Geheime Kammer im Dreifaltigkeitsberg? Eine Sonde soll klären, was dahintersteckt

Von Mittelbayerische Zeitung · 15. Mai 2023 um 15:00

Mit 139 Metern übertrifft die Cheops-Pyramide in Ägypten den Dreifaltigkeitsberg von Steinweg aus gesehen zwar um satte 100 Meter. Die Spannung, die den Gipfel umgibt, kann aber durchaus mit der in Kairo mithalten.

Anfang April fanden Forscher in dem Weltwunder eine bisher unbekannte Kammer. So eine Entdeckung könnte nun auch am Dreifaltigkeitsberg bevorstehen. Denn Spitalkeller-Wirt Stefan Dannert hat eine komische Stelle an der Mauer im hintersten Bierkeller entdeckt. Vor zwei Jahren ließ er eine neue Beleuchtungsanlage in den Stollen unter der Gaststätte einbauen, der bis zu 58 Meter in den Berg hineinreicht und von dem aus die Regensburger früher mit auf Eis gekühltem Spitalbier versorgt wurden. Eine dieser neuen Lampen brachte nicht nur Licht ins Dunkel des Bierkellers, sondern beleuchtete zum ersten Mal auch, wie auffällig ein Stück Mauer eigentlich aussieht. „Sonst hätten wir das nie entdeckt“, sagt Dannert.

Das ist zu sehen

In diesem Scheinwerferkegel hebt sich eine mehrere Quadratmeter große Stelle deutlich von dem unverputzten Ziegelgemäuer im Rest der Gewölbetonne ab. Die Fläche, die etwas höher ist als Dannert und ungefähr so breit wie zwei Menschen, ist sandfarben verputzt – als einziges Mauerstück in dem Keller. Außerdem hat Dannert in der oberen linken Ecke einen Ziegelstein entdeckt, wie er sonst nirgends in dem Raum zu sehen ist: Er hat viele Schlitze. An der unteren linken Ecke befindet sich zudem ein Abfluss, der in die Wand führt.

„Wollte da jemand für Belüftung oder Entwässerung sorgen?“, überlegt der Wirt. Seit zwei Jahren fragt sich Dannert, was es mit dieser Stelle auf sich haben könnte und erst Recht, was sich hinter dieser Wand befindet. „Da kann alles dahinter stecken oder nichts“, sagt er. Weil das die maximale Bandbreite an Möglichkeiten umreißt und zwei Jahre eine Zeit sind, in der unzählige Theorien ins Kraut schießen können, hat Dannert so seine Vermutungen.

Zwei davon klingen wie eine Regensburger Ausgabe der Indiana Jones-Filme. „Vielleicht ist da ja das Bernsteinzimmer dahinter“, witzelt Dannert. Er berichtet aber auch von einem bisher unveröffentlichten Aufsatz von Josef Brandhuber vom Geschichts- und Heimatvereins Steinweg-Winzer. Der Mann habe sich im Jahr 1998 mit den Sommerkellern in Steinweg auseinandergesetzt. Insgesamt habe es in Steinweg einmal 22 Keller gegeben, zu acht davon hätten einmal Biergärten gehört. In dem Text sei auch von einem Keller unter dem Nachbargrundstück die Rede. „Vielleicht gibt es hinter der Wand ja eine Verbindung in diesen Keller“, vermutet Dannert.

Dafür spreche, dass fast alle Steinweger Sommerkeller im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzkeller genutzt worden seien. Der benachbarte Keller habe sogar bis zum Schelmengraben verlängert werden sollen. Auch dem Spitalkeller habe habe die Umwandlung in einen Luftschutzraum bevorgestanden, weswegen es zu Sprengungen gekommen sein soll. „Vielleicht hat die Stelle etwas damit zu tun, vielleicht ist es aber auch ein Eisraum oder ein Abwassersystem oder das Stück Mauer ist einfach ausgebessert worden“, zählt Dannert weitere Möglichkeiten auf.

Das Rätsel wird gelüftet

So sehr er sich aber auch mit der Frage nach dem Mauerstück auseinandersetzt, er wird einfach nicht dahinterkommen, wenn er nicht nachsieht. Deswegen soll nun eine Sonde in die Wand eingeführt werden. „Das ist ein Kabel mit einem Licht und einer Kamera daran“, sagt er. Es sehe so ähnlich aus, wie das Instrument, mit dem sich der Arzt einen schmerzenden Hals ansieht.

Möglich ist das durch ein Forschungsprojekt zum Spitalkeller des Archivs der St.Katharinenspitalstiftung. Stipendiat Florian Sangkubl soll die Geschichte der Anlagen aufarbeiten. Laut Dannert hat der Mann nun die Sonde aufgetrieben, die in die Wand geschoben werden soll.

Sollte sich herausstellen, dass wirklich ein Hohlraum hinter dieser Mauer ist, werdeDannerteine Spezialfirma beauftragen, die sich die Kammer und ihren möglichen Inhalt mit weiteren Sonden genauer ansehen soll.

Seltsam: Warum wurde lediglich ein einziger löchriger Ziegel an dieser Stelle verbaut?
Dieser Ablauf befindet sich ebenfalls an der seltsamen Stelle in der Mauer. Wozu? -Foto: Fotos: Haala