Regensburger Osten im Wandel: 250 Mietwohnungen für das Zuckerfabrik-Areal

Von Marion Koller · 27. Januar 2023 um 12:56

In der Straubinger Straße wachsen Wohntürme in die Höhe – Anwohner loben die Nahversorgung am ehemaligen Zuckerfabrik-Areal in Regensburg.

Simone Oswald holt bei der Post in der Straubinger Straße ein paar Päckchen ab. Die Studentin der Betriebswirtschaft wohnt im Candis-Quartier und schätzt es sehr. „Man ist nicht direkt in der Stadt, aber man ist mit dem Rad oder Bus schnell drin.“ Im Viertel fühlt sich die junge Frau gut versorgt. „Ärzte, Apotheke, Rewe – wir haben alles. Aber ein Fitnessstudio hätte ich hier gerne noch, dann müsste ich nicht so weit fahren.“ Dass weitere Wohnungen und Studenten-Apartments gebaut werden, begrüßt die 26-Jährige. „Das ist wichtig, weil immer mehr Studierende nach Regensburg kommen.“ Der Wohnraum sei so knapp und teuer, dass viele pendeln.

Lärmschutz an der Bahn

Zwischen der Straubinger Straße und der Bahnlinie Regensburg – Hof errichtet die Ferdinand Schmack jun. GmbH zusammen mit Partnern ein Wohn- und Geschäftsquartier. Bis zum Winter 2007 qualmte dort der Schornstein der Zuckerfabrik. Heute nimmt Candis II allmählich Gestalt an.

Mehrere versetzte Gewerberiegel an der Straße, darunter das zweite Candis-Ärztehaus, hat Schmack errichtet. Im Erdgeschoss der langgezogenen Bauten ziehen weitere Geschäfte ein. Für den ersten Stock hat der Investor das Sporthopaedicum, eine orthopädische Praxis mit OP-Zentrum, gewonnen. In der vierten Etage zieht eine Beamtenschule ein.

Diese Gebäude sollen den Verkehrslärm von der Straubinger Straße für die künftigen Bewohner dahinter abmildern. Eine Lärmschutzwand und eine Wall-Wand-Kombination schirmen die 40 000 Quadratmeter gegen die Bahn ab.

Im Herzen des neuen Viertels baut die Pfarrkirchener RMI Unternehmensgruppe 250 Mietwohnungen in zwei u-förmigen Gebäuden und drei Türmen. Ein Rohbau wurde bereits hochgezogen. In die Wohnungen sollen Mitte Dezember die ersten Mieter einziehen. Investor Manfred Reichholf kündigt an, jede Wohnung werde einen Balkon oder eine Loggia haben. Eine Energieversorgung mit Fernwärme und Photovoltaikanlage auf dem Dach ist vorgesehen. In jedem der achtstöckigen Wohntürme, die bis Ende 2024 hochgezogen werden, kommen im Erdgeschoss zwei Gewerbeeinheiten für Rechtsanwälte und andere Dienstleister unter. Zwei Spielplätze werden das Viertel bereichern. Die Vermietung wird im Juni oder Juli beginnen. Manfred Reichholf sagt, er kalkuliere mit einer voraussichtlichen Kaltmiete von 14 bis 16 Euro pro Quadratmeter, je nach Lage und Größe der Wohnung.

Ein Studentenwohnheim mit 220 Apartments, ein Fünftel davon öffentlich gefördert, errichtet die Ferdinand Schmack jun. GmbH neben den Wohnbauten. „Wir warten auf die Genehmigung“, sagt der Investor. Im selben Komplex wird auch eine Kita mit zwei Kindergarten- und zwei Krippengruppen Platz finden. Business-Apartments für Mitarbeiter der Großunternehmen, die vorübergehend bleiben, sind ebenfalls geplant.

Auf der Straßenseite gegenüber liegt ein großer, roter Rewe. Ferdinand Schmack hat vor, dort noch einen Discounter wie Aldi und einen Drogeriemarkt anzusiedeln. „Die einzige Kritik, die ich höre, ist dass kein Discounter da ist“, sagt Schmack. Doch bisher stimmt die Stadt nicht zu. Richard Eisenfest kommt gerade vom Einkaufen. „Ich kriege hier alles für den täglichen Bedarf“, sagt der 72-Jährige. Ein Discounter wie Aldi aber gehe ihm trotzdem ab. Der biete günstigere Preise. Susanne Wartner, die in Burgweinting lebt, fährt mit ihrem Nachwuchs zu den Kinderärzten im Candisviertel. An dem Tag muss sie eine Bescheinigung abholen. Die 48-jährige Sozialpädagogin findet, dass „alles da ist, was man braucht – von der Stadtteilbücherei bis zum Bäcker“.

Ein Stadtteil im Wandel

Bernadette Dechant, CSU-Stadträtin und Sprecherin der Bürgerbewegung Innerer Osten, freut sich, dass weitergebaut wird. Vor allem verbinde Candis II das bisher abgehängte Hohe Kreuz mit der Innenstadt. Seit Langem fordert sie, dass die Lücke zwischen dem Radweg im Candisviertel über den Hafen bis zur Bahnbrücke Schwabelweis geschlossen werden müsse.

Nicht nur Manfred Reichholf von RMI, auch die Anwohner finden, dass der Stadtosten aufgeblüht ist und noch mehr Potenzial besitzt. Im Candis-Quartier und in der Nähe haben sich Restaurants angesiedelt, vom Vyvu bis zum Kneitinger im Alten Schlachthof.

Gegenüber, in der Kastenmaierstraße, sind in einen markanten, blauen Neubau der Raiffeisenbank Regensburg-Wenzenbach auch die R-Kom und die bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeber (bayme vbm) eingezogen. Weiter im Osten serviert seit einiger Zeit die Rehorik-Rösterei frisch gebrühten Kaffee aus aller Welt.

Findet die Einkaufsmöglichkeiten sehr gut: Studentin Simone Oswald -Foto: Koller
So wird Candis II aussehen. -Foto: BauArt GmbH Architekten + Stadtplaner