Papiertiger oder Verkehrszukunft? „Mobilitätskonzept Großraum Regensburg“ ist fast fertig

Von Daniel Pfeifer · 5. Dezember 2023 um 19:00

Stadt und Landkreis Regensburg haben drei Jahre lang gemeinsam Maßnahmen erarbeitet, die den Verkehr für die kommenden Jahrzehnte positiv prägen sollen. Mehr Busse, mehr Komfort für Fahrradfahrer und mehr Zusammenarbeit sollen in eine gute Zukunft führen. Es gibt Skepsis und Optimismus.

Treffen sich eine Bürgermeisterin, ein Umweltschützer, ein Verkehrsplaner und noch 50 andere Menschen – und was kommt am Ende dabei heraus? Nun, das ist die große Frage. Am Montag fand der allerletzte Workshop zur Erarbeitung des „Mobilitätskonzepts Großraum Regensburg“ statt. Entscheider aus Stadt und Landkreis debattierten im Regensburger Marinaforum über Busverbindungen, Pendlerparkplätze, die Stadtbahn, Radwege, Straßen-Neubauten oder eben auch Straßen-nicht-Neubauten. Am Ende stehen Maßnahmen, die den Verkehr in Regensburg für die kommenden Jahrzehnte positiv prägen sollen. Hat sich der Aufwand gelohnt, kommt am Ende mehr heraus als ein Heft mit guten Vorsätzen, das in Schubladen verschwindet?

Konkret, messbar, sinnvoll

„Auf jeden Fall. Das machen wir nicht nur zum Spaß“, sagt Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, die den ganzen vierstündigen Workshop mitdebattierte. Sie erhofft sich am Ende ein gemeinsames Konzept, in dem nicht nur altbekannte Forderungen drinstehen, sondern messbare Zielvorgaben: Nicht nur „mehr Expressbusse wären schön“, sondern „durch diese Expressbusse soll auf jenen Straßen in x Jahren soundso viel Prozent weniger Verkehr fahren“ – knallhart überprüfbare Ziele. Landrätin Tanja Schweiger fordert deutlich: Am Ende sollen konkrete Maßnahmen stehen, alles andere könne „nicht das Ergebnis von drei Jahren Arbeit“ sein.

Aber worum geht es im Mobilitätskonzept Großraum Regensburg? Nun, in erster Linie soll es verhindern, dass die stark wachsende Region im Verkehr erstickt. Nachhaltiger, komfortabler und sicherer soll der Verkehr fließen – dank starkem ÖPNV. Und zwar nicht nur innerhalb Regensburgs, sondern von Hemau bis Wörth und von Regenstauf bis Schierling.

2021 begann das Projekt, durchgeführt vom Verkehrsplanungsbüro PTV. Anfang 2024 soll es abgeschlossen sein. Die Ergebnisse, so OB Maltz-Schwarzfischer, gehen dann an die Arbeitsgruppen der Verwaltungen und früher oder später in die konkrete zukünftige Verkehrsplanung Regensburgs.

So ist zumindest der Plan. Eine gewisse Skepsis war aber beim abschließenden Workshop zu spüren. Bürgermeister von Gemeinden wie Hemau, Tegernheim, Sinzing und Barbing waren ebenso dabei wie Logistik-Vertreter und Altstadt-Hotelliers. Es wurden auch Sorgen laut, am Ende habe man viel Geld und Zeit investiert und kriege nichts greifbares heraus oder scheitere sowieso am fehlenden Geld.

Ein Beispiel: Busverkehr für Pendler attraktiver zu machen durch häufigere Fahrzeiten. „Allein aus Hemau gibt es 2000 Auspendler“, sagt Hemaus Bürgermeister Herbert Tischhöfer, „will man, dass viele davon auf den Bus umsteigen, müsste man ein Überangebot schaffen – aber wie bezahlt man das, wo kriegt man Busfahrer her?“ Der Wille sei aber da, in der Stadt und auch in den Kommunen. Und so waren sich viele Teilnehmer einig, dass der Workshop mindestens eine Möglichkeit war, dass Entscheider an einem Tisch Verständnis für gegenseitige Probleme schaffen konnten.

Auto-Komfort im Landkreis Regensburg

„In der Umsetzung lebt das Konzept auch von der Akzeptanz in den Kommunen. In deren Planungshoheit können wir nicht eingreifen“, sagt OB Maltz-Schwarzfischer. Aktuell, so zieht PTV-Verkehrsplaner Rimbert Schürrmann als Fazit, hapere es vor allem an den Schnittpunkten zwischen Auto-dominiertem Landkreis und Öffi- und Rad-freundlicher Stadt.

Hier soll ein gemeinsames Konzept Besserung schaffen. Vertreter von Verbänden wie dem BUND oder dem ADFC warfen aber auch ein, dass es schon viele große Beteiligungs-Prozesse gab – den Regensburg-Plan 2005 zum Beispiel oder das Projekt „Stadt Fluss Landschaft“, aus denen viele innovative Ideen verschwunden seien. Gleichzeitig zeige sich, dass die Offenheit für ambitionierte Verkehrsideen da sei. Ab 2024 wird sich zeigen, ob aus den Worten im fertigen Mobilitätskonzept auch Taten folgen werden.

Ausgewählte Themen des Workshops

Park and Ride: Ein viel besprochener Verkehrs-Baustein ist die Stadtbahn Regensburg. Hier besagen vorläufige Vorschläge des Konzepts, Pendlerparkplätze an den Enden der Stadtbahn zu prüfen, die von Landkreis-Bewohnern genutzt werden können. So müssten sie nicht bis in die Innenstadt fahren. In Wutzlhofen zum Beispiel habe man sich schon für passende Orte umgesehen, so SPD-Stadtrat Klaus Rappel.

Werbung: Aktionstage, Ansprache von Neubürgern und (möglichst witzige) Kampagnen für den ÖPNV in Kooperation mit Regensburger Künstlern stehen auch auf der Ideenliste.

Dichter Takt: Der Busverkehr im Großraum soll über den „Bayern-Takt“ noch hinausgehen. Beliebte Linien von Kreis zu Stadt sollen zum Beispiel auch mal im 20-Minuten-Takt fahren.

Vieles mehr: Die Wunschliste ist noch lang: Doppeldeckerbusse im Landkreis, mehr ausgewiesene Schnellspuren für Busse, ein gemeinsam abgestimmter Bus-Zeitplan, mehr Nachtbusse, neue Linien, klarere Kennzeichnung von Radwegen, Überdachung aller öffentlichen Fahrrad-Stellplätze, Mikro-Depots zur Zwischenlagerung von Produkten und Reduzierung des Lieferverkehrs, Ausweitung von Rufbussen wie „elma“.

Bürgermeister und Stadträte diskutieren auf den Workshops zu vielen verschiedenen Themengebieten.