Jedes dritte Kind in Regensburg kann nicht schwimmen

Von Juliana Ried · 12. Juli 2023 um 19:00

Auch in Regensburg nimmt die Zahl der Nichtschwimmer zu. Einige Achtjährige waren noch nie im Becken. Aber für mehr Kurse bräuchte es mehr Wasserflächen.

Die Eltern, die in dieser Woche ihr Kind vom Anfängerschwimmkurs des Stadtwerks im Hallenbad abholen, haben es geschafft: Ihr Kind lernt schwimmen, und das noch vor den Sommerferien. Ein halbes Jahr Vorlauf müsse man einplanen, heißt es von Müttern – oder flexibel genug sein für den Nachmittagskurs um 14.30 Uhr. „Ich fand’s nicht schlimm, weil ich wusste, dass man sich rechtzeitig anmelden muss“, sagt etwa Susanne Jenisch (36) über die Platzsuche.

Gut informiert zu sein, ist wichtig, weil Kurse knapp sind. Das Stadtwerk, das die Bäder betreibt, nennt das Angebot „offensichtlich nicht ausreichend“. Dabei warnen bundesweit Experten, dass immer mehr Kinder nicht schwimmen können. In Regensburg berichtete 2022 das Staatliche Schulamt, das Grund-, Förder- und Mittelschulen zusammen mit Stadtwerk und Schwimmclub einen Intensivkurs anbietet: Mehr als ein Drittel der Teilnehmer aus den dritten Klassen könne nicht oder nicht sicher schwimmen. Im aktuellen Schuljahr sei der Nichtschwimmeranteil erneut gestiegen. Schulamtsdirektor Klaus Dierl berichtet: „Nicht wenige Kinder waren teilweise noch nie beim Schwimmen, so dass eine längere Wassergewöhnung nötig war.“ Das sei auch eine Folge der Pandemie, als Bäder monatelang geschlossen waren.

Vor dem Schwimmkurs: Wartezeit von bis zu einem Jahr

Auch die Schwimmkurs-Anbieter spüren Corona noch, wie Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk sagt: „Grundsätzlich ist die Nachfrage, verstärkt durch die Pandemiejahre, nach wie vor sehr hoch.“ Das Stadtwerk arbeite nicht mit Wartelisten, sondern gebe die Kurse sechs Monate vor Beginn frei, „sodass jeder die gleiche Chance auf einen freien Platz hat“. Bei anderen Anbietern sehe es aber Wartezeiten von bis zu einem Jahr. Wer auf das Wochenende angewiesen ist, kann bei privaten Anbietern fündig werden, die aber zum Teil deutlich mehr verlangen als das Stadtwerk; dort zahlen Anfänger 150 Euro. Kurse der Vereine am späten Nachmittag und Abend sind schnell voll.

Auch der 19-Uhr-Kurs der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) ist regelmäßig innerhalb einer Stunde belegt, berichtet Vize-Ausbildungsleiterin Sabine Wagenknecht. „Es kommen schon immer wieder Eltern, die sagen, sie haben nichts gefunden“, sagt sie. Ihrer Einschätzung nach gibt es allerdings viele Anfängerkurse in Regensburg. „Stadt und Stadtwerk bemühen sich, viel anzubieten und die Wasserflächen zu nutzen.“ Doch die seien eben begrenzt und auch das ehrenamtliche Personal: So habe die DLRG kleine Schwimmer mit Seepferdchen, die weitertrainieren wollten, in diesem Frühjahr nicht einmal zum Schnuppern einladen können, „weil wir die Kapazitäten nicht haben“.

Dabei sei das Seepferdchen nur „der erste Schritt in der Schwimmerlaufbahn“. Danach gelte: „Man muss besonders aufpassen, weil die Kinder sich leicht überschätzen.“ Erst nach dem Bronzeabzeichen gelte ein Kind als „halbwegs sicher“ im Wasser. Wagenknecht sagt: „Wenn jedes Elternteil regelmäßig schwimmen gehen würde mit seinem Kind, würde das viel helfen.“

Es gibt „herausragende Projekte“, aber zu wenig Schwimmflächen

Stadtwerk-Sprecher Gottschalk sagt, in Regensburg gebe es mit den Intensivkursen für die Schulen und dem Kindergartenprojekt des Schwimmclubs eine Reihe von herausragenden Projekten, um Kinder an das sichere Schwimmen heranzuführen. Doch selbst das Kindergartenprojekt, ein kleines Angebot für 15, 16 Einrichtungen, das ausgebucht ist bis 2024, erreicht nicht alle potenziellen Teilnehmer: Laut Claus Ludwig, Chef des Schwimmclubs, gibt es pro Kita nur 14 Plätze für alle Fünfjährigen. Ohnehin ließen vielleicht 15 Prozent der Eltern ihre Kinder nicht mitmachen. Was die komplexe Schwimmausbildung des Schwimmclubs für Sechsjährige angeht, so habe er im Herbst noch Plätze frei. Prinzipiell gelte fürs Schwimmenlernen in Regensburg: „Die Chancen sind schon da. Aber um 100 Prozent zu erreichen, bräuchten wir noch mal 30 Prozent an Wasserflächen.“

Gottschalk sagt: Es sei „von großer Bedeutung“, dass über die Schaffung neuer Wasserflächen das Angebot ausgebaut werden könne. Das gelinge mit dem Sportpark Ost, der im Bau ist. Er bringt zunächst ein Plus von einem Becken: Wenn er 2025 eröffnen soll, muss das renovierungsbedürftige Hallenbad in der Gabelsbergerstraße geschlossen werden – und ersetzt oder saniert werden.

So beugen Sie Badeunfällen vor: Das rät der Mediziner

Der Experte: Andreas Hüfner ist Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Regensburger Caritas-Krankenhaus St. Josef.

Die Unfallursachen: Selbstüberschätzung, Alkohol und die Unkenntnis möglicher Gefahren führten häufig zu Badeunfällen.

Die Empfehlung: Besonders gefährlich ist ein Kälteschock, der tödlich enden kann. Wer ins Wasser geht, soll sich langsam abkühlen. Entweder man duscht sich vorher ab oder geht Schritt für Schritt ins Wasser und benetzt dabei den Oberkörper.