Nächste Runde in der Regensburger Gema-Posse: Leere Bühne als stiller Protest

Von Heike Haala · 14. November 2023 um 15:25

Die Geschichte um die sprunghaft in die Höhe geschossenen Rechnungen, die Betreiber von Christkindlmärkten für Musik entrichten sollen, nimmt die nächste unerwartete Wendung in Regensburg. Derweil schweigt sich die Gema zum konkreten Fall aus.

Vergangene Woche hatte die Stadt als Veranstalterin des Christkindlmarktes am Neupfarrplatz noch angekündigt, das Musikprogramm auf der Bühne wegen einer Versiebenfachung der Gema-Gebühren zu streichen. Die Holzbude, auf der die Auftritte üblicherweise stattfinden, sollte deswegen auch gar nicht erst aufgebaut werden. Inzwischen steht der Verschlag aber doch an gewohnter Stelle.

Hat sich die Stadt also mit der Gema auf eine Kulanzregelung für die Rechnung einigen können? Oder hat sie entschieden, sich das Musikprogramm trotz der gestiegenen Gebühren und der angespannten Haushaltslage zu gönnen? Beides nicht. Laut Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, ist weiter kein Musikprogramm geplant. Die Eröffnungsfeier am 27. November sollen die Domspatzen und der Posaunenchor mit gemafreien Liedern bestreiten.

Multifunktionale Bühne

Es habe aber einen ganzen Haufen anderer Gründe gegeben, die Bude trotzdem aufzubauen. „Das ist auch als stiller Protest zu sehen“, sagt die Pressesprecherin. Zudem fungiere die Bühne als Stauraum für Christkindlmarkt-Equipement und als Lichtquelle. Sie sei weiter ein guter Treffpunkt und das Vordach biete Besuchern eine Möglichkeit, sich unterzustellen. Und natürlich die Optik: So würde laut von Roenne-Styra ohne die Bühne eine Lücke im Gefüge der Buden klaffen und das ausgerechnet an sehr prominenter Stelle.

Derweil macht die Pressesprecherin auch deutlich, dass die Stadt nicht mehr davon ausgeht, mit der Gema noch einmal über die in die Höhe geschossene Rechnung reden zu können. Zuletzt war bekannt geworden, dass sowohl die Stadt als auch Julia Jung, Vorsitzende des Förderkreises Regensburger Kunsthandwerk, der den Lucreziamarkt auf dem Kohlenmarkt und dem Haidplatz organisiert, im Vergleich zu den Vorjahren hohe Rechnungen von der Gema bekommen hatten, die sie für das Musikprogramm hätten bezahlen sollen. Aber lediglich Jung berichtete wenige Tage später davon, dass der Betrag nach Verhandlungen mit der Gema von zunächst jeweils etwa 18000 Euro für die Jahre 2022 und 2023 auf 2600 Euro herabgesetzt worden sei. In den Vorjahren habe er laut der Veranstalterin bei 2000 Euro gelegen.

Von Roenne-Styra dagegen sagt, dass sich die Rechnung der Gema für die Musik am Christkindlmarkt im Jahr 2022 erheblich erhöht habe. „Während die Gebühren für 2019 bei rund 2330 Euro lagen, wurden für das Jahr 2022 zunächst rund 15840 Euro in Rechnung gestellt“, verdeutlicht sie. Nach einer Reklamation und Verhandlungen sei es gelungen, diesen Betrag am Ende für 2022 auf rund 12400 Euro zu reduzieren. „Für 2023 und die kommenden Jahre ist aber absehbar, dass es diese anfänglichen Kulanzregelungen voraussichtlich nicht mehr geben wird“, sagt die Pressesprecherin. Deswegen müsste die Stadt laut von Roenne-Styra nach dem Preisrechner der Gema für die 27 Spieltage des Christkindlmarktes 2023 mit einer Summe von mindestens 17.290 Euro rechnen – fast der gleiche Betrag also, den auch Jung zunächst hätte zahlen sollen.

Viele Fragen offen

Wieso aber kann die Organisatorin des Lucreziamarktes von einer Kulanzregelung berichten, während die Stadt nicht mehr davon ausgeht, beim Christkindlmarkt am Neupfarrplatz in diesen Genuss zu kommen? Wie kommt es zu diesen unterschiedlichen Entscheidungen? Auf eine entsprechende Anfrage reagiert Nadine Remus aus der Unternehmenskommunikation der Gema ausweichend. So sei die Gesellschaft mit reklamierenden Märkten ins Gespräch gegangen. „Vor allem aber haben wir jeden Fall und die damit zusammenhängende Rechnung auf Angemessenheit geprüft, dies unter anderem auf Basis von Flächen, Besuchern und Veranstaltungsgegebenheiten“, beschreibt sie die Vorgehensweise. Jeder Sachverhalt sei da laut Remus anders, so dass sich die Gema die Fälle individuell anschaue, um nach Möglichkeit auf den Einzelfall bezogene Lösungen zu finden. Dies könne zwar durchaus zu einer Abweichung bei den beiden Regensburger Märkten führen, kommentieren werde die Gema die mit den Kunden im Einzelfall getroffenen Lösungen aber nicht, sagt Remus.

Warum müssen Veranstalter Gebühren an die Gema zahlen?

Recht: Gebühren müssen Veranstalter an die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) entrichten, weil die das Urheberrecht ihrer Mitglieder vertritt.

Vergütung: Dieses Recht sieht vor, dass Personen, die Musik komponiert und getextet haben, dafür eine angemessene Vergütung erhalten, erklärt die Gema zum Vorgehen auf ihrer Homepage.

Wiedergabe: Wenn beispielsweise auf Weihnachtsmärkten oder ähnlichen Veranstaltungen Musik erklingt, sei das laut der Gesellschaft eine öffentliche Wiedergabe urheberrechtlich geschützter Musikwerke.

Steigerungen: Dazu sei es gekommen, weil die Gema die von den Kunden gemeldeten Nutzungsflächen nicht überprüft habe. Das sei jetzt passiert und Diskrepanzen seien in die Berechnung eingeflossen