Wegen Gema-Gebühren: Regensburg streicht Bühne auf dem Christkindlmarkt

In zwei weiteren Fällen ist klar, welche Konsequenzen die gestiegenen Gebühren für Musik auf die Christkindlmarkt-Saison haben werden. Während sich unter den Organisatoren des Lucreziamarktes in Regensburg Erleichterung breit macht, setzt die Stadt den Rotstift an.
„Das Bühnenprogramm wird es heuer im Hinblick auf die Gema-Gebühren nicht geben“, sagt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt. Immerhin: Für die Eröffnungsfeier am 27. November plane die Stadt ein musikalisches Rahmenprogramm – das soll überwiegend mit gemafreier Musik gestaltet werden. Dagegen kann das Musikprogramm auf beiden Bühnen des Lucreziamarktes in diesem Jahr ohne Abstriche stattfinden, kündigt Julia Jung an. Sie ist Vorsitzende des Förderkreises Regensburger Kunsthandwerk, der den Lucreziamarkt am Kohlenmarkt und am Haidplatz veranstaltet.
Eine saftige Erhöhung
Was ist passiert? Zuletzt war bekannt geworden, dass bei beiden Veranstaltern eine saftige Erhöhung der Gebühren im Raum steht, die sie für die adventlichen Klänge bei der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) entrichten sollen. Deswegen hatten sowohl Jung als auch die Stadt angekündigt, dass das Musikprogramm für den Budenzauber auf der Kippe steht, sollte es bei diesen Beträgen bleiben. Katrin Butz von der städtischen Pressestelle sprach von einer Erhöhung der Gema-Gebühren um fast das Siebenfache. Jung erklärte, einen Betrag von 3000 Euro für die Gema eingeplant zu haben. Die zu erwartende Rechnung sei dann aber auf 18.000 Euro in die Höhe geschossen. Das wäre zu viel für die Organisatoren gewesen. „Da wir keine großen Gewinne erwirtschaften können, sind unsere Ausgaben fest geplant“, sagte sie.
Sie sprach auch von Verhandlungen mit der Gema, während derer eine Kulanzregelung geprüft werden sollte, was Nadine Remus aus der Unternehmenskommunikation der Gema bestätigte. Inzwischen sind bei beiden Veranstaltern Entscheidungen gefallen.
So sei laut von Roenne-Styra schon klar, dass die Domspatzen das Musikprogramm für die Eröffnungsfeier des Christkindlmarkts am Neupfarrplatz mit gemafreien Liedern bestreiten können. Der Posaunenchor, der bei der Eröffnung auch einen Auftritt haben soll, versuche sein Programm ebenso gemafrei durchzuziehen, sagt sie. Die Bühne, auf der sonst täglich Programm gespielt wird, soll in diesem Jahr aber erst gar nicht aufgebaut werden, kündigt die Pressesprecherin an.
Bei Jung sei inzwischen eine E-Mail mit einer Stornierung der Kosten eingetrudelt. In einem Telefonat habe ihr ein Sachbearbeiter der Gema erklärt, dass sie für den Markt im Jahr 2022 nicht wie zunächst angekündigt 18.000 Euro zahlen müsse, sondern lediglich 2600 Euro. „Für das Bühnenprogramm in diesem Jahr sollen die Gebühren ähnlich ausfallen“, erzählt sie. Unklar sei aber noch, wie hoch dieser Betrag in Zukunft sein wird. Remus von der Gema gab vergangene Woche Auskunft, dass die von der Gema ermittelte tatsächliche Nutzungsfläche durchaus den Lizenzbetrag von 18.000 Euro ergeben würde.
Hoffen auf die Musiker
Jung aber freut sich jetzt erst einmal: „Wir sind erleichtert und gespannt, wie sich die Rechnung dann zusammensetzten wird“, sagt Jung. Es wäre in ihren Augen sehr schade gewesen, die Musik ausgerechnet in diesem Jahr ausfallen lassen zu müssen, immerhin feiere der Lucreziamarkt seinen 40. Geburtstag. Einen Markt ohne größere Probleme veranstalten zu können, habe sie sich aber auch nach den Problemen in der Corona-Zeit gewünscht.
Jetzt steht sie vor der Aufgabe, das Musikprogramm festzuzurren zu müssen. Zwar hatte sie schon Aussicht auf viele Auftritte. Wegen des Preisschocks für die Gebühren und der Verhandlungen mit der Gema habe sie die Musiker, die sie bereits engagiert hatte, aber gewarnt: Das Programm könnte durchaus noch abgesagt werden könnte. „Jetzt hoffe ich, dass sie noch Zeit haben“, sagt sie. Im Notfall werde sie aber nach anderen Ensembles suchen, um den Besuchern Musik bieten zu können.
