Neuartige Architektur in Regensburg: Be Orange soll eine Nuance erdiger werden

Regensburg. Wenn Stephan Schimpel einen Termin beim Gestaltungsbeirat hat, gibt es immer etwas Spektakuläres zu sehen.
Das kann eine Simulation des Bürogebäudes sein, das der Geschäftsführer der V.I.S. Vermögensverwaltung GmbH in der Fritz-Fend-Straße errichtet, oder ein Modell der orangen Fassadenfliesen mit Korallenstruktur. Während dieses Anschauungsobjekt beim ersten Termin aber noch so viel wie eine Tafel Schokolade wog, brachten es die drei Teile beim dritten Termin am Donnerstag auf je 500 Kilo.
Schimpel und die Architekten der Berschneider + Berschneider GmbH hatten die Kawenzmänner vor dem Termin in drei Orange-Nuancen und Strukturvarianten vor das oberste Geschoss des Hauses hängen lassen, damit sich Regensburgs Architekturwächter ein besseres Bild von dem Vorhaben machen konnten.
Modelle als Blickfang
Als Blickfang erwiesen sich die knallorangen Riesenfliesen an dieser prominenten Stelle aber längst nicht nur für die Mitglieder des Gestaltungsbeirats. Auch alle Passanten, die an der Stelle vorbeikamen, legten den Kopf für einen Moment in den Nacken. Die Nachbarn drückten sich die Nasen an der Scheibe platt. Was sind das für Dinger? Diese Frage schwebte über dem Quartier.
Wie der Gestaltungsbeirat, der bei Vorhaben von städtebaulicher Bedeutung ein Wörtchen mitzureden hat, diese für Regensburg vollkommen neuartige Fassadengestaltung einordnet, erklärte Tobias Wulf. Die Strukturelemente empfand er als relativ grob. Deswegen sorgte Wulf sich auch um den Sonnenschutz für die Büromitarbeiter. Schimpel aber versprach ihm, dass er mit den Fassadenteilen 46 Prozent des Gebäudes verschatten könne.
Wulf schärfte dem Bauherrn und den Architekten zudem die in seinen Augen extrem wichtige Rolle der zweiten Ebene hinter dem auffälligen Fassadengeflecht ein. Denn die vorgehängten Fliesen würden einmal so stark zur Geltung kommen, dass der Hintergrund unter allen Umständen homogen, neutral und dunkel gestaltet sein müsse. „Da muss bis zum letzten Schraubenkopf alles passen“, verdeutlichte Wulf. Sonst könnte das Haus am Ende auch einfach nur billig wirken. Aber damit nicht genug der Bedenken: Könnte das Orange durch die UV-Strahlung einmal ausbleichen? Was passiert mit dem Taubenkot am Orange? Wie können die Fassadenteile einmal entsorgt werden, wenn sie nicht mehr taugen? Am Ende riet der Architekturwächter dazu, einen erdigen anstatt eines knallorangen Tons zu wählen und die farbige Oberfläche seidig oder matt statt glänzend zu gestalten, damit nicht so viele Lichtpunkte die skulpturale Fassade stören. Schimpel sagte Wulf zu, dies alles bei den Planungen zu berücksichtigen.
Wird das akzeptiert?
„Es lässt sich trefflich darüber streiten, ob das nach Regensburg passt“, sagte Wulf noch. Immerhin sei die Stadt für mittelalterliche Architektur bekannt. Deswegen dürfe sich Schimpels Projekt nicht zu stark davon unterscheiden. „Wenn das alle machen, haben wir keine historische Stadt mehr“, warnte Wulf. Das könne auch dazu führen, dass dieses Haus nicht akzeptiert wird.
Der Bauherr aber konterte: Erst am Morgen habe er wieder 1000 Quadratmeter Bürofläche vermietet. Unisono bekäme er bei diesen Gesprächen zu hören, dass die Fassade bitte auch genau so kommen soll. Unter anderem plant Sternekoch Anton Schmaus weiterhin ein Projekt darin.
Schimpel erklärte auch einiges zur Technik: Es gebe acht verschiedene Fassadenfliesen, von denen er etwa 1000 brauchen wird. Die könnten gedreht werden, so dass er es insgesamt auf 16 Varianten am Haus bringt. Hergestellt seien sie aus Kunstharz, der mit einem Lack aus der Automobiltechnik überzogen ist. Ab April 2024 soll die Fassade an das Haus gehängt werden.

