Gema-Preisschock: Zwei Regensburger Christkindlmärkte in diesem Jahr ohne Musik?

Von Heike Haala · 1. November 2023 um 05:00

Die Bühnen auf dem Lucrezia-Markt in Regensburg mögen lediglich ein paar Quadratmeter groß sein, musikalisch geht es auf ihnen dennoch rund um den Erdball. In diesem Jahr könnte es aber sein, dass das Musikprogramm abgesagt wird – nicht nur auf diesem Weihnachtsmarkt.

3000 Euro habe Julia Jung, Vorsitzende des veranstaltenden Förderkreises Regensburger Kunsthandwerk, an Gebühren eingeplant, die sie für den Lucrezia-Markt an die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) entrichten muss. Die zu erwartende Rechnung sei aber nun auf 18000 Euro in die Höhe geschossen. Zu viel für die Organisatoren.

Weihnachtsmärkte in Regensburg: Gebühren überflügeln Gagen

„Da wir keine großen Gewinne erwirtschaften können, sind unsere Ausgaben fest geplant“, sagt Jung. Sie könne und werde diese Erhöhung aber auch nicht auf die Standpreise umlegen, da die Höhe der Abgaben in ihren Augen unverhältnismäßig ist. „Bei uns treten manche Chöre für Glühwein auf. So müssten wir mehr an die Gema zahlen als an die Künstler“, verdeutlicht sie. Sollte es bis zum Marktbeginn keine Einigung mit der Gema geben, kündigt Jung an, das Kulturprogramm für dieses Jahr absagen zu müssen. Dabei sehe der Förderkreis seine Aufgabe darin, Künstlern eine Bühne zu bieten. Aber es gibt noch einen Funken Hoffnung. „Im Moment sind wir mit der Gema in Verhandlungen, um die Angemessenheit der Rechnung klären zu lassen“, sagt Jung. Das bestätigt Nadine Remus aus der Unternehmenskommunikation der Gema: Eine auf den Einzelfall bezogene Kulanzregelung werde ihren Angaben zufolge gerade geprüft.

Jung geht derweil von einem Berechnungsfehler aus: Der Tarif der Gema ergebe sich aus der Fläche der Veranstaltung. Jung vermutet, dass der Rathausplatz und die Neue-Waag-Gasse als Verbindung zwischen den Standorten am Kohlenmarkt und am Haidplatz Teil der Berechnungsgrundlage sind, obwohl dort im Advent gar keine Lucrezia-Buden stehen. Dem widerspricht Remus: Rathausplatz und Neue-Waag-Gasse seien nicht Bestandteil der gemessenen Flächen. Die von der Gema ermittelte tatsächliche Nutzungsfläche würde durchaus den Lizenzbetrag von 18000 Euro ergeben.

Jung ist nicht die einzige, die gerade überlegt, den Budenzauber lieber ganz ohne Musik zu planen. Auch die Stadt als Veranstalterin des Christkindlmarkts am Neupfarrplatz hat eine saftige Rechnung bekommen. „Die Gema-Gebühren haben sich um fast das Siebenfache erhöht“, sagt Katrin Butz von der Pressestelle der Stadt.

Christkindlmarkt am Neupfarrplatz Regensburg: Gemafreie Setlisten in Arbeit

„Für den betreffenden Christkindlmarkt am Neupfarrplatz wurde lediglich die beschallte Fläche bei der Gema angemeldet, nicht die tarifgemäß korrekte gesamte Nutzungsfläche des Marktes“, erklärt dies Remus von der Gema. Laut Butz werde deswegen nun geprüft, ob das Bühnenprogramm angesichts dieser Kosten aufrecht erhalten werden kann. Zudem laufe der Versuch, zumindest die Eröffnungsfeier mit gemafreier Musik zu gestalten. „Was in der Praxis nicht ganz einfach ist“, sagt Butz.

Wie sieht es unter diesen Vorzeichen im Rest der Regensburger Christkindlmarktszene aus? Peter Kittel, Chef des Veranstaltungsservices Regensburg und Veranstalter des Romantischen Weihnachtsmarktes auf Schloss Thurn und Taxis, sagt, sich mit seinen gastronomischen Partnern, die Musik abspielen, darauf geeinigt zu haben, dass sie das Thema Gema selbst klären und verantworten müssen. In den Umläufen und öffentlichen Bereichen werde er als Veranstalter aber ausschließlich gema-freie Musik spielen. Thomas Ruhfaß, Geschäftsführer bei Mice in Motion und Veranstalter des Adventsmarkts im St. Katharinenspital sowie eines neuen Marktes am Donauufer, ist optimistisch. Für den Adventsmarkt im Spitalgarten erwarte er ein Plus von etwa zehn Euro an Gema-Gebühren pro Tag. Für den neuen Markt könne er die Gebühren noch nicht abschätzen. Er sei aber zuversichtlich, dass sie sich in einem ähnlichen Rahmen wie im Spital bewegen werden.