Regensburg bekommt eine Walhalla für Whisky: Neues Museum in Steinweg eröffnet

Von Christian Eckl · 30. September 2023 um 12:00

Pit Krause eröffnet das erste Regensburger Museum für das hochprozentige Getränk mit Kult-Status. 13.500 Whisky-Flaschen und historische Stücke sind in der alten Fasshalle des Spitalkellers zu sehen.

Pit Krause ist ein Überzeugungstäter. Er hat in den steinernen Mauern der ehemaligen Fasshalle des Spitalkellers in der Alten Nürnberger Straße die unglaubliche Menge von 13500 Flaschen zusammengetragen. Sie beinhalten feinsten Stoff: Whisky ist Krauses Leidenschaft. Jetzt ist Regensburg um eine Attraktion reicher: Am 7. Oktober eröffnet die „Walhalla of Whisky“, wie das neue Museum heißen wird.

„Wir sind seit vielen Jahren ein bisschen unter dem Radar“, sagt Krause. „Regensburg ist eine der wichtigsten Whisky-Städte“, schwärmt der Liebhaber, der im Hauptberuf Gymnasiallehrer ist. In seiner Studentenbude gründete er 1997 den Whiskey- und Weinclub, der heute Slowdrink heißt. 7000 Mitglieder hat der Regensburger Club. Mitglieder kommen sogar aus China und aus den USA, wo Krause selbst sogar schon in der legendären Whisky-Brennerei von Jack Daniels in Kentucky arbeitete. Und wer mit Krause einen Whisky trinkt, der erfährt, wie vielfältig der Geschmack dieses Getränks ist. „Für Wein gibt es etwa 150 Vokabeln, um die verschiedenen Noten zu beschreiben. Für Whisky gibt es 1500.“ Whisky sei – zusammen mit Rum – das Getränk mit den meisten Geschmacksnoten. Eigentlich wollte Krause auch Rum in sein Museum aufnehmen. „Aber dafür hatten wir keinen Platz mehr.“

Unfall öffnete ihm die Augen

Krauses Wendepunkt im Leben war ein schwerer Unfall. Damals verlor er für ein halbes Jahr lang seinen Geschmackssinn. „Da habe ich gemerkt, dass man nichts mitnehmen kann – und wie wichtig mir der Geschmack ist.“ Heute sitzt der Museums-Macher in den Fachjurys, die weltweite Sigel für den Whisky vergeben. Krause geht es übrigens nicht darum, mit seinem Museum Geld zu verdienen – ganz im Gegenteil. Das Museum ist kostenlos. Wer an einem Whisky-Tasting teilnehmen möchte, der kann Mitglied im Club werden.

Das neue Museum in der früheren Fasshalle des Spitalgartens ist schon allein wegen des wunderbaren historischen Gebäudes einen Besuch wert. Doch jedes Stück hat eine Geschichte. Im Bad findet man nicht einfach ein Waschbecken, sondern ein Whiskyfass mit einem Kupferbecken.

Raritäten und Kuriositäten sind es, die in den Glasvitrinen gezeigt werden. Da steht der Whisky, der für ein Hamburger Bordell gebrannt wurde und dessen Flasche eine Domina-Peitsche ziert. Aber auch von den seltensten Whiskys der Welt hat Krause Exemplare, die erläutert und erklärt werden.

Der älteste Whisky, den Krause selbst getrunken hat, datierte auf das Jahr 1865. Weitgehend erhalten bleiben die Aromen des Hochprozentigen, anders als bei Bier, das schnell verdirbt, oder bei Wein. Noch älter war die Flasche Cognac, aus der Krause nippen durfte. Sie stammte aus der Zeit Napoleons 1784. „Das ist ein tolles Gefühl“, erzählt der Experte. Überhaupt ist es mit Whisky so wie mit der Musik: Einerseits ist es der Moment, den man die Kunstfertigkeit des Menschen spürt. Zum anderen aber ist es die Geschichte, die mit dem Geschmack beim Whisky und mit der Melodie bei der Musik geistige Zeitreisen zulässt.

Ein Gemeinschaftswerk

Gut 200 Club-Mitglieder haben bei der Einrichtung des Museums mitgeholfen. 500 Namen sind auf der Destille eingraviert, die ebenfalls ein Stück in der Sammlung ist. Die Exponate sind häufig übrigens aus einem Pool, den Sammler auf der ganzen Welt austauschen. Krause ist in den Kreis der „Malt Maniacs“ gekommen. „Wenn man eine Schachtel mit sechs seltenen Flaschen hat und nur eine braucht für seine Sammlung,, dann tauscht man“, erzählt er.

Wenn man durch die Reihen der Glasvitrinen geht, dann findet man immer wieder Flaschen, die auch die Fantasie anregen. Beispielsweise eine Flasche mit dem Etikett 1984. Krause erzählt die Geschichte: Der Besitzer der Brennerei war der Vermieter von George Orwell, der einen der wichtigsten Romane der Weltgeschichte schrieb. Das ist nur eine Geschichte – Krause hat 13500 davon. Mindestens!

In der ehemaligen Fasshalle des Spitalkellers in der Alten Nürnberger Straße eröffnet am kommenden Wochenende das Whisky-Museum. Fotos: Christian Eckl
Auf jedes Detail wurde geachtet bei der Einrichtung des Museums. Hier das Bad mit Waschbecken aus einem Whisky-Fass.
Das Museum beinhaltet eine große Sammlung. Foto: Kühnl
Auch Werkzeuge für die Herstellung werden ausgestellt.