Gewerbemieten in Regensburg steigen – aber es gibt Ausreißer

Von Juliana Ried · 16. August 2023 um 17:00

Der neue gewerbliche Mietspiegel der Stadt zeigt: Trotz Home-Office-Trend werden Büros in Regensburg teurer. Besonders gefragt sind Produktions- und Lagerflächen – und Preise für Einzelhandelsflächen sinken zum Teil.

Auch nach der Corona-Pandemie gehen die gewerblichen Mieten weiter nach oben: Dieses Bild zeichnet der neue gewerbliche Mietspiegel der Stadt. Der Einzelhandel ist darin allerdings ein weißer Fleck. Die Stadt hat zum ersten Mal von Vermietern, Mietern und Investoren zu wenige Rückmeldungen erhalten, um ein Abbild der Marktlage liefern zu können. Sie kann lediglich Trends feststellen.

Inflation treibt viele Geschäftsmieten in neue Höhen

Stadtsprecherin Katrin Butz sagt, das Amt für Wirtschaft und Wissenschaft habe aus den wenigen Rückläufen im Einzelhandel zwei wesentliche Erkenntnisse ableiten können: „Die Mieten bei Altverträgen sind tendenziell weiter gestiegen.“ Das liege daran, dass insbesondere in den guten Geschäftslagen viele Verträge „indexiert“ seien, also an die Inflationsquote gekoppelt. So seien Mieten auf der Basis von Verträgen, die vor Jahren mit bereits hohen Quadratmeterpreisen abgeschlossen worden seien, in neue Höhen getrieben worden.

Allerdings gilt laut Butz: „Neu abgeschlossene Verträge nach der Corona-Pandemie weisen oft einen geringeren Quadratmeterpreis als noch 2020 auf.“ Im gewerblichen Mietspiegel der Stadt aus dem Jahr 2020 liegt die durchschnittliche Nettokaltmiete für eine Einzelhandelsfläche in bester Altstadtlage bei circa 37,50 Euro, nachdem sie 2014 an der 40-Euro-Marke gekratzt hatte. Heute gilt laut Butz: „Es gibt natürlich auch Hauseigentümer, die überzogene Mietpreisvorstellungen haben. Die aufgerufenen Mieten lassen sich nicht erwirtschaften, daher stehen diese Mieteinheiten dann öfter oder länger leer.“

Was Praxis- und Büroflächen angeht, so ging es inflationsbedingt nach oben bei den Mieten. Bei circa 13 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt der Durchschnittswert. Inflationsbereinigt seien Büros mit einfacher oder mittlerer Ausstattung „nahezu gar nicht“ teurer geworden und gut ausgestattete „nicht wirklich“, sagt Butz. Für Neubauten treffe dies allerdings nicht zu: „Da 2019 nahezu keine Bürofläche mehr am Markt zu haben war, ist die Bauaktivität in diesem Segment in den letzten Jahren erheblich angestiegen.“ Da die Neubaupreise stark anzogen, müssten die Mieten in diesem Segment „deutlich über den im Mietspiegel ausgewiesenen Referenzwerten liegen“.

Vertriebschef: Trend zum Home-Office flaut ab

Thomas Neuhoff, Vertriebsleiter des gerade in Bau befindlichen Bürogebäudes „Be orange“ in der Fritz-Fend-Straße, bestätigt: Im Neubau liege die gängige Nettokaltmiete bei 17,50 Euro. Von einigen wird dies auch gezahlt. Neuhoff sagt: „Es ist zwischenzeitlich eine gute Nachfrage da, aber kein Run.“ Der Trend zum Home-Office sei „am Abflauen“; Firmen, die neue Flächen mieteten, täten dies auch, um ihre Leute ins Büro zu holen oder neue Mitarbeiter zu gewinnen.

Stark gestiegen sind die Mieten für Produktionsflächen mit guter Ausstattung, auf durchschnittlich knapp zehn Euro pro Quadratmeter, und für Lagerflächen, die im Schnitt zwischen 4,50 Euro und sieben Euro pro Quadratmeter kosten. Butz sagt, dies liege neben den Baupreisen auch an der Nachfrage: „Hochwertige Lager- und Produktionsflächen werden mehr denn je benötigt.“