Regensburg sucht auf zwei Plätzen Strategien für die Altstadt im Klimawandel

Von Heike Haala · 20. September 2023 um 19:00

Die Stadt möchte wissen, wie sie ihre Plätze am Besten gegen Hitze rüsten kann. Dabei soll das Projekt „Klimaanpassung in Regensburg – KlaR“ helfen. Der Alte Kornmarkt und der Augustinerplatz werden dabei bis Juli 2026 als Prototypen herhalten.

Am Mittwochnachmittag stellten Bürgermeister Ludwig Artinger (FW), Tanja Flemmig, Leiterin des Stadtplanungsamtes, und Klimaresilienzmanagerin Katharina Schätz ihre Pläne vor. Artinger redete von einem Leuchtturm-Projekt, durch das mehr Aufenthaltsqualität entstehen soll.

So habe im August etwa bereits eine Thermalbildbefliegung stattgefunden. Im Anschluss daran seien die beiden Plätze ausgesucht worden. „Die wollen wir nun exemplarisch abkühlen, Maßnahmen entwickeln, prüfen und installieren“, sagte der Bürgermeister. Vieles sei möglich, etwa Wasser oder Beschattung könnten dabei helfen.

Sanierungen profitieren

Von dem Projekt erhofft sich der Bürgermeister Erkenntnisse dazu, welche der Maßnahmen am besten geeignet sind und wie das Thema in Regensburg weiter behandelt werden soll. Künftige Sanierungen von Altstadtplätzen sollen davon profitieren.

Schätz hob hervor, dass bei dieser Arbeit vor allem praktisch gearbeitet werde und Initiativen oder Verbände ihre Expertise einbringen werden können. Auch die Regensburger sollen sich an dem Projekt beteiligen.

Flemmig freut sich über die Möglichkeit, die Maßnahmen ausprobieren zu können und hofft, dabei auch Neues zu entdecken. So könne es durchaus passieren, dass so eine Maßnahme auch einmal kurzfristig eingerichtet wird.

Für Raimund Schoberer, Vorsitzender der Kreisgruppe Regensburg im Bund Naturschutz, kommt es nun darauf an, wie verbindlich das Ergebnis dieser Untersuchung ist. „Es braucht klare Vorgaben, denn die Zeit läuft ohnehin schon gegen uns“, sagt er. Ihn stört, dass dafür drei Jahre vergehen müssen. Für Schoberer ist schon jetzt klar, was der Stadt gut tun würde. Trinkbrunnen an allen wichtigen Knotenpunkten, Alleen mit Bäumen, die den Namen verdienen oder keine weitere Bebauung der Wöhrde, wiederholt er einige Forderungen. Man brauche das Rad also nicht erst neu zu erfinden. „Das Einmaleins steht anderswo schon da“, sagt er.

Zwei, die dieses Einmaleins beherrschen, sind Susanne Wamsler und Rupert Wirzmüller von den Freiraum Architekten. Die Mittelbayerische hat sie im Vorfeld der Projektvorstellung gebeten, am Beispiel von Regensburger Plätzen Strategien zu benennen, die eine Stadt für den Klimawandel rüsten. Wamsler suchte sich prompt den Alten Kornmarkt aus, der nun Teil des Projektes ist: Sie würde hier die Autos verbannen und Bäume pflanzen. „Das kühlt und spendet Schatten“, erklärt sie. Tiefgaragen kommen für Wamsler an dieser Stelle nicht in Frage, stattdessen würde sie Regenwasser in einer Zisterne sammeln, um die Bäume bei Trockenheit bewässern zu können. Zudem würde die Planerin Pflaster mit offenen Fugen verlegen. „So kann das Wasser versickern, die Wurzeln können es speichern und – wenn der Denkmalschutz mitmacht – sind damit Kletterpflanzen möglich“, erklärt sie. Ein Brunnen dürfe auf dem Platz nicht fehlen.

Idee für den Haidplatz

Wirzmüller sucht die Herausforderung: den Haidplatz. Historisch baumfrei, mitten im Welterbe und im Sommer so heiß, dass er nicht einmal in der Nacht abkühlt. „Hier braucht es Technik“, sagt der Planer und nennt den Vorhof der Mezquita in Cordoba oder Paris als Vorbilder. „Da wird planmäßig beregnet, damit das Wasser verdunstet und für Abkühlung sorgt“, verdeutlicht er. Wien arbeite mit Nebeldüsen. Das könnte auch am Haidplatz helfen, ist Wirzmüller sicher. Auch für die Maximilianstraße oder den Neupfarrplatz haben die beiden Ideen. Es brauche Bäume – und zwar gepflanzte, die wachsen können, auch wenn das erst einmal teuer sei.

„Wir dürfen hier auch nicht nur die Altstadt betrachten“, fordert Wamsler. Etwa beginne das Thema Durchlüftung nicht erst am Rand der Welterbezone, sondern in den Gewerbe- und Wohngebieten im Umfeld. Diese Schneisen müssten frei bleiben.

In Wien kühlen Gleditschien die Mariahilfer Straße. Wäre das auch was für Regensburg? Foto: WRW FreiRaumArchitekten