Führungen durch Eiskeller: Gang unter Regensburger Spitalkeller gibt Rätsel auf

Von Heike Haala · 25. Oktober 2023 um 17:31

Nachdem Spitalkeller-Wirt Stefan Dannert nun klären konnte, was sich hinter einem auffälligen Mauerstück im Stollen unter dem Biergarten im Regensburger Spitalkeller befindet, steht er vor der nächsten Frage: Was hat es mit dem verfallenen Gang auf sich? Die soll ein Forscher beantworten.

Es hatte etwas von einem Indiana Jones-Film, als Dannert diese Entdeckung im Frühjahr öffentlich machte. Erst der Einbau einer neuen Beleuchtungsanlage hatte gezeigt, wie sehr sich eine Mauerfläche von der Größe einer Haustür vom Rest des Kellers unterscheidet. Als einzige Stelle in dem Gewölbe ist sie sandfarben verputzt. Außerdem hatte Dannert einen Abfluss entdeckt, der in die Wand führt. In der oberen linken Ecke leuchtet der Scheinwerfer zudem auf einen Ziegelstein mit Schlitzen – ebenfalls der einzige seiner Art im gesamten Keller.

Kamera fuhr ins Gemäuer

„Wollte da jemand für Belüftung oder Entwässerung sorgen?“, fragte Dannert sich damals. Zudem sprach er einen Aufsatz an, in dem von einem Keller unter dem Nachbargrundstück die Rede sein soll. „Vielleicht gibt es hinter der Wand ja eine Verbindung in diesen Keller?“, überlegte Dannert zu diesem Zeitpunkt. Klar war nur: Er wollte hinter diese Mauer blicken. Und dazu sollte eine Sondagekamera in sie geschoben werden.

15 Meter langer Gang

Das ist nun geschehen. Das Gerät an einer Stange habe Bilder von einem etwa 15 Meter langen Gang gezeigt. „Der ist teilweise verfallen. Hineingehen kann man da nicht“, sagt Dannert. Warum der Gang einmal in den Berg getrieben wurde, ist offen. „In den Akten ist er nicht zu sehen“, berichtet der Wirt des Spitalkellers. Auch sonst habe er nichts Stichhaltiges gefunden.

Inzwischen ließ Dannert einen Teil der Mauer öffnen und mit einem Fenster versehen. Der Gang dahinter ist ausgeleuchtet. So können die Besucher des ehemaligen Eiskellers hineinsehen. Und von denen soll es nun mehr geben. Denn darin werden inzwischen Führungen angeboten. „Die geben das Spitalarchiv, die Stadtmaus oder ich selbst“, sagt der Chef im Wirtshaus.

Neue Beleuchtung

Deswegen hat der Keller unter der Gaststätte und dem Biergarten sein Aussehen in den letzten Monaten verändert. Neben der neuen Beleuchtung gibt es hier nun Beamer, die historische Bilder, Zeichnungen und Videos an die Wand strahlen. So können die Gäste etwas über die Geschichte des Gemäuers und die Arbeit darin erfahren. Außerdem ist ein Fasslager entstanden, in dem Whisky abgefüllt wird.

Der nun entdeckte Gang ist derweil Teil eines Forschungsprojekts geworden. Florian Sangkuhl studiert in Regensburg und soll mit Hilfe eines Stipendiums bei der Spitalstiftung die Geschichte des Spitalkellers erforschen. Gerade ist er mit der Bestandsaufnahme möglicher Quellen beschäftigt. Dazu wälzt er etwa Akten und Pläne in Archiven oder im historischen Museum und spricht mit Zeitzeugen. Am Ende dieses Prozesses soll sich eine Forschungsfrage herauskristallisiert haben.

Die Suche nach Hinweisen

Ein wertvoller Hinweis bei seiner Arbeit sei dem jungen Forscher etwa ein Plan gewesen, den er auf das Jahr 1812 datiert. Damals sei Bayern für die Erhebung der Grundsteuer vermessen worden. „Der Spitalkeller ist da eingezeichnet und es gibt auch eine Beschreibung, in der von einem Sommerkeller mit Garten die Rede ist“, sagt er. Ob dieser Garten damals schon als Biergarten betrieben worden ist, stehe aber auf einem anderen Blatt. Der früheste Hinweis darauf sei eine Schankkonzession, die laut Sangkuhl aus dem Jahr 1827 stammt. „Was vorher war, ist unklar“, verdeutlicht er.

Sangkuhl möchte an dieser Stelle weiter in die Vergangenheit eintauchen. „Das ist nicht leicht, denn das Anwesen war in Privatbesitz und ist mehrfach verkauft worden, bevor es Eigentum der Spitalstiftung wurde“, sagt er. Die fertige Arbeit will er im kommenden Jahr abgeben – und dann am liebsten auch schon Ansatzpunkte für weitere Forschungsprojekte gefunden haben.

Stefan Dannert hat den Stollen für Führungen hergerichtet.
An den Wänden sind Videos zu sehen.