Auch Pendler sollen profitieren: 45.000 Kilometer Radwege durch ganz Bayern

Mobilität soll zunehmend auf zwei statt vier Rädern stattfinden, doch dazu braucht es viele neue Wege, nicht nur in den Städten, sondern auch zwischen den einzelnen Kommunen. 300 Fachleute tüfteln bei der Fahrrad-Kommunalkonferenz in Regensburg an besten Lösungen.
An dem hehren Ziel, in Bayern ein bis zu 45.000 Kilometer langes Radinfrastrukturnetz zu schaffen, das alle Städte und Gemeinden im Freistaat miteinander verbindet, bastelten in Regensburg rund 300 Fachleute im Rahmen der 17. Fahrradkommunalkonferenz des Bundesamts für Logistik und Mobilität.
Wo wird das Radwegenetz in Regensburg sichtbar?
Die Radverkehrsverantwortlichen und Experten aus kommunalen Verwaltungen, Landkreisen, Regionen und Landesbehörden diskutierten zwei Tage im Marinaforum zum Thema „Das Rad vernetzt – Potenziale für mehr Radverkehr“, schwangen sich aber auch auf Fahrräder, um in Regensburg vor Ort zu sehen, wie es der Stadt gelungen sei, eine stringente lokale Planung für ein Radwegenetz sichtbar zu machen. Das sei nämlich das entscheidende Kriterium dafür gewesen, dass Regensburg unter insgesamt vier Bewerbern den Zuschlag als Veranstaltungsort der jährlich stattfindenden Fahrradkommunalkonferenz bekommen habe, sagte Roman Willweber vom Logistik-Bundesamt. Regensburg ist zudem eines der zwölf Gründungsmitglieder der „Arge Fahrradfreundliche Kommunen“, der mittlerweile 131 Städte und Gemeinden in Bayern angehören. Willweber durfte auch schon verraten, wer der Gastgeber im nächsten Jahr sein wird. Für 2024 hat d Hannover das Rennen gemacht.
Mobilität auf zwei Rädern statt auf vieren soll es künftig nicht nur im Bereich des Freizeitverkehrs geben, sondern immer mehr auch im Berufsverkehr. Über 60 Prozent der Beschäftigten in Stadt und Landkreis Regensburg wohnten nicht am selben Ort, an dem sie arbeiteten, berichtete Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Ziel sei es nun, einen guten Teil des Pendlerverkehrs auf gute Radwege zu bringen.
Ziel: Bis 2035 30 Prozent des Verkehrs auf dem Rad
Regensburg habe sich auch mit Blick auf den Klimawandel das Ziel gesetzt, dass bis 2035 mehr als 30 Prozent des lokalen Verkehrs auf dem Fahrrad bewältigt werden soll. Doch dazu braucht es eine entsprechende Infrastruktur. „Und die kostet Geld", stellte Maltz-Schwarzfischer fest. Als Paradebeispiel für den interkommunalen Radverkehr nannte sie den Bau von Rad- und Gehwegspuren auf der Sinzinger Eisenbahnbrücke, der aber eben rund zwölf Millionen Euro gekostet habe.
Solche Maßnahmen müssen von staatlicher Seite gefördert werden, versicherte Amelie Ganslmeier, Leiterin des Referats Radverkehr am bayerischen Verkehrsministerium. Sie berichtete von den Planungen für das flächendeckende Radverkehrsnetz mit bis zu 45.000 Kilometern Länge in Bayern. Ein echtes Zukunftsprojekt, doch immerhin sollen die Planungen dafür bis zum Jahr 2030 abgeschlossen sein. Natürlich werde man dabei auf bereits bestehende Radwege zurückgreifen, diese aber auch mit neu zu bauenden Wegen verbinden. Dazu soll auch das am 1. August in Kraft getretene Bayerische Radgesetz beitragen, in dessen Rahmen 1500 Kilometer neue Radwege auf Kosten des Freistaats entstehen sollen. Daneben sei es aber auch Aufgabe der Kommunen, eigene Radwege zu bauen.
Freilich geht es aber nicht nur darum, eigene Wege für den Fahrradverkehr zu schaffen. Auch das Miteinander von Auto- und Fahrradfahrern etwa auf extra ausgewiesenen Fahrradstraßen bleibe ein Thema, sagte Maltz-Schwarzfischer und merkte schmunzelnd an, dass da die Regensburger Autofahrer durchaus noch Übungsbedarf hätten, um die Vorrechte der Radler auf diesen Straßen auch in die Praxis umzusetzen.
Die 17. Fahrradkommunalkonferenz bot über zwei Tage Referate, Vorträge und viel Erfahrungsaustausch unter Fahrradfachleuten. Regensburgs Oberbürgermeisterin bedankte sich für die vielen Impulse und den spannenden Austausch mit allen Beteiligten sowie die Unterstützung durch das bayerische Bauministerium. „Wir konnten viel voneinander lernen und nun hoffe ich, dass wir in der Radverkehrsförderung alle einen weiteren großen Schritt nach vorne machen können“, sagte sie.
