Kinderbetreuung: Jetzt muss die Stadt Regensburg klotzen

Von Juliana Ried · 6. Juli 2023 um 05:00

Der Bedarf an Kinderbetreuung ist in Regensburg nach Corona gestiegen – und damit auch die Platznot. Die Stadt treibt jetzt zwei große Projekte voran. Burgweinting soll Regensburgs größtes Kinderhaus bekommen.

Tanja Frank (41), Kardiotechnikerin in der Herzchirurgie des Uniklinikums und Mutter von drei Söhnen, wollte eigentlich ihre Arbeitszeit aufstocken. Doch sie sagt: „Es ist mir noch ein bisschen zu unsicher.“ Sie will mindestens abwarten, wie der Umzug ihres Dreijährigen aus dem Container-Kindergarten in den Neubau im Winter läuft. Während Frank hofft, dass ihre Familie dann die schlimmste Betreuungsnot überwunden hat, haben viele andere Eltern im Westenviertel diese wohl noch vor sich: Das Viertel ist mit Betreuungsplätzen „unterversorgt“ – und da ist es nicht das Einzige.

Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra erklärt: Der Bedarf an Betreuungsplätzen habe in Regensburg – wie in ganz Deutschland – nach Corona stark zugenommen. „Wenn der Arbeitsmarkt floriert, ist immer die Kinderbetreuung verstärkt gefragt, weil auch Verwandte und Freunde als Hilfe wegen eigener Berufstätigkeit oder Arbeitsüberlast ausfallen.“ Eleonore Hartl-Grötsch, Leiterin des Amts für Tagesbetreuung von Kindern, sagte am Mittwoch im Jugendhilfeausschuss des Stadtrats, bei Krippenplätzen für Kinder bis drei gebe es stadtweit eine „Unterversorgung“.

Regensburger Westen ist mit Betreuungsplätzen „unterversorgt“

Was den Westen betrifft, so geht die Stadt davon aus, dass alle Kinder zwischen einem Jahr und sieben Jahren mit Betreuungsplätzen „unterversorgt“ sind – ab Herbst und in den nächsten Jahren. Sie will deshalb den fünfgruppigen Container-Kindergarten, der die Kita Hedwig-straße während des Neubaus ersetzt, weiterbetreiben. Das hat der Jugendhilfeausschuss gestern einstimmig beschlossen – zusammen mit einem Kinderhaus in Burgweinting mit circa 170 Plätzen.

Wie es genau im Westen weitergeht, ist noch unklar. Die Container-Kita bräuchte „eine energetische Sanierung mit erheblichem finanziellem Aufwand“, berichtete die Stadtverwaltung dem Ausschuss. Sie will prüfen, ob neue Container günstiger wären. Von einem „unterbrechungsfreien Betrieb“ sei nicht auszugehen.

Mutter Tanja Frank ist froh, dass ihr Sohn umziehen darf. Im Container sei es zu eng und auch nicht „wirklich schön“. Doch sie sagt auch: „Wenn die Alternative wäre, gar keine Betreuung zu haben, würde ich den Container wählen.“ Sie hat „leidigste Erfahrungen“ mit Personalnot in einem anderen Kinderhaus hinter sich, wo es Einschränkungen bei den Öffnungszeiten gab und auch eine Gruppe geschlossen wurde.

In Burgweinting soll in zwei Jahren das laut Hartl-Grötsch „größte Kinderhaus, das Regensburg bekommen wird,“ die Lage entspannen. Der Holzbau für 11,46 Millionen Euro soll bis 2025 auf dem Gelände der ehemaligen Schokoladenfabrik und angrenzenden Flächen entstehen, 375 Meter von der Grundschule entfernt. Der Betreuungsbedarf im Viertel sei „rasant gestiegen“, weil wegen der Baugebiete und der Nachverdichtung so viele zugezogen seien und die Nachfrage besonders hoch sei, so die Amtschefin. So fragten in Burgweinting mehr als 50 Prozent der Eltern von Kindern unter drei Jahren einen Betreuungsplatz nach.

Im neuen Kinderhaus gibt es Plätze für ganz Kleine und Größere

Im neuen Kinderhaus entstehen zwei Krippengruppen mit jeweils zwölf Plätzen für die ganz Kleinen, drei integrative Kindergartengruppen mit je 15 Plätzen, die auch Kinder mit Behinderung aufnehmen, und vier Hortgruppen für die Nachmittagsbetreuung von 100 Grundschulkindern. Dafür fallen allerdings 60 Hortplätze in der Grundschule weg, damit diese mehr Platz bekommt.

Michael Straube, Vorstand der Regensburger Eltern, begrüßt es, dass die Stadt zwei so große Projekte vorantreibt. „Das ist sinnvoll, weil in der Stadt so viele Plätze fehlen“, sagt er. Bis 2025 werde sich die Lage nicht verbessern, im Gegenteil. 2026 werde es mit dem Rechtsanspruch auf Nachmittagsbetreuung für Grundschüler „noch mal kritischer“ für die Stadt. Sein Wunsch an sie lautet: „Ausbilden und bauen, ausbilden und bauen, ausbilden und bauen.“

Michael Straube ist Vorstand der Regensburger Eltern. Foto: Maria Kurzok