Neue Geschäfte und Konzepte: Die Einkaufsstadt Regensburg erholt sich

Von Marion Koller · 28. Oktober 2023 um 12:00

Die Regensburger Arcaden locken mit neuen internationalen Marken – in der Altstadt punkten die individuellen Geschäfte. Natürlich gibt es Leerstände, aber der Aufwärtstrend ist klar zu sehen.

Die Arcaden, die zum Teil mit zahlreichen Leerständen gekämpft haben, ziehen einen bekannten Namen nach dem anderen an. Nach der Fast-Fashion-Marke Zara hat Anfang September Bershka eröffnet und im Mai wird Pull&Bear folgen. Die Drei bringen mehrmals im Jahr neue, günstige Kollektionen auf den Markt und gehören zum spanischen Inditex-Konzern. „Bershka kommt gerade bei jüngeren Kunden gut an“, sagt Anica Helbing, die Managerin des Shopping-Centers. Für Pull&Bear werden drei Ladenflächen zusammengefasst.

Biotech, ein Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln, hat im Herbst eröffnet. Am Samstag macht ein Tattoo-Studio auf. Bunte Wände verbergen derzeit fünf Leerstände. Helbing sagt zwar, die Besucherfrequenz sei wieder so hoch wie in der Vor-Corona-Zeit, gibt aber keine Zahlen preis. Ein großes Manko ist die Sanierung der Tiefgarage, wegen der rund 500 der 1500 Parkplätze gesperrt sind.

Keine 0815-Ware im Welterbe

In der Altstadt ist ein Aufbruch zu spüren. Am Kohlenmarkt hat sich ein Jack-Wolfskin-Store angesiedelt. „Aus dem Hinterland“ ist mit seinen Delikatessen auf eine größere Fläche gewechselt. Die Iris-Galerie hat sich mit Makrofotografie von Augen in der Neue-Waag-Gasse etabliert. Doch am Neupfarrplatz und vor allem in der Drei-Helm-Gasse klaffen weiterhin Leerstände. Die Gasse bei der Galeria Kaufhof verliert den Modeladen Loft Fashion, der in die Weiße-Lilien-Straße umzieht. Daneben aber füllt sich ein Leerstand: Das Zentrum für Gewichtsreduktion des Hormonspezialisten Prof. Christian Seifarth berät und behandelt ab sofort Übergewichtige.

Kaufmännische Leiterin Sabrina Schmeilzl, die sich gerade mit einem Handwerker an der Tür bespricht, sagt, bei den Patienten werde abgeklärt, ob eine Erkrankung der Auslöser sei. Eingesetzt werden auch Medikamente zur Gewichtsregulierung.

Im Untergeschoss der Galeria Kaufhof verkauft Go Asia neuerdings asiatische Lebensmittel, von Wasabi-Erdnüssen bis zur Curry-Paste. Galeria-Geschäftsführer Roman Kasimir bedauert zwar die Leerstände gegenüber, freut sich aber vor allem, dass Herrenausstatter Anson‘s vom Neupfarrplatz auch dem Kaufhaus zusätzliche Kunden bringt.

Makler sieht einen Aufwärtstrend

Makler Gerald Loers, der seit Jahren Altstadtläden vermittelt, sieht einen klaren Aufwärtstrend. Wechsel und Erweiterung seien die Themen, nicht Leerstand. Nach seiner Einschätzung haben die Lücken viel mit hohen Forderungen der Vermieter zu tun. Das bestätigt die Stadt. Leider hätten einige Hausbesitzer zu hohe Miet-Erwartungen und nähmen einen Leerstand in Kauf.

In der Unteren Bachgasse hat Rare Fashion mit seinen teuren, limitierten Sneakern zugesperrt. Nachfolger ist „Aus dem Hinterland“, vorher in der Neue-Waag-Gasse. Geschäfte mit solch individuellen Konzepten kommen in der Altstadt an. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Verkäuferin und Juristin Katrin Haidl (55) über den neuen, größeren Standort. „Von der Wahrnehmung und Frequenz her ist das ein wahnsinniger Unterschied.“ Gerald Loers urteilt: „Was an Produkten in der Altstadt funktioniert, ist nicht das 0815-Sortiment, das Sie in jeder Großstadt kriegen.“ Auch wollten die Besucher im Welterbe mehr erleben als in den Einkaufszentren.

Die Stadt verweist auf ihre Anstrengungen. Sie hat die Fußgängerzone und umliegende Straßen mit barrierefreiem Pflaster saniert. Grün, mehr Sitzgelegenheiten, neue Spielpunkte und die mobile Bepflanzung mit Buchen laden zum Verweilen ein. Auch berate die Stadt die Mieter schon lange in puncto Nutzungskonzepte und Mieter.

Christian Spielvogel vom Handelsverband Bayern, Bezirk Oberpfalz-Niederbayern, findet, Regensburg sei mit den Bänken, Bäumen und dem sommerlichen Spielbrunnen am Neupfarrplatz auf dem richtigen Weg. „Die Leute wollen Grün sehen.“ Doch es seien mehr Ruhezonen, Spielflächen und Schattenplätze nötig.

Hallhuber verkauft letztmals

Markus Wotruba, Standortspezialist bei der BBE-Handelsberatung, kennt Regensburg gut. Er weiß, dass es einen Altstadt-Kümmerer gibt. „Heute ist es allerdings erforderlich, mehr Ressourcen in diese Aufgabe zu stecken, da die Herausforderungen vielfältiger geworden sind.“ Wotruba plädiert für ein schlagkräftiges städtisches Team, das schnell und effektiv handeln kann. Ähnliches hätten die Einkaufszentren.

Zurzeit schauen viele Verbraucher aufs Geld. Besonders für Bekleidung wird weniger ausgegeben. Die insolvente Modekette Hallhuber hat die Arcaden bereits verlassen. Die Filiale Weiße-Lilien-Straße hat am Donnerstag letztmals verkauft. Der gesamte Einzelhandel sei unter Druck, beobachtet der Handelsverband Bayern.

Auch im Donau-Einkaufszentrum stehen drei Flächen leer, es gibt aber Interessenten. Ein Levis Store eröffnet im Dezember. Die Kundenzahlen haben wieder das Niveau der Vor-Corona-Zeit erreicht. Das DEZ punktet mit seinen 3000 kostenlosen Parkplätzen. Geschäftsführer Thomas Zink verweist auf Angebotsvielfalt, Service und Veranstaltungen. Jetzt freuen sich alle auf den Advent: Selfie-Points, Nikolausbesuche, eine Eisenbahn und Aktionen der Händler sind geplant.

Der Herrenausstatter Ansons‘s ist ein neuer Innenstadt-Magnet. Foto: Lex
Für mehr Grün, Spielflächen und Ruhezonen in der Altstadt plädiert Christian Spielvogel vom Handelsverband Bayern. Foto: Studio 1 Fotografie
Freut sich, dass das neue Geschäft Bershka viele jüngere Kunden anzieht: Centermanagerin Anica Helbing Foto: Bräutigam