Notbetreuung ohne Ende in Regensburger Kitas: Auch Schließungen vorgesehen

Von Julia Ried · 6. Mai 2023 um 05:00

Regensburg. Der Personalmangel in Regensburger Kindergärten und Krabbelstuben ist groß. Ein Fünf-Punkte-Programm der Stadt sieht auch Schließungen vor.

Das Wort „Notbetreuung“ haben viele Eltern in der Corona-Krise kennen und fürchten gelernt. Doch auch jetzt leuchtet es ihnen immer wieder auf rotem Grund an den Türen von Regensburger Kitas entgegen. Der Grund: Das Personal ist zu knapp. In städtischen Kitas greift dann ein Fünf-Punkte-Programm, das unter anderem vorsieht, dass Eltern ihre Kinder freiwillig zu Hause betreuen. Doch die Stadt kämpft auch mit anderen Mitteln gegen die Personalnot.

Stufe fünf ist die Schließung

Auf das Fünf-Punkte-Programm zum „Vorgehen bei Personalausfall in größerem Ausmaß“ setzt die Stadt seit 2021. Nun soll es dauerhaft in die Kita-Satzung aufgenommen werden, das soll der Stadtrat nächste Woche beschließen. Die Stufen 1,2 und 3 regeln, dass Kinderbetreuung in den Einrichtungen, und zwar in den Kernzeiten zwischen 8 und 16 Uhr, Vorrang hat vor Fortbildungen und Angeboten wie Ausflügen. Die Stufe vier ist die Teilschließung, etwa durch eine weitere Einschränkung der Betreuungszeiten oder Schließung einzelner Gruppen. Der freiwillige Verzicht der Eltern hat „Vorrang vor Priorisierung des Betreuungsbedarfs durch die Einrichtungsleitung“, so heißt es in dem Programm. „Vollschließung“ nennt es als Stufe fünf und „letzte Maßnahme bei drohender Kindeswohlgefährdung“.

Anfragen an Eltern, Kind zu Hause zu lassen

Während des Streiks sei es in fast allen Kitas zu Voll- oder Teilschließungen gekommen, heißt es von der Stadt. Eng wird es allerdings auch bei Krankmeldungen, wie von Eltern zu hören ist. Dass Erzieherinnen die Eltern bitten, ihr Kind zu Hause zu lassen, kommt deshalb immer wieder vor. Von „zwei-, dreimal“ in diesem Jahr berichtet Sabine König (40), Mutter einer Einjährigen, die ein Kinderhaus im Südosten besucht. Sie selbst mache das auch, weil sie nur zehn Stunden in der Woche arbeite. „Da geht das schon, dass man das mal schiebt.“ Auch andere Kita-Träger sind von Personalnot betroffen. Axel Frey (30), Vater einer Drei- und einer Vierjährigen mit Plätzen in Uni-Kitas, berichtet: „Es gibt immer wieder die Anfrage, ob jemand zu Hause bleiben kann.“ Er sagt: „Was schwierig ist, ist das Kurzfristige. Wenn man morgens gesagt bekommt, ,wir können nur eine bestimmte Zahl von Kindern aufnehmen’, und dann sollen sich die Eltern absprechen.“

Kitaplätze für Erzieher-Kinder

Die Stadt will jetzt Betreuungskräfte mit einem Kitaplatz für das eigene Kind locken. Diesen bekommen sie, wenn sie sonst ihre Tätigkeit nicht antreten oder ausweiten können, so steht es in der neuen Kita-Satzung. „Die Regelung soll helfen, leichter Personal gewinnen und zu halten, weil es beispielsweise einfacher sein wird, Berufsrückkehrerinnen aus Elternzeit zu beschäftigen.“ Dadurch werde anderen Kindern kein Platz weggenommen – im Gegenteil, es entstünden zusätzliche Plätze: etwa in Vormittagsgruppen von Teilzeitkräften.

Das werde sofort greifen, sagt Michael Straube, Vorsitzender der Regensburger Eltern; der Verein betreibt einen Kindergarten und drei Krabbelstuben. Prinzipiell werde sich die Personalnot dennoch eher verschärfen. Die Ursachen reichten zum Teile Jahre zurück. Vor zehn Jahren sei der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz eingeführt worden. „Damals war schon spürbar, dass es nicht mehr so einfach ist, Auszubildende zu finden.“

Damals öffneten viele Krabbelstuben für ganz Kleine, und auch in den Jahren danach stieg die Zahl der Betreuungsplätze. Aber die Zahl der Ausbildungsplätze sei nicht mitgewachsen. Dazu komme, dass derzeit viele Mitarbeiterinnen in Rente gehen – und auch die Personalnot selbst Fachkräfte aus den Kitas treibe: Steige die Zahl der Kinder, die eine Erzieherin betreut, wachse die Belastung. „Es gibt schon eine Fluchttendenz aus dem Beruf heraus.“ Die sei vor allem den Arbeitsbedingungen geschuldet und nicht primär der Bezahlung. Die Regensburger Eltern setzten deshalb auf eine dritte Kraft in der Gruppe; die Stadt sei diesbezüglich wohl aber nicht so flexibel wie der Verein, der etwas höhere Beiträge von den Eltern verlangt. Straube sieht diesbezüglich vor allem den Freistaat in der Pflicht. Er müsse mehr Geld für Assistenzkräfte bereitstellen.

Bessere Bezahlung für Tagesmütter

Beruf: Die Stadt arbeitet derzeit mit 56 freiberuflichen Tagespflegepersonen zusammen. Diese betreuen circa 120 Kinder, bei sich zu Hause, in den Kindertagespflegenestern der Stadt oder in den Wohnungen der Familien.

Bezahlung: Bisher bekamen Tagesmütter weniger Geld als Kita-Personal. Jetzt legt die Stadt etwas drauf: Eine Tagesmutter, die in Vollzeit drei Kinder betreut, soll mit rund 2954 Euro ähnlich viel verdienen wie eine Kinderpflegerin.