Lücke in der Brücke, Risse im Salzstadel, Gerüst am Dom: Wie fit ist Regensburgs Welterbe?

Als Welterbestätte stehen die Regensburger Altstadt und Stadtamhof unter besonderem Schutz. Denn mit dem Titel geht der Auftrag einher, das Ensemble langfristig zu erhalten. Allerdings macht dieses Erbe gerade an mehreren Stellen einen ramponierten Eindruck.
So gibt es seit Ende März die Lücke im Geländer der Steinernen Brücke, nachdem ein Autofahrer gegen die Brüstung gefahren war. Sie wird repariert. Ein paar Schritte weiter klaffen an der Ostfassade des Salzstadels tiefe Risse, die den Blick auf das Mauerwerk freigeben. Die Stadt lässt sie untersuchen und schließen. Manche Kirchtürme – allen voran der Südturm am Dom – und auch Altstadthäuser sind wegen Bauarbeiten hinter einem Gerüst verschwunden.
Viele Sanierungen in Regensburg laufen
Zudem laufen gerade viele weitere denkmalpflegerische Millionenprojekte. Zu den Baustellen im Zuständigkeitsbereich der Stadt zählt Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra etwa die Sanierung des Keplerhauses aus der Zeit um 1540. Vor einem Jahr wurden dafür Kosten in der Höhe von 5,4 Millionen Euro veranschlagt, was eine Versiebenfachung der ersten Schätzung bedeutete.
Auch soll das Velodrom saniert werden. Bei den Arbeiten an der Halle mit dem markanten Tragwerk müssen sogar die Anforderungen beider Welterbe-Titel – Mittelalterliche Stadt und Donaulimes – erfüllt werden. Als das Projekt im März 2020 vom Stadtrat auf den Weg gebracht wurde, war in dem Beschluss von voraussichtlich 26 Millionen Euro die Rede. Eine endgültige Kostenschätzung wird es aber erst noch geben.
Die Diözese stemmt ebenso gerade Großprojekte. Jakob Schötz, Sprecher in der Bischöflichen Presse- und Medienabteilung, nennt den Glockenturm von St. Emmeram als Beispiel. Die ehemalige Benediktinerabteikirche gilt als der größte und wichtigste Kirchenbau Süddeutschlands aus vorkarolingischer und frühromanischer Zeit. An ihrem Turm startete im Januar eine Voruntersuchung für die Außenrenovierung. Zuvor seien Figuren an den Fassaden gesichert worden. Seit 2016 gibt es das Schutzgerüst am Turm. Sobald die Fördermittel freigegeben werden, kann die Baumaßnahme laut Schötz in zwei Jahren über die Bühne gehen. Er rechnet mit Kosten von 1,5 bis 2 Millionen Euro. Auch soll das ehemalige Pfarr- und Mesnerhaus St. Emmeram saniert und zu einem Pfarr- und Begegnungszentrum umgebaut werden. Die Baumaßnahme, die gerade Fahrt aufnimmt, wird laut Schötz 5,6 Millionen Euro verschlingen.
Großprojekte bei Kirchen
Zudem nennt er das für zwei Jahre angesetzte Klimamonitoring des Schottenportals. Gleichzeitig werde der Zustand des aufwendigsten und figurenreichsten Portals der Romanik in Deutschland untersucht. Wo notwendig soll dabei die Substanz gesichert und erhalten werden. Die Kosten hierfür seien noch unklar.
Die Neupfarrkirche, die Dreieinigkeitskirche samt Gesandtenfriedhof sowie die St. Oswaldkirche nennt Klaus Neubert, Geschäftsführer der Evangelisch-Lutherischen Gesamtkirchenverwaltung, als die größten Bauprojekte in seinem Zuständigkeitsbereich. In der Neupfarrkirche steht die Innensanierung und Neugestaltung an. Die Maßnahme an der einzigen frei stehenden Kirche Regensburgs werde nun geplant und voraussichtlich ab 2025 umgesetzt. Im Moment rechnet Neubert mit Gesamtkosten von 4,2 Millionen Euro.
Der Gesandtenfriedhof, ebenfalls ein Denkmal von europäischem Rang, schlage bei seiner Sanierung mit Gesamtkosten 2,6 Millionen Euro zu Buche. Als nächstes würde die Fassade der Dreieinigkeitskirche mit den berühmten Fenstern auf der Agenda stehen. Allerdings seien hier weder die Kosten noch die Finanzierung geklärt.
Die Außenarbeiten an der St. Oswaldkirche sollen laut Neubert im Herbst enden. Dann bedürfe die Kirche mit dem berühmten Orgelprospekt noch einer Innensanierung. Insgesamt rechnet Neubert mit Kosten von 4,2 Millionen Euro.
Ist es also schlecht um den Zustand des Ensembles bestellt? Ist Regensburg vielleicht zu unvorsichtig mit seinem Erbe umgegangen, so dass nun viel repariert werden muss? Steht deswegen vielleicht sogar der Titel auf dem Spiel und damit Millionen an Fördergeldern sowie ein Teil des Zustroms an Touristen, was die Stadt diesem Prädikat verdankt? Laut von Roenne-Styra gibt es keinen Grund für diese Sorgen. Der Welterbetitel sei nicht in Gefahr und der Erhaltungszustand des Ensembles insgesamt hervorragend, sagt sie. Allerdings macht sie deutlich, dass die Welterbe-Zone eine dauernde Baustelle ist. Hier kommt es ständig zu kleineren und größeren Baumaßnahmen. „Die Stadt Regensburg steht in der Pflicht dafür zu sorgen, dass all diese Vorhaben unter Einhaltung der höchsten denkmalfachlichen Standards erfolgen“, betont sie. Dabei gehe es nicht lediglich um die Optik, sondern vor allem um den Schutz der Denkmalsubstanz. Größere Maßnahmen werden deswegen im Welterbesteuerungskomittee abgestimmt.
Aber sind das nicht ganz schön viele Baustellen auf einmal? Schon, aber das macht nichts, sagt Stadtführerin Katharina Lenz. „Regensburg war immer eine Baustelle. Am Dom ist zwischen 1300 und 1500 dauernd weitergebaut worden“, erinnert sie. Zudem sei die Altstadt kein Disneyland. Das versuche Lenz ihren Gästen zu vermitteln, wenn sie mit ihnen wieder einmal vor einer Attraktion hinter Absperrgittern, Gerüst oder Folie steht.