Erhöhung der Mehrwertsteuer gab den Rest: Dieses beliebte Regensburger Lokal schließt

Immer mehr Gastronomen in der Domstadt klagen über die schlechten Rahmenbedingungen: Zum einen wird die Mehrwertsteuer in der Gastronomie Anfang des kommenden Jahres wieder erhöht. Doch auch der Anstieg des Mindestlohnes und die höheren Maut-Kosten für Spediteure sorgt für steigende Einkaufspreise. Eine Regensburger Gastronomin hat nun Konsequenzen gezogen.
Die Regensburger lieben ihre Lokale, Kneipen und Cafés. Neueröffnungen sorgen in der Stadt regelmäßig genauso für Gesprächsstoff wie Schließungen. Jetzt gibt wieder eine Gastronomin auf. Anders als bei der Konditorei Pernsteiner, wo der Chef in den wohlverdienten Ruhestand gehen will, sind es im Kim Linh die Rahmenbedingungen. „Ich würde gerne in der Branche bleiben“, sagt Kim Phan Luu. „Aber nicht mehr in der Selbstständigkeit.“ Sie betreibt zusammen mit ihrer Schwester das asiatische Lokal in der Pfarrergasse. Für die Regensburger ist die Gaststätte seit vielen Jahren ein Anlaufpunkt. Einst war hier die Oma Plüsch untergebracht. Nach dem Umzug der Oma in die Ente am Eisernen Steg zog hier das asiatische Restaurant ein. Seither genießt es einige Beliebtheit.
Die Ankündigung, das Kim Linh aufzugeben, sorgte unter Gastronomen für Aufsehen. Phan Luu sagt, der steigende Mehrwertsteuersatz Anfang kommenden Jahres war nur der Tropfen, der für sie und ihre Schwester Linh das Fass zum Überlaufen brachte. „Die Prognose für die Gastronomie sieht durch den steigenden Mehrwertsteuersatz einfach nicht sonderlich gut aus“, sagt Phan Luu. „Die Unterhaltskosten steigen stetig, zudem müssten wir die Preise wegen der Mehrwertsteuer erhöhen: Das bewegt doch die Gäste dazu, seltener Essen zu gehen.“
Personalmangel in Regensburg ist akut
Doch schon vor der Ankündigung der Bundesregierung, den Mehrwertsteuersatz auf das Niveau vor Corona wieder auf 19 Prozent zu erhöhen, sorgten Entwicklungen bei den Regensburger Wirten für Stirnrunzeln. „Der Personalmangel hat uns ebenfalls große Sorgen bereitet“, sagt die Gastronomin. Durch die Corona-Pandemie seien viele Mitarbeiter in die Industrie abgewandert und dort auch geblieben. „Die haben eben festgestellt, dass geregelte Arbeitszeiten tagsüber angenehmer sind als Schichten in der Gastro“, sagt Phan Luu.
Ein Lied davon singen kann auch der Wirt der Hubertushöhe, Michael Scharff. Er ärgert sich über die Politik, aber auch über die Bürokratie bei der Stadtverwaltung. „Die meisten glauben, die Mehrwertsteuersenkung sei dazu gedacht gewesen, die Preise zu senken – das stimmt aber nicht“, sagt Scharff. Das Signal sollte sein, dass die Preise nicht so stark ansteigen, wie die Mehrkosten für die Wirte davon galoppiert sind. „Wenn die Mehrwertsteuer nun wieder auf 19 Prozent steigt“, sagt Scharff, „dann ist das nur ein Teil – ab 1. Januar steigt auch der Mindestlohn, die Maut-Erhöhung sorgt zudem für viel höhere Preise bei den Lieferanten.“ Seine Prognose: „Ich glaube, dass die Preise in der Gastronomie am Ende bis zu 25 Prozent ansteigen werden“, sagt Scharff. Seine Kritik: „Alle zerren an uns: Die Politik genauso wie die Ämter, die uns wegen Kleinigkeiten drangsalieren. Und die Gäste schreiben in die einschlägigen Internet-Foren, dass sich die Wirte die Taschen vollmachen.“
Fiktiver Parkplatz von Merlin Szabo: Stadt droht mit Bußgeld
Die Mühlen der Bürokratie lernte kürzlich auch Gastronom Merlin Szabo kennen. Er betreibt neben dem Marple & Stringer am Bismarckplatz und dem Café Lorraine am Dachauplatz auch das Freiraum in der Simadergasse. Das sorgte bereits für Schlagzeilen, weil Szabo einen sogenannten „fiktiven Parkplatz“ ablösen sollte für eine Freisitzerweiterung vor dem Lokal. Doch nun droht die Stadt mit einem Bußgeld: Szabo hatte einen Aufsteller und Pflanzenkübel auf öffentlichem Raum stehen. „Früher hat die Stadt sich kaum um die Gasse gekümmert, die Hinterlassenschaften der Discogäste mussten wir entsorgen“, sagt Szabo. „Jetzt sagt die Stadt, sie kommt mit dem Reinigungsfahrzeug nicht mehr durch.“
Dabei ärgert sich Szabo vor allem darüber, „dass gleich das Ordnungsamt vorbei kommt, statt dass man mit mir spricht“. Die Stadt antwortet auf Anfrage kurz und knapp: „Das Café Freiraum hat eine Sondernutzung beantragt und einen festen Raum zugewiesen bekommen. Dieser ist einzuhalten, weil sonst Rettungs- und Räumfahrzeuge nicht durchkommen.“ Vor Ort und per E-Mail habe man um Einhaltung gebeten. „Nachdem dem nicht nachgekommen wurde, wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.“ Der Gastronom vermisst das „menschliche Miteinander“ und findet die Reaktion der Stadt völlig überzogen.
Recht bekommt der Gastronom von Michael Lehner, CSU-Fraktionsvorsitzender. Ebenso wie Thomas Burger, SPD-Fraktionschef, kündigt Lehner im Gespräch an, die Sondernutzungssatzung nochmals überarbeiten zu wollen. Der Grund sind kuriose Fälle, die in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen sorgten. Der Wirt des La Chapelle am Kornmarkt musste beispielsweise seine Stühle austauschen, weil die vorhandenen Armlehnen aus Rattan aufwiesen. „Wir haben die Satzung ja erst im vergangenen Jahr überarbeitet und dachten eigentlich, dass man die Regeln dadurch liberalisiert hat“, sagt Lehner. „Aber das funktioniert nicht richtig: Offenbar ist man in der Stadtverwaltung nicht bereit, das Wort Wohlwollend richtig zu interpretieren.“ Lehner werde sich in den kommenden Wochen mit seinem SPD-Kollegen zusammensetzen und überlegen, was zu tun ist.
Stadt Regensburg ging auf Wirte zu
Zumindest in zwei Bereichen hatte die Stadt kürzlich Entgegenkommen gezeigt: Die Vorbehalte gegen die Markisen an der Dreieinigkeitskirche wurden durch Gespräche ausgeräumt. Zum anderen schaffte die Stadt die Winterpause für die Freisitze ab. Die Regensburger Gastronomen können nun auch im Winter ihre Gäste bedienen, etwa mit Glühwein.
Für Phan Luu endet ihre Reise in die Selbstständigkeit Ende des Jahres. Eine Nachfolge im Kim Linh wurde bereits gefunden, sagt sie. Ihre Prophezeiung gibt aber zu denken: „Ich glaube, dass noch viele Gastwirte in Regensburg das Handtuch werfen werden.“