Wieder ein Traditions-Geschäft weniger: Ein legendärer Regensburger Konditor hört auf

Von Christian Eckl · 23. November 2023 um 05:00

Johannes Pernsteiner geht in den Ruhestand und sucht einen Nachfolger. Café und Backstube in Regensburg werden frei. Doch zusperren will er erst, wenn sich ein Pächter gefunden hat.

Legionen von Regensburger Schülern haben sich im Pernsteiner den Kuchen schmecken lassen – und manchmal auch „Blau gemacht“. Das Café mit Konditorei liegt schulisch äußerst günstig: Die Domspatzen sind nicht weit entfernt und das Albrecht-Altdorfer-Gymnasium ist gleich vis-à-vis. Doch nicht nur für Schüler, sondern für ganz viele Regensburger ist das Pernsteiner eine echte Instanz. Die müssen jetzt ganz stark sein: „Auch ein Konditormeister darf in Ruhestand gehen“, sagt Johannes Pernsteiner und lacht. Vergangene Woche hatte er aber einen schweren Gang: Er teilte seinen Mitarbeitern mit, dass er aufhören wird. „Veränderung ist immer schwer“, weiß der Regensburger. Und doch: Jetzt kommt der Wandel in die Backstube.

Zwischenzeitlich ist das Pernsteiner auch in der Vermarktung. Der Regensburger Makler Gerald Loers, der sich auf Geschäftsimmobilien im Herzen Regensburgs spezialisiert hat, möchte diese Traditionseinrichtung vermitteln. „Man merkt derzeit, dass sowohl die Anbieter, als auch die Kunden auf eine Mischung aus Tradition einerseits und hochwertige Inhaltsstoffe andererseits setzen“, sagt Loers.

Tatsächlich vollzieht sich im Moment ein schleichender Wandel gerade im Welterbe, an dessen östlichem Rand sich das Pernsteiner befindet. Statt der x-ten Bäckereifiliale mit Aufbackbrezen eröffnen in der Regensburger Altstadt zunehmend hochwertige Bäckereien. Vom Biobäcker in der Ludwigstraße bis hin zum Broterlebnis-Geschäft der aus Schwandorf stammenden Bäckereidynastie Glaab, die am Freitag in der Neuen-Waag-Gasse eröffnet: Die gute alte Handwerkstradition ist zurück.

Bäckerfamilie Pernsteiner: Sie kamen als Flüchtlinge nach Regensburg

Die Familie Pernsteiner kann auf so eine lange Tradition zurückblicken. Diese spiegelt die Wechselhaftigkeit der Geschichte wider, wie sie viele Regensburger Familien erlebten. Gegründet wurde die Konditorei nämlich schon im Jahr 1901. Damals aber lebten Josef und Anna Pernsteiner noch unter Kaiser Franz im Habsburger-Reich. Das Ende der Monarchie erlebten die Pernsteiners in Karlsbad, das auf tschechisch Karlovy vary heißt. Nach der Vertreibung aus dem Sudetenland landeten die Pernsteiners zunächst in Stadtamhof, dann am Haidplatz – bis sie schließlich die eigenen Räumlichkeiten in der Von-der-Tann-Straße eröffneten.

Seit den 90er Jahren führt Johannes Pernsteiner die Konditorei. Kinder hat er keine. Über Jahre hat er eine Nachfolgerin aufgebaut, aber „wie es im Leben halt so ist“, sagt Pernsteiner, „im Herbst hat sie mir eröffnet, dass die Übernahme der Konditorei nicht ihr Weg ist“. Ohne Nachfolger sei es schwierig, eine „eigene Perspektive zu haben“, sagt der 63-Jährige. Er will in Rente gehen und sucht deshalb einen Nachfolger.

Eingestiegen in das Geschäft ist der Konditormeister mit 17 Jahren. Sein Vater wurde noch im alten Kaiserreich geboren. Für den Sohn hatte er sich etwas anderes gewünscht, vielleicht eine Beamtenlaufbahn. „Als ich eingestiegen bin ins Geschäft, hat er sich aber gefreut“, so der Geschäftsmann.

In seiner Branche hat er einen Wandel erlebt in den vergangenen Jahrzehnten. In den 90er Jahren, als er in die Selbstständigkeit startete, veränderte sich seine Branche stark. Pernsteiner ist ein Frankreich-Fan. „Dort geht die Schere immer weiter auseinander“, erzählt der Regensburger. In Supermärkten werden die Regale mit schnellen, günstigen Lebensmitteln befüllt, während seine Kollegen, die im Nachbarland Pâtissiers heißen, das althergebrachte Handwerk in höchster Qualität praktizieren. „Das alte Handwerk kommt in dieser Nische, in der wir uns bewegen, wieder zurück“, sagt Pernsteiner. Traditionelle Produktionsweisen werden wieder aufgegriffen. „Lehrgänge und Schulungen, wo man Dinge, die mein Vater als alten Hut bezeichnet hätte, wieder lernt, sind wieder häufig“, sagt Pernsteiner.

221 Quadratmeter Fläche in Regensburg

Im Exposé wird die Konditorei jedenfalls so beworben, dass die Fläche insgesamt 221 Quadratmeter Fläche beträgt und der Mietpreis marktüblich ist. Die Gastronomie hat eine Fläche von 90 Quadratmetern. Auch Freisitze sind beim Café dabei und nicht nur durch die auffallenden Skulpturen darin ein Anziehungspunkt in der warmen Jahreszeit. „Die Konditorei Pernsteiner in Regensburg ist nicht nur ein Ort des Genusses, sondern auch eine einzigartige Gelegenheit für erfahrene Gastronomen, ein erfolgreiches und angesehenes Geschäft in einer begehrten Lage zu übernehmen“, heißt es dann auch in den Unterlagen.

Wichtig ist Pernsteiner noch das: „Wir werden nicht morgen zusperren.“ Er wird dann aus dem Geschäft aussteigen, wenn er einen Nachfolger gefunden hat. Dass er und vor allem sein Team bisher vieles richtig gemacht haben, das sehe man an den 4,5 Sternen, die das Pernsteiner bei Google an Bewertungen gesammelt hat. Und so, schließt Pernsteiner, so soll es auch bleiben.

Das Jugendstil-Gebäude in der Von-der-Tann-Straße ist für viele Regensburger seit Jahrzehnten eine erste Adresse bei feinsten Backwaren. Foto: Eckl