Stadtbahn in Regensburg: Oberbürgermeisterin warnt vor dem „Ohne-Fall“

Das Projekt Stadtbahn Regensburg steuert auf die Entscheidung zu: Der Masterplan ist fertig vorbereitet, die Kosten-Nutzen-Untersuchung und die Bürgerbefragung können kommen.
Lang, kontrovers und mitunter sogar hitzig waren in der Vergangenheit die Sitzungen des Ausschusses für den Neubau einer Stadtbahn. Die Zusammenkunft am Dienstagabend gestaltete sich kürzer und harmonischer, sogar für einen Scherz war Platz. „Am meisten freue ich mich, dass der Herr Rappert seine Haltestelle bekommt“, frotzelte Stadtbahn-Skeptikerin Kathrin Fuchshuber (CSU) in Richtung des glühenden Projekt-Verfechters Klaus Rappert (SPD). Der nahm den Witz auf seine Kosten hin, und damit blieb es bei der gut zweistündigen Sitzung bei einer einzigen Streitfrage (siehe Info am Ende des Textes).
In Wahrheit ist natürlich längst nicht geklärt, ob es in der Nähe von Rapperts Wohnort im Stadtnorden eine Haltestelle geben wird. Weil die umstrittene Trassenführung durch die Sandgasse gestrichen werden könnte. Und vor allem weil die Umsetzung des Vorhabens insgesamt noch nicht gesichert ist. Das entscheidet sich erst im kommenden Jahr, wenn im März das Ergebnis der Nutzen-Kosten-Untersuchung vorliegt und später die Bürger befragt werden.
Verkehr stößt an Grenzen
Für den Moment herrscht weitgehend Zufriedenheit bei den Stadträten. „Ein großer Teil der Arbeit ist geschafft“, meinte etwa Maria Simon (Grüne). In der Tat: Alle Bestandteile der lang erwarteten Masterplanung liegen vor, jetzt werden die gewählten Streckenführungen erst einmal eingefroren. Dieser „Freeze“ genannte Zustand war der Grund dafür, dass am Dienstag kaum über Trassenvarianten debattiert wurde. Weitaus mehr wurde über Szenarien gesprochen, wie der Verkehr in Regensburg mit Stadtbahn aussehen würde – und wie ohne.
Mit Blick auf das Busnetz zum Beispiel hielt Stadtwerk-Geschäftsführer Manfred Koller fest, dass dieses auch mit Stadtbahn annähernd seine jetzige Größe behalten würde: „Wir hätten nur neun Prozent weniger Busse auf der Straße.“ Diese hohe Zahl an Fahrzeugen sei dann die Grundlage für eine bessere „Feinerschließung“ der einzelnen Stadtteile.
„Das ist ein Punkt, den man noch viel stärker darstellen muss. Wir planen nicht nur eine Stadtbahn, sondern auch die Abstimmung des Bussystems mit ihr“, sagte dazu Brücke-Stadtrat Thomas Thurow. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer gab ihm Recht. Vor allem müsse man sich vor Augen führen, wie der „Ohne-Fall“ aussehen würde, also ein Busnetz ohne Stadtbahn als Rückgrat: „Ich glaube, dass wir da eindeutig an unsere Grenzen stoßen.“
Dass die Grenzen für den Regensburger Verkehr in Zukunft definitiv noch enger werden, verdeutlichte eine Simulation. Gezeigt wurde dabei der Betrieb auf der Nordgaustraße im Jahr 2035, unter der Annahme, dass die bis dahin fertige Sallerner Regenbrücke noch massig zusätzlichen Autoverkehr auf diese jetzt schon hochbelastete Trasse spült.
„Das System ist schon sehr voll“, kommentierte Verkehrsplanerin Vanessa Linton von der Firma Schüßler-Plan das in der Simulation dargestellte Gewusel. Mit Stadtbahn ergibt sich gemäß ihrer Prognose ein „weitestgehend stabiler Verkehrsablauf“, einzelne Rückstaus und auf der Nordgaustraße und in ihrem Umfeld sind in dieser Formulierung inbegriffen. „Die haben wir ja jetzt auch schon“, sagte die Oberbürgermeisterin dazu.
Was fließt mit, was verstopft?
Wie aber würde es ohne die laut Linton „mitfließende“ Stadtbahn aussehen? Eine Simulation dazu gibt es nicht, nur die Vermutung, dass Busse das System eher verstopfen würden – und das bei einer geringeren Kapazität an beförderten Personen. Dieses „Bauchgefühl“ teilt auch Planungsreferent Florian Plajer: „Die jetzt schon abnehmende Reisegeschwindigkeit würde noch weiter abnehmen.“
Für die Stadträte war an diesem Punkt die Diskussion über die Stadtbahn für 2023 beendet. „Alle Fragen sind zumindest für heute beantwortet“, schloss Maltz-Schwarzfischer nach zwei Stunden und 15 Minuten die öffentliche Sitzung. Die alles entscheidende Frage wird sich dann im kommenden Jahr klären.
Kosten-Diskussion: CSU erntet Widerspruch und verteidigt sich
Nicht wie von der CSU behauptet 20 Millionen Euro, sondern erst die Hälfte sei bislang für die Stadtbahn ausgegeben worden, sagte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer in der Sitzung auf Anfrage. Es bestehe nämlich eine Differenz aus planmäßig veranschlagten und tatsächlich abgerufenen Kosten. Grünen-Stadträtin Maria Simon reagierte verärgert: „Die CSU soll nicht mit Zahlen agieren, die einfach nicht stimmen.“
CSU-Stadträtin Kathrin Fuchshuber betonte in der Sitzung jedoch, dass die Zahlen vom Büro der Oberbürgermeisterin bestätigt worden seien. Fraktionschef Michael Lehner legte der MZ anschließend ein Schreiben der OB an die CSU vor. Darin heißt es, dass die „recherchierten Zahlen korrekt den aufgeführten Beschlussvorlagen entnommen wurden“.