr vorhanden war, wurde zunächst um Unterlagen und Pläne der in Straubing lagernden Guillotine und später – Ende 1948 – um die Überlassung der Guillotine gebeten.

Nachbarland forderte sie an

„Vor diesem Hintergrund wurde die Guillotine in die JVA Regensburg verbracht, auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft und Ausbesserungsarbeiten durchgeführt“, so die Sprecherin des Justizministers. Nicht mehr nachvollziehbar sei, warum die Guillotine nicht nach Baden-Württemberg gebracht wurde und schließlich in Regensburg verblieb. „Sie wurde in der Folgezeit auf dem Dachboden der Anstalt eingelagert und zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt im Vorfeld der Übergabe an das Bayerische Nationalmuseum wieder aufgefunden“, so die Sprecherin weiter.

„Anhaltspunkte dafür, warum die Überprüfung der Funktionstüchtigkeit gerade in der JVA Regensburg durchgeführt wurde, sind hier nicht bekannt“, so die Sprecherin. Und weiter: „Auch zu der Frage, warum die Guillotine letztlich nicht an Baden-Württemberg übergeben wurde, liegen hier keine Erkenntnisse vor.“

Nach wie vor lagert die Guillotine im Bayerischen Nationalmuseum in München. Aber sie ist in ihre Einzelteile zerlegt, wie der Generaldirektor des Museums, Frank Matthias Kammel, mitteilt. „Sie in absehbarer Zeit auszustellen, ist nicht beabsichtigt“, so Kammel. Der entsprechende Konsens, den der Runde Tisch zu diesem Thema vor knapp zehn Jahren erzielte, gilt nach wie vor, so der Generaldirektor des Nationalmuseums. Damals hatte der noch amtierende Kultusminister Ludwig Spaenle einen Runden Tisch einberufen, um zu klären, was mit dem Mordinstrument zu geschehen hat.

Weiße-Rose-Angehörige wollen keine Ausstellung

Diskutiert wurde beispielsweise, ob man die Guillotine im damals neu konzipierten Museum der Bayerischen Geschichte am Donaumarkt in Regensburg ausstellen sollte – als Mahnmal dafür, was der Nazi-Staat an Verbrechen beging. Das geschah letztlich nicht. „Wir respektieren damit die Bitte von Nachfahren von Mitgliedern der Weißen Rose, die mit diesem Instrument hingerichtet wurden“, sagte der Generaldirektor weiter.

„Diese Bitte wurde übrigens erst im vergangenen Sommer von einer der Familien mit einem eindrücklichen Schreiben an zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und öffentlichem Leben bekräftigt“, heißt es weiter. „Eine Landtagsanfrage im vergangenen Jahr schloss mit einer parteiübergreifend einmütigen Stellungnahme, nicht zuletzt aus diesem der Pietät geschuldeten Grund am bisherigen Status festzuhalten.“

Nachfahren bitten um Pietät

Öffentlich zu sehen sein wird das Mordinstrument, mit dem die Geschwister Scholl hingerichtet wurden, also nicht. Dafür erfolgte eine wissenschaftliche Auswertung des Hinrichtungsinstruments. Der wissenschaftler „hat, im Gegensatz zu anderweitig kursierenden Angaben, das Stück aufgrund archivalischer und technologischer Forschungen identifiziert“, teilte der Generaldirektor des Bayerischen Nationalmuseums mit.

Bayerns Scharfrichter Johann Reichhart stammte aus Wörth an der Donau.