Im April wird es Orange: Regensburger Bürogebäude bekommt seine korallenartige Fassade

Von Heike Haala · 2. Januar 2024 um 10:00

Vor vier Jahren war das Bürogebäude in der Fritz-Fend-Straße zum ersten Mal Thema im Gestaltungsbeirat. Und obwohl es gerade noch gebaut wird, wissen schon viele Regensburger, wie es aussehen soll, wenn es einmal fertig ist.

Das hat das Haus seiner orangefarbenen Fassade mit einer korallenartigen Struktur zu verdanken. Bald wird sie montiert. Bauherr ist Stephan Schimpel, Geschäftsführer der V.I.S. Vermögensverwaltung GmbH. Wie viel Geld in dem Projekt steckt, verrät er nicht. Wohl aber, wie es 2024 auf der Baustelle weitergeht. „Die ersten Mieter sollen im März einziehen“, sagt er. Der Innenausbau ist sei vollem Gange. In den letzten Wochen des vergangenen Jahres ist der Wärmeschutz angebracht worden. Auch die Anfahrt muss laut Schimpel noch asphaltiert werden.

Im April sollen dann die markanten orangefarbenen Korallenelemente angebracht werden. Etwa 1000 werden es sein, kündigt der Bauherr an. Eines davon wiege etwa 35 Kilo, insgesamt bringe die markante Fassade damit also 3,5 Tonnen auf die Waage, rechnet er vor. Schimpel geht davon aus, dass die Fassade Mitte Mai angeschraubt sein wird. Dann müssten noch Pflanzen in die Erde gesetzt werden, bevor das Haus Mitte Juni fertig dastehen soll. Eine Eröffnungsfeier plane Schimpel aber nicht.

Fünf Geschosse entstehen

Die Gesamtfläche von 6600 Quadratmetern verteilt sich auf fünf Geschosse mit je etwa 1300 Quadratmeter Mietfläche. 60 Prozent der Flächen seien bereits über Mietverträge vermarktet, sagt Schimpel. Die Firmen, die hier einziehen sollen, könne er noch nicht bekannt geben. „Sie kommen aus dem Bereich erneuerbare Energien oder dem Gesundheitswesen, aber auch die Gespräche über eine Kooperation mit Sternekoch Anton Schmaus laufen weiter“, sagt er.

Für die Fassadenelemente, die ab April angebracht werden sollen, zeichnet das Team um Manfred Mack, Leiter im Modellbau bei der Firma Siebenwurst in Dietfurt, verantwortlich. Das Unternehmen habe sich vor einigen Jahren überlegt, wo der Modellbau ein ähnliches Umsatzvolumen wie in der Automobilindustrie erzeugen könnte, sagt Mack. „Immerhin müssen die 34 Beschäftigten auch in Zukunft noch von ihrem Gehalt auskommen“, erklärt er weiter. Die Antwort lautete: in der Architektur.

Premiere mit Architektur

Die Anfrage des Büros Berschneider und Berschneider für das Regensburger Bürogebäude, sei laut Mack dann auch die Premiere von Siebenwurst auf diesem Gebiet gewesen. „Wir kümmerten uns um das Design, die Bauteile und die Formen“, sagt er. Nach einigen Versuchen habe sich herausgestellt, dass diese orangefarbene Vision am besten mit glanzlackierten Hohlteilen umgesetzt werden kann, erinnert er sich.

Jetzt steht fest: Die Elemente sollen laut Mack aus einem Polyesterlaminat bestehen, wie es etwa auch bei den weißen Stimmgabelelementen in der Fassade der Elbphilharmonie, bei der Abdeckung für Biogasanlagen, bei Hauben für Antennen, Figuren in Freizeitparks, als Zugverkleidung oder an Yachten zum Einsatzkommen.

Der Clou bei der Suche nach einer Möglichkeit, die Idee umzusetzen: Damit sich das Muster auf der 2700 Quadratmeter großen Fassadenfläche nicht wiederholt, gibt es acht verschiedene Grundelemente mit einer Fläche von 2,2 mal 1,5 Meter, deren verästelte Anschlüsse alle zueinander passen, auch wenn man eines dieser Teile um 180 Grad dreht, erklärt der Modellbau-Experte. Dadurch schöpfen die Fassadenbauer aus einem Pool von 16 unterschiedlichen Formen, mit denen sie anhand der Berechnungen eines CAD-Programms rund um das Gebäude montieren können.

Die einzelnen Elemente werde laut Mack in Wirklichkeit einen Abstand von etwa zwei Zentimetern haben, um genügend Spiel für die variierende Ausdehnung des Materials am Haus bei Temperaturschwankungen zu haben.

So soll das Haus aussehen. Foto: Berschneider + Berschneider GmbH