Kundgebung in Regensburg: 130 Menschen fordern legale Schwangerschaftsabbrüche

Druck machen für mehr Selbstbestimmung: Zum Safe Abortion Day am 28. September fand auf dem Rathausplatz in Regensburg eine Kundgebung für sichere und legale Zugänge zu Schwangerschaftsabbrüchen statt.
Am eindrücklichsten sind die Berichte betroffener Frauen, die bei der Kundgebung zum internationalen Safe Abortion Day am Donnerstagnachmittag auf dem Rathausplatz vorgetragen wurden. „So sehr wurde noch nie über meinen Körper, meine Psyche und meine Einscheidungsfähigkeit hinwegbestimmt“, heißt es darin von einer Frau. „Der Prozess dahin hat mich mehr Kraft gekostet als der Eingriff selbst“, wird eine andere Betroffene zitiert.
Laut Claudia Alkofer, fachliche Leiterin von Pro Familia Regensburg, sei die Entscheidung für oder gegen Kinder noch immer keine freie, solange die Regelung in Deutschland im Paragraphen 218 im Strafrecht verankert ist. Dort ist festgelegt, dass ein Schwangerschaftsabbruch ein Straftatbestand ist, der unter bestimmten Voraussetzungen straffrei bleibt.
„Historische Chance“ für Neuregelung
Bei der Kundgebung, die neben Pro Familia von dem feministischen Kollektiv eben.widerspruch und der Hochschulgruppe Medical Students for Choice Regensburg organisiert worden ist, steht daher die Forderung nach sicheren, legalen und kostenfreien Zugängen zu Schwangerschaftsabbrüchen im Vordergrund.
„Im Frühjahr hat die Bundesregierung auf der Grundlage des Koalitionsvertrages eine Kommission einberufen, die die Möglichkeit einer Regelung außerhalb des Strafgesetzes prüft“, sagt Alkofer, „das ist eine historische Chance für eine längst überfällige Neuregelung.“
Mit der Stigmatisierung und Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen hänge auch zusammen, dass es kaum Mediziner gibt, die diese Leistungen anbieten. In der gesamten Oberpfalz befinden sich derzeit nur zwei Praxen und keine einzige Klinik, die Abbrüche überhaupt durchführen würden.
Die Forderung, dass Schwangerschaftsabbrüche fester Bestandteil der normalen Gesundheitsleistungen werden müssen, sei daher längst überfällig. „Wir wollen den Druck auf die Politik erhöhen“, so Alkofer, „Frauen sollen endlich selbstbestimmt Entscheidungen treffen dürfen.“
Wohnortnahe Versorgung statt Bevormundung
Auf die Redebeiträge der Veranstalterinnen folgt jedes Mal viel Applaus von den rund 130 Menschen, die teils mit selbst gebastelten Schildern und Bannern zu der Kundgebung gekommen waren. „Staat und Kirche raus aus der Gebärmutter“ ist darauf zu lesen – ebenso wie „My body, my choice“.
„Mehr als die Hälfte der Frauen, die zu uns in die Schwangerschaftskonfliktberatung kommen, haben übrigens bereits Kinder“, erklärt Alkofer noch, „und viele dachten, dass sie nie in so eine Situation kommen würden. In so einem Fall innerhalb kurzer Zeit eine Entscheidung zu treffen, sei bereits schwer genug. „Was Betroffene brauchen, ist eine wohnortnahe Versorgung und keine Bevormundung.“