Zara-Umzug und Kaufhof-Rettung in Regensburg – Ein turbulentes Jahr für Volker Höcht

Zara-Umzug, Kaufhof-Rettung – Der Leiter am Amt für Stadtentwicklung in Regensburg hatte ein turbulentes erstes Jahr.
Herr Höcht, in Ihrem ersten Jahr als Leiter des Amtes für Stadtentwicklung mussten Sie wegen des Umzugs von Zara und der Rettung von Kaufhof quasi senkrecht starten. Was war der frustrierendste Moment für Sie?
Volker Höcht: Das schwierigste sind für mich Situationen, die ich nicht beeinflussen kann, wie die Nachrichten über die Schließung von Galeria Kaufhof. Als ich davon erfahren habe, dachte ich nur: Das ist schlecht! Bei großen Herausforderungen brauche ich einen Plan.
Es drohte der größte Leerstand der Altstadt: Wie sah der Plan da aus?
Höcht: Seit mehr als einem Jahr besteht nun schon die „Task Force Galeria“ in der Stadtverwaltung. Verschiedene Ämter des Planungs- und Baureferates sind involviert, aber auch das Amt für Wirtschaft und Wissenschaft. Wir hatten unsere Hausaufgaben gemacht, um auf jedes mögliche Szenario vorbereitet zu sein.
Und wie war das mit dem Umzug von Zara für Sie?
Höcht: Von dem Umzug haben wir früh gewusst, die Hintergründe gekannt und Gespräche mit dem Ziel geführt, Zara am Standort Altstadt zu halten. Große Ketten stellen hohe Anforderungen an den Flächenzuschnitt bis hin zur Beleuchtung oder der Präsentation. Wenn das nicht umsetzbar ist, ziehen sie weiter oder verlassen die Stadt. Aber jetzt gibt es ja gute Nachrichten. Anson‘s zieht am Neupfarrplatz ein.
Im Moment gilt der Neupfarrplatz wegen vieler Leerstände trotz Top-Lage aber immer noch als Sorgenkind. Wenn Sie sich ihn in fünf Jahren vorstellen: Auf was hoffen Sie dann?
Höcht: Ich hoffe, dass das Fresh up bei Kaufhof die gewünschten Resultate liefert. Deswegen stehen wir alle unterstützend bereit. Bei Galeria braucht es nun eine Transformation. Die Historie zeigt aber auch, dass wir einen Plan für die Situation brauchen, falls sich der Erfolg nicht einstellt. Ansonsten möchte ich, dass für die Leerstände Nachnutzungen gefunden werden. Dazu führen wir Gespräche.
Als Sie die Amtsleitung angetreten haben, war das alles noch nicht absehbar. Was hat Sie an diesem Posten in der Stadtentwicklung gereizt?
Höcht: Die Stadt Regensburg. Ich komme aus der Oberpfalz, Regensburg ist quasi meine Hauptstadt und eine der schönsten Städte Deutschlands. Schon als Kind war ich hier einkaufen. Deswegen will ich die positive Entwicklung mitgestalten.
Und dann kam alles ganz anders als erwartet: Haben Sie sich Ihren Start so vorgestellt oder hätte es nicht auch etwas ruhiger zugehen können?
Höcht: Man merkt schon, dass sich hier viel bewegt. Da musste ich mich schnell einarbeiten. Das Amt für Stadtentwicklung beschäftigt sich ja bei Weitem nicht nur mit Leerständen oder der Altstadt, sondern auch mit Themen wie dem gefördertem Wohnungsbau, der Statistik oder der Vermessung. Da musste ich mich erst einmal zurechtfinden. Gleichzeitig haben sich die Tagesereignisse regelrecht überschlagen. Inzwischen bin ich gut angekommen.
Mit welchen Leitideen sind Sie hier gestartet?
Höcht: Es war mir wichtig, im Bereich digitaler Planungswerkzeuge voranzukommen. Daher war die Einführung des neuen Geoportals ein bedeutender Schritt. Das Portal ist wichtig, um Planungen steuern zu können. Regensburg soll einen digitalen Zwilling bekommen, eine Art Drei-D-Modell voller Daten, das alle nutzen können.
Apropos Digitalisierung: Das Angebot im Netz ist für den Einzelhandel eine ernstzunehmende Konkurrenz. Wie ist Regensburg dafür gerüstet?
Höcht: Regensburg ist im Vergleich zu anderen Städten gut aufgestellt und die Stadt hat einen ausgewogenen Branchenmix aus Einzelhandel, Dienstleistung und Gastronomie. Multifunktionalität ist gegeben. Das Angebot ist attraktiv und die Frequenzen sind gut. Acht Prozent Leerstand sind akzeptabel. Wir müssen die Situation aber weiter genau beobachten, denn zehn Prozent wären besorgniserregend, bis zu fünf Prozent braucht man jedoch, um flexibel zu bleiben.
Wer aber schon über Instagram zur Bestellmaske gelangt, wird wohl eher schwer zu einer Shoppingtour in die Stadt zu bewegen sein: Welche neuen Geschäftsideen braucht es da?
Höcht: Der Einzelhandel muss im Netz präsent und auch auffindbar sein. In der Altstadt wie in den Einkaufszentren wird es in Zukunft um Erlebnisse gehen: Aufenthaltsqualität, Ausstellungen oder andere Events wie der PlayFountain oder die Surfer-Welle am Donaueinkaufszentrum können dazu betragen.
Welche Herausforderungen sehen Sie auf Ihr Amt noch zukommen?
Höcht: Das ist die kommunale Wärmeplanung. Ich gehe davon aus, dass der Bund im Herbst beschließt, dass dies zur Pflichtaufgabe der Kommunen werden soll. Da wird einiges auf uns zukommen. Zudem ist der Wohnraum in Regensburg weiterhin knapp.
Am Ende kommt das Schönste: Über was haben Sie sich im ersten Jahr in ihrem Amt am meisten gefreut?
Höcht: Dass unser Geoportal jetzt online ist. Das habe ich mit vorangetrieben, damit das schnell geht. Es ist ein aktueller Stadtplan, auf dem viele verschiedene Daten wie Naturschutzgebiete, Parks, Radwege oder Schulsprengel abgerufen werden können. Das werden wir weiterentwickeln.
Das Interview führte:
Heike Haala