Gestiegene Tierarztrechnungen und Futterkosten machen Haustiere immer teurer

Von Kilian Graef · 6. Dezember 2023 um 12:00

Knapp 70 Katzen warten aktuell im Regensburger Tierheim in der Pettendorfer Straße auf ein neues Zuhause. Das Katzenhaus ist voll. Schon zum dritten Mal in diesem Jahr musste Anfang November die Aufnahme neuer Katzen gestoppt werden.

„Es ist schon frustrierend“, sagt Ariane Weckerle, erste Vorsitzende des Tierheim betreibenden Tierschutzvereins. Ein Großteil der Katzen ist noch sehr jung, weiß die 52-Jährige: „Bei uns im Tierheim sind aktuell sehr viele Babykatzen“. Der Grund dafür: Es gebe keine grundsätzliche Kastrationsverordnung. „Es werden immer wieder Katzenwelpen gefunden, die wir dann aufnehmen“, sagt Weckerle. Das Hauptproblem sei, dass sich streunende Katzen, die nicht kastriert sind, vermehren, ohne, dass es jemand mitbekommt. Bei manchen Katzenfunden lässt sich aber auch vermuten, dass die Tiere ausgesetzt wurden. „Das geht natürlich gar nicht“, sagt Weckerle.

Einige Katzenhaus-Bewohner stammen laut Weckerle aus „Beschlagnahmungen aufgrund nicht artgerechter Haltung“. Diese Beschlagnahmungen kommen aus verschiedenen Gründen zustande. Das Veterinäramt greift beispielsweise bei zu wenig Platz für zu viele Katzen in der Wohnung, Unterernährung oder Zeichen von Misshandlung der Katzen ein. Ein weiterer Faktor, der für die hohe Auslastung im Tierheim sorgt, seien die gestiegenen Tierhaltungskosten, zu denen auch höhere Rechnungen beim Tierarzt zählen.

Höhere Tierarztkosten

Im November 2022 wurde die Gebührenordnung der Tierärzte erhöht. Je nach Dienstleistung zahlt man mittlerweile das Doppelte. Laut Tierärztin Caroline Malle, seien die Kosten vor allem durch die Erhöhung der allgemeinen Untersuchung stärker spürbar. „Das ist ein Posten, den man bei jeder Katze und bei jedem Hund macht, der einem vorgestellt wird“, sagt Malle. „Wenn zum Beispiel eine Blutabnahme gemacht wird, merken das die Besitzer finanziell nicht so sehr, weil es nicht jedes Mal beim Tierarzt eine Blutabnahme braucht. Bei der allgemeinen Untersuchung sieht es eben anders aus.“

Dass die Erhöhung im November 2022 mitten im laufenden Ukraine-Krieg und während der steigenden Inflation kam, sei laut Malle ein „sehr ungünstiger Zeitpunkt“ gewesen. „Die Anpassung der Gebührenordnung war aber mehr als überfällig“, erklärt sie. 1999 habe es die letzte Preiserhöhung gegeben. „Unsere Preise sind seitdem konstant geblieben. Die Kosten sind aber gestiegen. Viele Kliniken mussten schließen, weil sie sich das Personal nicht mehr leisten konnten“, sagt die 41-Jährige.

Manche Kosten, wie das MRT, wären in der alten Gebührenordnung gar nicht erst enthalten gewesen. „Die erhöhte Gebührenordnung hilft uns ungemein“, sagt Malle. „Auch wenn die Gebührenordnung an die Inflation von vor ein paar Jahren angepasst ist und die aktuelle Inflation gar nicht mit einberechnet ist. Auf dem aktuellen Gebührenstand hätten wir eigentlich schon 2019 sein müssen“, erklärt sie.

Finanzielle Hilfe

Was für Tierärzte eine Entlastung ist, stellt für Tierbesitzer eine Belastung dar. Vor allem für diejenigen, die sowieso schon wenig verdienen, können Haustiere schnell zur ungeplanten Kostenfalle werden, weiß Helga Graef-Henke, 55, von der Sozialen Tierfutterstelle Regensburg.

„Für uns ist es immer schon schwierig gewesen, weil wir keine Fördergelder bekommen und komplett auf Spenden angewiesen sind. Aber momentan, mit der gestiegenen Inflation und den gestiegenen Tierarztkosten, ist es schon extrem“, sagt sie.

Die Soziale Futterstelle hilft Menschen, die sich ihr Tier nicht mehr leisten können. Sie verteilen gespendetes Tierfutter, oder helfen finanziell, wenn die Tierarztrechnung für die Herrchen oder Frauchen mit Geldnöten unbezahlbar ist. Behandlungskosten- vor allem, wenn es zu einer komplizierten Operation kommen sollte- können sich gut und gerne mal auf einen mittleren vierstelligen Betrag belaufen. Kann ein Halter die Rechnung nicht bezahlen und findet auch bei Niemandem finanzielle Hilfe, wird ihm laut Graef-Henke sein Tier entzogen. Es landet im Zweifelsfall im Tierheim. „Unser Ziel ist es, genau das zu verhindern. Wir wollen nicht, dass beispielsweise Omas und Opas ihren letzten Bezug verlieren“, sagt sie. Auch die Tierheimleiterin Ariane Weckerle weiß, wie hart es für Menschen ist, die ihr Tier aus finanziellen Gründen abgeben müssen. „Wir verweisen dann immer auf die Soziale Futterstelle. Sie helfen meistens auch, aber wenn Menschen ihr Tier dann tatsächlich bei uns abgeben müssen, spielen sich Dramen ab. Die meisten weinen“, sagt Weckerle.

In der Versicherungsfalle

Um das Risiko einer bösen Überraschung zu mindern, setzen viele auf Tierversicherungen für ihre Vierbeiner. Sein Tier zu versichern, empfiehlt auch Tierärztin Caroline Malle. Man müsse sich aber vor falschen Versprechen mancher Anbieter in Acht nehmen. „Versicherungen können vor unvorhergesehenen Kosten schützen. Es wird meiner Meinung nach aber auch viel Schindluder damit getrieben“, sagt sie. In vielen Verträgen würden erhebliche Kostenpunkte nicht übernommen, aber Dienstleistungen angeboten, die man nicht unbedingt braucht. Außerdem könne die Versicherung einen bei zu hohen Kosten auch rauswerfen. „Man muss sich die Angebote wirklich ganz genau anschauen und auch im Kleingedruckten lesen“, sagt Malle.

Für Tierbesitzer, die eher ungern eine Tierversicherung abschließen, hat sie noch einen Tipp: „Haftpflichtversicherungen für den Hund sollte jeder Besitzer abschließen. Statt anderen Versicherungen kann es manchmal auch besser sein, jeden Monat einen Betrag, zum Beispiel 50 Euro, auf ein Sparbuch zu legen“, sagt Malle. „Wenn man das Geld für das Tier braucht, hat man es. Wenn man es nicht braucht, hat man das Geld trotzdem noch.“

Tieren helfen

Tierheim: Wer eine Katze aufnehmen will, zahlt pauschal 100 Euro für das gechippte, kastrierte und geimpfte Tier. Der Hundepreis ist bei jedem Hund individuell. Es werden auch „Gassigeher“ und „Katzen-Streichler“gesucht.

Soziale Futterstelle: Laut Zahlen der „WirtschaftsWoche“, sind die Preise für Katzen - und Hundefutter, je nach Produkt in den letzten zwei Jahren zwischen zwölf und 60 Prozent gestiegen. Futter- und Geldspenden kann man in den meisten Regensburger Tierarztpraxen abgeben.

„Bei Heimtieren ist die Preissteigerung enorm. Die Injektion eines Kaninchen kostet jetzt genauso viel wie die eines Labradors“, sagt Caroline Malle.