Hitze-Plan soll Regensburg kühlen: Ein paar Tropfen auf die heiße Stadt

Von Heike Haala · 10. Juni 2023 um 05:00

Viele haben den Sommer 2022 als sengend heiß in Erinnerung. Es könnte lediglich ein Vorgeschmack auf das gewesen sein, was Regensburg noch blüht. Trotzdem wird es dauern, bis die Erkenntnisse aus dem Hitzmangement-Konzept in die Praxis einfließen.

Um wie viel heißer Regensburg geworden ist, verdeutlicht Lothar Bock vom Regionalen DWD-Klimabüro des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in München: „Die Zahl der Hitzetage hat in den letzten 20 bis 30 Jahren spürbar zugenommen.“ Lag sie von den 1950er- bis zu den 1990er-Jahren durchschnittlich bei fünf bis zehn, habe sie sich seither verdoppelt bis verdreifacht „Im Zeitraum von 1961 bis 1990 gab es in Regensburg durchschnittlich sechs heiße Tage, im Zeitraum von 1991 bis 2020 sind es 17 Tage“, sagt er.

So heiß könnte es werden

Größere Städte wie Regensburg sind Bock zufolge stärker von Hitze beeinflusst und werden dies auch in Zukunft sein. Er beschreibt, was den Domstädtern noch bevorstehen könnte: „Machen wir weiter wie bisher, können bis Ende dieses Jahrhunderts in Regensburg im Durchschnitt rund 30 bis 50 heiße Tage im Jahr auftreten.“ Und im Durchschnitt heiße dabei, dass es in einzelnen Jahren auch deutlich mehr sein können.

Um sich für diese Veränderungen zu rüsten, hat sich die Stadt im vergangenen Jahr ein Hitzemanagement verpasst. Der Plan mit zehn Punkten sieht etwa die Entwicklung eines Klimafolgenanpassungskonzepts vor, die Ausweisung von Klima-Handlungsräumen im Flächennutzungsplan, den Ausbau der ämterübergreifenden Zusammenarbeit zum Thema, Trinkbrunnen und Wasserspender im öffentlichen Raum oder eine Informations- und Beratungskampagne zur Begrünung von und an Gebäuden.

Auf die Frage, was davon bereits umgesetzt ist, antwortet Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, dass die Maßnahmen aus dem Hitzemanagement nach und nach umgesetzt werden sollen. So soll eine neue Klimafunktionskarte geschaffen werden, die künftig Hitzebereiche in Regensburg und auch die Durchlüftungssituation aufzeigt. Diese Erkenntnisse sollen im neuen Flächennutzungsplan berücksichtigt werden – eine weitere Maßnahme des Hitzemanagements. Prinzipiell brauche es aber Zeit, die Erkenntnisse in die Praxis einfließen zu lassen.

Als Reaktion auf die heißen Sommer seien derzeit weitere Trinkwasserbrunnen wie der neue am Schwanenplatz in Planung, mehr Schirme und in Ausnahmefällen Markisen in der Altstadt, Bäume mit Sitzgelegenheiten und Grünpflanzen wie seit kurzem in Maximilianstraße sowie der Einsatz von Sprühnebelkühlung in der Außengastro, so lange die technische Ausführung filigran und formal zurückhaltend gestaltet ist. Auch der mobile Brunnen, der vergangenes Jahr auf dem Haidplatz stand, soll wieder in die Altstadt zurückkehren.

Raimund Schoberer, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bunds Naturschutz, sagt trotzdem, dass in Regensburgs klimaschutztechnisch mehr auf Höhe der Zeit laufen könnte: Trinkwasserbrunnen wie den am Schwanenplatz gebe es in Italien an jeder Ecke. „Jedes Quartier braucht da mindestens zwei“, fordert er. Ob Freiraumkonzept, Freiflächengestaltungssatzung oder Klimagutachten – diese städtischen Erhebungen seien in sich gut. Aber wenn er dann höre, dass der Stadtwald in der Lilienthalstraße weg soll, obwohl er als Klimaraum ausgewiesen sei, vermute er, dass diese super Unterlagen doch nicht so gemeint sein könnten. „Römerpark, Odessa-Park, Pürkelgut: Grünräume müssen endlich aktiv über die Bauleitplanung gesichert werden“, fordert Schoberer. Denn es seien ohnehin nicht mehr viele übrig.

Diese Folgen hat die Hitze

Wie notwendig Maßnahmen gegen die Hitze sind, zeigt eine Nachfrage in der Notaufnahme der Barmherzigen Brüder: Wenn Menschen zu viel davon abbekommen, könne dies nicht nur zu Beschwerden wie Kreislaufproblemen mit typischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Erschöpfung und Benommenheit führen, sagt Felix Rockmann, stellvertretender Ärztlicher Direktor und Chefarzt des Notfallzentrums, sondern im Extremfall auch zu einem Hitzschlag. Immer wieder würden Menschen wegen der Hitze auch in der Notaufnahme landen. Vor allem ältere Menschen, Schwangere und Kinder sowie Menschen mit Vorerkrankungen seien durch die Sommerhitze besonders gefährdet, erklärt Rockmann.

Sogar dem DWD sind die Temperaturen in Regensburg inzwischen zu heiß: Deswegen soll die Messstation bald von der Riesengebirgsstraße nach Lappersdorf verlegt werden, kündigt Bock an. Sie ist inzwischen von Bebauung und Vegetation eingerahmt, zeige im Vergleich zum Umland häufig höhere Temperaturen und sei deswegen nicht mehr großräumig repräsentativ. Regensburg soll dafür eine Stadtklimastation bekommen.