Ulrich Dombrowsky veräußert sein bei Regensburgern beliebtes Geschäft

Anfangs hält man es glatt für einen Fake. Ist das wirklich so? Will einer der bekanntesten Regensburger Buchhändler sein florierendes Geschäft veräußern? Aber es ist. Die Traditions-Buchhandlung Dombrowsky wechselt den Besitzer.
Seit 40 Jahren betreibt Ulrich Dombrowsky nun seine Buchhandlung in Regensburg. Gegründet in der Wollwirkergasse, zog die Buchhandlung vor 14 Jahren auf den Kassiansplatz. Doch jetzt geht eine Ära zu Ende: Der Buchhändler und seine Frau Daniela verkaufen das Geschäft. „Irgendwann merkt man, dass nicht nur die Lebenszeit endlich ist, sondern auch die eigene Arbeitskraft“, sagt Dombrowsky im Gespräch.
Dabei sind Dombrowsky und sein Team eine Kapazität auch im Kulturleben der Stadt. Preise gab es aber auch für die wirtschaftliche Ausrichtung des Unternehmens: 2014 erhielt die Buchhandlung den „Bayerischen Qualitätspreis“ im Handel vom Wirtschaftsministerium verliehen. 2015 gab es neben weiteren Auszeichnungen sogar den „Deutschen Buchhandlungspreis“.
2017 für Schlagzeilen gesorgt
Für Schlagzeilen sorgte Dombrowsky, als er als erster in Regensburg dem früheren Oberbürgermeister Joachim Wolbergs nach dessen Verhaftung im Januar 2017 seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, um seine Sicht der Dinge auf die Spendenaffäre darzustellen.
Und nun das: Der Buchhändler inseriert sein Geschäft und bietet es zum Verkauf an. „Buchhandlung in Regensburg zu verkaufen“, heißt es zu der mit Bild versehenen Anzeige, die über die IHK Oberpfalz-Kelheim veröffentlicht wurde. „Die Buchhandlung Dombrowsky ist im 40. Jahr ihres Bestehens und soll in absehbarer Zeit in jüngere Hände übergeben werden“, heißt es weiter. Die Buchhandlung sei in Regensburg eine Institution und im kulturellen Leben der Stadt eine feste Größe. „In der bunten Vielfalt von Regensburger Buchhandlungen hat die Buchhandlung Dombrowsky stets ihr Profil erhalten und sich laufend weiterentwickelt, sodass sie sich auch über die Stadtgrenzen hinaus ein ansehnliches Renommée verschafft hat“, so der Text.
Dombrowsky: „Der Laden ist mein Leben“
Ulrich Dombrowsky sagt: „Dieser Laden ist mein Leben.“ Allerdings bestehe dieses Leben auch in einer Sieben-Tage-Woche. „Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem ich nicht an das Geschäft gedacht habe. Daran, was ich richtig gemacht habe und was wir anders machen können“, sagt der Buchhändler. Er habe aber auch eine Verantwortung gegenüber seiner Frau und seinen vier Enkeln gegenüber. Doch auch die Mitarbeiter sind wesentlicher Teil seiner Überlegungen: „Ich habe es meinen derzeit fünf Mitarbeitern auch angeboten, die Buchhandlung zu übernehmen“, sagt Dombrowsky. Doch er könne verstehen, dass das keine leichte Entscheidung sei. „Es ist eben das eine, einen festen Arbeitsplatz zu haben, aber etwas anderes, sich selbstständig zu machen.“
Dombrowsky ist nicht nur Buchhändler, sondern auch Vorsitzender des Vereins „Faszination Altstadt“. Für ihn ist klar, dass sich auch die Frage des Vorsitzes nicht mehr für ihn stellen wird, wenn er das Geschäft verkauft. Aus vielen Gesprächen mit Einzelhändlern in Regensburg weiß er, dass das Thema Übernahme und Weiterführung ein schwieriges ist. „Wir haben viele Leerstände in der Stadt. Aber wenn man mit jungen Menschen spricht, dann hat man oft den Eindruck, es gibt eine Kluft zwischen dem, was sie sich wünschen, und dem, was sie bereit sind zu tun“, sagt Dombrowsky nachdenklich. Viele junge Menschen würden sich daran stören, dass Ladeneinheiten leer stehen, „aber würden sie auch einen solchen Laden wir unseren eröffnen?“ Regensburg würde in den kommenden Jahren ein Problem mit alteingesessenen Geschäften bekommen, die keinen Nachfolger mehr finden. Das Problem sei konkret schon da.
Leere Läden statt gesenkte Mieten?
Bewegung gebe es aus Sicht des Buchhändlers derzeit bei den Vermietern. „Eigentum verpflichtet“, sagt er. Doch in den vergangenen Jahren hätten viele Immobilienbesitzer lieber den Läden leer stehen lassen, als Mieten zu senken.
Auch die Stadt habe sich bewegt. Dombrowsky sieht das jeden Tag, wenn er aus dem Schaufenster seines Buchladens auf den Kassiansplatz blickt. Dort gibt es einen Spielplatz und einige kleine, aber dennoch feine Bäume, die ein wenig Schatten spenden. „Es geht doch nicht nur darum, Menschenmassen in die Stadt zu bringen, sondern darum, dass diese Menschen in der Regensburger Innenstadt Plätze und Ruhe finden“, sagt er.
Erst kürzlich schlug Brücke-Stadtrat Florian Rottke die Buchhandlung für den Kulturpreis der Stadt Regensburg aus. Den Zuschlag bekamen die Dombrowskys nicht. Aber den Vorschlag beginnt Rottke mit diesem Satz: „Der kulturelle Zustand einer Stadt lässt sich zuverlässig an der Ausprägung ihrer Buchbranche ablesen.“
Öffentlicher Diskursraum
Es folgen zahlreiche „Testimonials“, wie man das neudeutsch nennt, von Kunden der Dombrowskys. Professor Guido Pollack schreibt beispielsweise: „Im Sinne von Hannah Arendts Verständnis von Öffentlichkeit bietet die Buchhandlung Dombrowsky einen öffentlichen Raum“, sie sei ein Ort „facettenreicher Kulturvermittlung“. Bald wird Dombrowsky 65. Sprechen will er mit allen, die sich für die Übernahme einer Regensburger Institution anbieten.
