Günstige Wohnungen statt Parkplätze für den Regensburger Westen

Von Juliana Ried · 17. Februar 2023 um 15:45

Die Stadt nutzt ein neues Turbo-Verfahren, um schnell Wohnraum zu schaffen. Dafür muss ein Discounter samt großem Parkplatz weichen.

Wenn Bauherren Baulücken in der Stadt schließen, entsteht oft nur hochpreisiger Wohnraum. Die Stadt nutzt jetzt zum ersten Mal ein neues Turbo-Verfahren, das das verhindern soll: Auf einem Grundstück in der Puricellistraße im Stadtwesten, wo heute ein Discounter samt großem Parkplatz ansässig ist, sollen so schnell günstige Wohnungen gebaut werden.

Bund wollte anschieben

Wohnungsbau passiert in Großstädten wie Regensburg häufig nicht auf der grünen Wiese, sondern im „Innenbereich“. Hier haben Grundstückseigentümer grundsätzlich bereits Baurecht, wenn sich das Vorhaben in die nähere Umgebung einfügt – Vorgaben wie etwa die Regensburger 40-Prozent-Quote für geförderten Wohnraum kamen in solchen Fällen bisher nicht zum Tragen. Der Bund schob dem 2021 einen Riegel vor, mit dem „sektoralen Bebauungsplan zur „Wohnraumversorgung“.

Die Stadt nutzt das Instrument jetzt zum ersten Mal und zählt damit laut Planungsreferentin Christine Schimpfermann auch zu den Ersten in Bayern. In dieser Woche stimmte der Stadtplanungsausschuss des Stadtrats einstimmig der Aufstellung des „sektoralen Bebauungsplans zur Wohnraumversorgung“ für die Puricellistraße-West zu. Stadtsprecherin Verena Bengler erklärt: „Das Verfahren ermöglicht die schnelle Schaffung von Baurecht einerseits und die gleichzeitige Sicherung von gefördertem Wohnungsbau.“ Die Stadt verlangte 40 Prozent geförderten Wohnraum, das entspricht circa 40 Wohnungen. Damit will sie den Mangel im Westen lindern.

Weniger Bürokratie

Anders als bei großen neuen Baugebieten kann die Stadt hier auf eine „Umweltverträglichkeitsprüfung“ verzichten, auch die Bürgerbeteiligung ist eingeschränkt. Um die „städtebauliche Qualität“ zu sichern, mussten die Bauherren ihre Pläne allerdings den Architekturwächtern im Gestaltungsbeirat präsentieren.

Sie hatten ihre Pläne vor circa einem Jahr dem Gremium vorgestellt. Sechs Mehrfamilienhäuser mit bis zu fünf Geschossen samt Tiefgarage sollen sich um einen Innenhof mit einer großen Grünfläche gruppieren. Die Bauherren könnten nach Inkrafttreten des Bebauungsplans „zeitnah“ mit einer Baugenehmigung rechnen, stellt Stadtsprecherin Bengler in Aussicht.