Regensburg hat niedrigste Geburtenziffer Bayerns – Hartes Pflaster zum Kinder-Aufziehen?

Die Geburtenziffer in Regensburg fiel im vergangenen Jahr von 1,23 auf 1,07 und ist damit das Schlusslicht in Bayern, was Kinder pro Frau betrifft. Das sind die Gründe.
Sozialbürgermeisterin Astrid Freudenstein führt statistische Gründe an, spricht von einer familienfreundlichen Stadt, sieht aber auch Verbesserungspotenzial bei Wohnen und Kinderbetreuung.
Jahrelang bewegte sich die zusammengefasste Geburtenziffer auf niedrigem, aber zumindest konstantem Niveau. Zwischen 1,2 und 1,3 Kinder wurden für jede Regensburgerin statistisch berechnet. Nun vermeldet das Bayerische Landesamt für Statistik einen deutlichen Einbruch: Mit einer Geburtenziffer von 1,07 ist Regensburg das bayernweite Schlusslicht.
Hinsichtlich der Geburtenziffer hat Regensburg als Studentenstadt einen Standortnachteil: „Städte mit Universitäten haben zwar eine vergleichsweise junge Bevölkerung mit vielen Frauen im fertilen Alter. Bei den meisten dieser Frauen liegt der Fokus aber auf der Ausbildung oder dem Berufseinstieg“, teilt das Landesamt für Statistik in der Pressemeldung zur Geburtenstatistik mit. Die Anzahl der Lebendgeborenen verteile sich daher auf eine große Gesamtzahl an Frauen zwischen 15 und 49 Jahren, was die Geburtenziffer in Studentenstädten drücke. Diesen Umstand führt auch Sozialbürgermeisterin Astrid Freudenstein an.
Geburten in Regensburg: Nur eine Delle in der Statistik?
Auch den Einbruch der Geburtenziffer von 1,23 im Jahr 2021 auf 1,07 im vergangenen Jahr – 2017 lag der Wert noch bei 1,27 – erklärt Freudenstein mit einer über Regensburg hinausreichenden Ursache: Corona. „2021 haben sich viele Frauen impfen lassen und wollten deswegen nicht schwanger werden.“ Die Folge sei der schwache Geburtenjahrgang 2022. „Ich gehe ganz fest davon aus, dass das nur eine Delle ist, von der wir uns wieder erholen“, sieht Freudenstein die Familienplanung lediglich aufgeschoben: „Ich erwarte einen Baby-Boom in Regensburg.“
Die Geburtenzahl war 2022 deutschlandweit rückläufig, im bayernweiten Ranking belegen andere Studentenstädte ebenfalls hintere Ränge. Den letzten Platz hat aber Regensburg inne. Somit bleibt die Frage: Ist die Stadt ein hartes Pflaster zum Großziehen von Kindern? Freudenstein verweist zunächst auf die Familienfreundlichkeit der Domstadt: „Wir haben 130 Spielplätze, wir haben den Regen, die Donau. Es ist so schön, Kinder in Regensburg aufzuziehen.“ Doch es gebe auch Bereiche, „in denen wir uns verbessern müssen“.
Unicef-Siegel „Kinderfreundliche Kommune“
Einen solchen nennt Michael Straube, Vorsitzender des Vereins Regensburger Eltern: „Das primäre Thema, das Eltern beschäftigt, ist die Kinderbetreuung.“ Das Fehlen von Krippenplätzen sei in Regensburg deutlich spürbar. Freudenstein ist dieser Punkt bewusst: „Wir müssen die Unsicherheit nehmen, ob ein Kita-Platz wohnortnah gefunden werden kann“, schreibt sich die Sozialbürgermeisterin ins Aufgabenheft.
Eine lebenswerte Stadt sieht Straube nichtsdestotrotz in Regensburg, „auch für Familien“. Der Stadtverwaltung will er kein schlechtes Zeugnis ausstellen, für „sehr aktiv“ hält Straube sie. „Das Qualitätssiegel ,Kinderfreundliche Kommune‘ kommt ja nicht von irgendwo her“, verweist er auf die Unicef-Auszeichnung.
Er selbst lebt am Oberen Wöhrd, dort finde man vieles vor, „was man gerne überall sehen würde“. Wenig Verkehr und viel Grün etwa. Breitere Rad- und Gehwege, eine Verkehrsberuhigung würden die Straßen für Kinder sicherer machen. „Die Altstadt, in der immer noch Autos fahren,“ sei nicht optimal.
Regensburg: Wenig Wohnraum für Familien
Straube wirft zudem die Frage nach bezahlbaren Wohnungen auf: „Gibt es genug Wohnraum für Familien oder sind das Studentenbuden, in denen man kein Kind aufziehen will oder kann?“ Auch Freudenstein sieht Luft nach oben: „Wir müssen besser darin werden, familiengeeigneten Wohnraum bereitzustellen“, sagt sie. „Das kann nicht nur Geschosswohnungsbau sein. Familien müssen die Möglichkeit haben, an ein Reihenhaus zu kommen, an Wiese ums Haus.“
Gerade beim zweiten Kind würden viele Familien von der Stadt in den Landkreis ziehen. Das spiegeln Zahlen der Stadt Regensburg wider, aber auch die Geburtenziffer: Die liegt im Landkreis mit 1,66 deutlich höher. Dort gibt es das, was Familien und der Statistik hilft: Mehr Platz, mehr Ruhe, mehr Kinderbetreuung – und keine Uni.