Regensburgerin (79) stirbt durch Stich ins Herz: Anklage wegen Mordes erhoben

Von André Baumgarten · 9. Oktober 2023 um 17:00

Die schreckliche Bluttat in der Brunhildstraße in Regensburg kommt im Dezember vor Gericht – der Untermieter der Seniorin wird wegen Mordes angeklagt. Der 52-Jährige soll auch eine der Enkelinnen angegriffen haben, die Augenzeugen waren.

Mehr als 20 Jahre lebte ein 52-Jähriger mit seiner Vermieterin in einem Haus in der Brunhildstraße in Regensburg. Im März forderte die Seniorin den Mann auf, auszuziehen. Damit bestätigten die Ermittlungen, was unmittelbar nach dem Angriff bekannt geworden war. Womöglich tötete der Angreifer, weil es durch diese Zurückweisung zutiefst gekränkt war.

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Er soll daher mit einem Messer auf die 79-Jährige losgegangen sein und sie getötet haben. Die Regensburger Staatsanwaltschaft sieht darin heimtückischen Mord und hat Anklage zum Schwurgericht erhoben. Die beiden Enkelinnen der Seniorin waren offenbar Augenzeugen der brutalen Tat – eine von ihnen soll der 52-Jährige ebenfalls angegriffen haben, um sie zu töten.

In der ruhigen Nebenstraße im Stadtsüden von Regensburg spielten sich dramatische Szenen ab: Als erste Polizeistreifen an jenem Dienstag am Tatort in der Brunhildstraße eintrafen, stand der 52-Jährige am Zaun vor der Doppelhaushälfte. Mit blutverschmierter Hose wartete er auf die Beamten und ließ sich widerstandslos festnehmen. „Ich war es“, soll er gesagt haben, als die Beamten ihm Tüten über die Hände stülpten, um Spuren zu sichern. Danach wurde er sofort vom Tatort weggebracht.

War es ein einziger Stich, der mitten ins Herz traf?

Im Inneren der Doppelhaushälfte wurde zeitgleich um das Leben der Frau gekämpft. Polizisten reanimierten das Opfer im Erdgeschoss, bis der Notarzt und die Sanitäter eintrafen. Für die Seniorin kam letztlich jede Hilfe zu spät; sie verstarb noch am Tatort. Laut Anklage hatte der Untermieter der 79-Jährigen einen Stich mitten ins Herz zugefügt – weil sein Leben jetzt ruiniert sei, wie er unmittelbar vor dem Messerangriff gesagt haben soll.

Unmittelbar vor dem Angriff soll die Seniorin den 52-Jährigen wohl aufgefordert haben, auszuziehen, weil ihr Enkeltöchter eingezogen waren. Die Tatwaffe mit einer Zehn-Zentimeter-Klinge soll er laut Anklage im zweiten Obergeschoss des Hauses geholt haben. Als er ins Zimmer der Seniorin zurückkam, soll er es verdeckt hinter dem Rücken gehalten und urplötzlich auf die 79-Jährige eingestochen haben.

Damit aber nicht genug: Als die ältere Dame zu Boden gesackt war, wandte er sich laut Überzeugung der Regensburger Staatsanwaltschaft einer ihrer Enkelinnen zu. Die zahlreichen Stiche in Richtung Oberkörper soll die junge Frau aber erfolgreich abgewehrt haben. Obwohl sie offenbar ein heftiger Faustschlag traf, soll sie die Hand mit dem Messer fixiert und beruhigend auf den 52-Jährigen eingeredet haben. Der Mann ließ daraufhin wohl von ihr ab. Ehe er vorm Haus schließlich auf die Polizei wartete, soll er die Waffe in seine Wohnung gelegt haben.

Dort stellten die Mordermittler der Kripo in Regensburg das Messer wenig später sicher. Im Haus selbst wurden noch am 14. März akribisch Spuren gesichert. Bis zur Tat war der Mann nie polizeilich auffällig geworden, hieß es. Es dürfte aber womöglich Alkohol im Spiel gewesen sein: Knapp zwei Promille soll das Messgerät der Polizei an jenem Nachmittag gezeigt haben. Das dürfte aber ein Punkt sein, dem das Schwurgericht im Prozess genauer nachgehen muss – für die Schuldfähigkeit könnte das eine erhebliche Rolle spielen.

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Der 52-Jährige hatte in Vernehmungen geschwiegen, später aber doch Angaben zur Tat gemacht. So hatte es seine Verteidigerin Stephanie Bauer damals auch angekündigt. Was er sagte, wird sich wohl erst im Prozess zeigen. Der soll noch im Dezember starten, hieß es. Dem Mann drohen im Fall einer Verurteilung wegen Mordes 15 Jahre Gefängnis.

Bluttat sorgte unter Nachbarn in Regensburg für Schock

Die Bluttat in der Brunhildstraße löste große Betroffenheit aus. Anwohner beschrieben das Opfer als rüstige ältere Dame, die freundlich und stets hilfsbereit gewesen sei. Auch den Mann, der wegen des Mordes an ihr vor Gericht soll, kannten einige Nachbarn vom Sehen. Er habe zurückgezogen gelebt und eher unscheinbar gewirkt.

Die Spezialisten der Spurensicherung von der Kripo in Regensburg untersuchten den Tatort im Stadtsüden akribisch. Foto: Baumgarten